Kindererziehung: "Presse"-Kommentar ruft Eltern auf den Plan

In seinem Kommentar spricht Journalist Wolfgang Greber freimütig über Kindererziehung und erörtert, warum "totale Gewaltfreiheit" ein Irrglaube sei. Was ihm dafür in den Foren entgegenschwallt, ist buchstäblich nicht von schlechten Eltern.

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Kindererziehung: kontroversiell diskutiert wie noch nie Foto: thinkstockphotos.com

Es kommt nicht oft vor, dass sich die Chefredaktion der Tageszeitung "Die Presse" zu einer Stellungnahme wie der folgenden veranlasst sieht:

"'Wer Strafe nicht vollzieht, wird unglaubwürdig' von Wolfgang Greber („Presse am Sonntag“ 30. 11.), in dem Gewaltanwendung als 'ultima ratio' in der Kindererziehung bezeichnet wird, entspricht weder der Blattlinie dieser Zeitung noch zeitgemäßer Pädagogik. Daher – und das ist eine traurige Premiere – distanzieren wir uns vom Inhalt dieses Artikels. Unsere interne Kontrolle hat am vergangenen Samstag versagt. Wir bedauern dies."

Kindererziehung: kontroversiell diskutiert wie noch nie
Kindererziehung: kontroversiell diskutiert wie noch nie Foto: thinkstockphotos.com

Wie erzieht man heute ein Kind?

Fakt ist, dass der unter Beschuss geratene Journalist mit seinem Kommentar den Nerv getroffen hat: die Frage, wie sich der Anspruch auf eine gewaltfreie Erziehung mit der Problematik, Kindern natürliche Grenzen zu setzen, vereinbaren lässt. Die Wahl der Worte, Beispiele und Argumente, deren sich Greber bediente, löste dabei eine Welle der Entrüstung in den Foren der heimischen Tagespresse aus, die sich auch am zweiten Tag nach der Veröffentlichung des Textes nicht gelegt hat.

Autor "steht zum Ohrenzieher"

Stein des Anstoßes sind Formulierungen wie diese: "Wer Strafe nicht vollzieht, macht sich unglaubwürdig." Oder: "Totale Gewaltfreiheit in der Erziehung ist ein infantil-romantischer , militant-pazifistischer Irrglaube wie die Idee der Gewaltfreiheit in der Welt." Aussagen wie "Ich stehe zum Ohrenzieher" rücken den Autor aus Sicht vieler Leser in ein zweifelhaftes Licht. Damit stehen sie nicht alleine da. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien und die österreichische Bundesjugendvertretung zeigen sich in offenen Briefen über die Ansichten des Journalisten betroffen bzw. fassungslos.

Kindererziehung: kontroversiell diskutiert wie noch nie
Kindererziehung: kontroversiell diskutiert wie noch nie Foto: thinkstockphotos.com

Allgemeine Verunsicherung

Ungeachtet dessen zeigen die unzähligen emotionalen Reaktionen, dass Kindererziehung ein Thema ist und dass die Verunsicherung unter jungen Eltern nie größer war. Anlass auch für das Weekend Magazin, dieses Thema aufzugreifen. (siehe untenstehenden Link)

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