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Kirchen-Wiedereintritt: Fakten & Mythen zum Glaubens-Comeback

24.11.2014 um 10:49, A B
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Der christliche Glaube hat im Abendland mit schwindenden Anhängern zu kämpfen. Doch jedes Jahr kehren verloren gegangene Seelen zurück in den Schoß von Mutter Kirche. Weekend Magazin hat die Fakten zum Glaubens-Comeback.

Feiern Sie Weihnachten? Ja? Zahlen Sie auch ­Kirchensteuer? Der christliche Glaube ist Teil der ­heimischen Kultur. Trotzdem treten viele aus dem „Verein Kirche“ aus, verweigern den Mitgliedsbeitrag. Doch es geht auch in die andere Richtung: Nicht wenige Österreicher kehren im Laufe ihres Lebens in den Schoß ihrer Glaubensgemeinschaft zurück. Was steckt dahinter?

Glaubensfrage

Österreich ist ein christliches Land. Taufe, Erstkommunion, Firmung bzw. Konfirmation gehören genauso dazu wie für die meisten eine kirchliche Trauung und die Letzte Ölung. ­Jedoch: Dabeibleiben bei der kirchlichen Gemeinschaft wollen immer weniger. Ende 2013 gab es in Österreich 5,31 Millionen Katholiken und 313.000 Evangelische. Fast 55.000 Katholiken verließen die Glaubensgemeinschaft, die evangelische Kirche beklagte knapp 4.000 Austritte. Aber ein Funken Hoffnung strahlt am Firmament der Glaubensgemeinschaften: Es gibt nämlich auch jene, die reumütig in Gottes Herde ­zurückkehren.

Kirchensteuer oder Tradition

So wie Sandra (31) aus Wien. Zehn Jahre nach ihrem Austritt – Auslöser war wie bei vielen die hohen Beitragsvorschreibungen – trat sie wieder in die Kirche ein. Der Grund: Sie sollte Taufpatin werden. Nach einem Gespräch mit dem Pfarrer und der Frage, ob sie denn Glaubensbekenntnis, Vater Unser und Ave Maria noch beherrsche, wurde gemeinsam gebetet. Der Rest war Formsache. Kurz und schmerzlos wurde Sandra wieder in die Glaubensgemeinschaft aufgenommen. Sie ist nicht ­alleine. Mehr als 1.000 Menschen gingen im Vorjahr in Wien diesen Schritt. 2012 kehrten österreichweit 4.142 Gläubige zum Katholizismus zurück, bei den Evangelischen waren es im vergangenen Jahr 870 Eintritte.

Neue, alte Gläubige

Neben Taufe und Hochzeit im feierlichen Zeremoniell ist es auch das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit des Lebens, das die Menschen dem Glauben wieder näherbringt. Dies zeigt auch die Statistik: Die meisten treten zwischen 30 und 40 Jahren oder jenseits der 60 wieder ein. Taufe, Erstkommunion und Firmung/Konfirmation sind traditionell fest verankert. Das will man dem eigenen Kind nicht vorenthalten. Der Wunsch nach einem kirchlichen Begräbnis und dem Einlass ins Paradies mag bei den Älteren eine Rolle spielen. Frauen kehren eher zur Kirche zurück. Die Motive sind vielfältig, im Frühling gibt es die meisten Wieder-Gläubigen.

Positive Berührungspunkte

Ein charismatischer Priester oder eine aktive Gemeinschaft sind ebenfalls Auslöser für ein Wiederentflammen des Glaubens. Bemerkenswert ist, dass Krisen in der Katholischen Kirche auch bei den Evange­lischen zu höheren Ein-, aber auch Austritten führen.

Häufige Mythen

Einige Gerüchte halten sich seit Jahren hartnäckig. Wir haben die drei häufigsten einem Realitäts-Check unterzogen.

Frage 1: Werde ich beim ­Wiedereintritt getauft? Wenn man bereits als Kind getauft wurde, ist ein Wiedereintritt ein formeller Akt: ein Gespräch, eine Unterschrift, eventuell ein Gebet. Die Rückkehr kann auch in Form eines Gottesdienstes feierlich begangen werden.

Frage 2: Muss ich Kirchensteuer nachzahlen? Ein Mythos, der sich hartnäckig hält. Für die Zeit zwischen Aus- und Wiedereintritt ist keine Nachzahlung fällig. Seitens der evangelischen Kirche gibt es sogar Gnadenfristen: Manche Gemeinden befreien ihre zurückgekehrten Schäfchen im ersten Jahr gänzlich vom Beitrag. Die Höhe ist generell einkommensabhängig.

Frage 3: Muss ich vor dem Eintritt beichten? Geläutert von den Sünden, gereinigt vor den Herrn zu treten, frisch und rein von aller Schuld? Muss man nicht. Wer beichten will, kann das natürlich, Voraussetzung ist es nicht.

Eintreten

Wer sich zum Wiedereintritt entschlossen hat, bleibt meist in der Gemeinschaft. Vielleicht, weil diese Menschen ihre Entscheidung als Erwachsene und aus freien Stücken getroffen haben.

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