Kein Dresscode, keine Finesse: Fußballgolf - Einlochen mit dem Leder

Karohose und Polohemd trägt hier keiner, der Dresscode erlaubt ausgebeulte Trainingsanzüge. Es gibt keine Caddys und Golfcarts, keiner braucht Platzreife. Und nicht mit Schlägern wird der Ball über das Green gespielt, sondern mit dem Fuß.

Kopie von Das Runde muss ins... Runde!
Foto: APA (dpa)

Fußballgolf funktioniert ähnlich wie Mini-Golf, nur für Fußballer. Seinen Ursprung hat der Trend in Schweden. Erst seit 2006 gibt es die Lifestyle-Sportart in Deutschland. Etwa 15 große Anlagen entstanden seither in der ganzen Republik, eine steht im bayerischen Leipheim.

Startaufstellung

In der Startaufstellung stehen Marcus und Reiner, aktive Fußballer der örtlichen Kreisliga. Albert und Volker geben hingegen heute ihr Comeback am Leder. Sie spielen nicht einen kleinen, weißen Ball, sondern einen normalen Fußball über den Platz. "Nur darf er nicht ganz aufgepumpt sein", erläutert Bahnbetreiber Thomas Buhl. "Sonst springt er zu stark auf." Bahn eins könnte jedem Trainer als Dribbelübung gefallen. An den Seiten behindern große Steine die freien Schussbahn. An ihnen vorbei und am Ende durch eine leichte Rechtskurve muss das Leder fliegen, insgesamt etwa 30 Meter weit.

Anpfiff! Abschlag

Anfpiff! Marcus ist am Abschlag. Er schießt den Ball auf optimaler Linie direkt zwischen den beiden Steinen hindurch. Aber hier gibt es keine Bande, die den Ball wie beim Minigolf abprallen lässt. Und Marcus ist kein Ballkünstler wie der schwedische Fußballstar Zlatan Ibrahimovi?, der Bälle in wundersame Flugkurven lenken kann. Marcus' Leder bleibt auf gerader Linie und stoppt bald, statt die Kurve zu nehmen. Sein zweiter Schuss folgt. Er geht drei Meter um die Rechtskurve herum.

Wie ein Elfmeterschütze

Par sind auf dieser Bahn drei Schüsse. Ein Par ist im Golf die Schlagvorgabe, die Besten brauchen nur so viele Versuche bis ins Loch. Wie beim Minigolf darf der Spieler aber mehr Versuche machen. Ein Hole-in-one oder ein Birdie, also ein Schlag/Schuss unter Par, ist bei Fußballgolf aber quasi unmöglich für Laien. Zwei Meter sind es noch für Marcus bis zu dem etwa 60 Zentimeter breiten Loch mit Fahne. Beim dritten Schuss kullert der Ball einfach über das Tor im Boden. Marcus reibt sein Gesicht, grummelt, ist angespannt. Er wird über Par spielen. Alle schauen jetzt genau hin und lachen - wie sie lachen, wenn der Fußballprofi alleine vor dem Torwart steht und es vergeigt. Wie ein Elfmeterschütze im WM-Finale fokussiert Marcus den Ball - Golfspieler nennen das "Adress". Konzentration, Marcus schießt, nein, er tippt das Leder nur noch leicht an - und es kullert in das Loch. Tor! Eingelocht!

Alle Versuche gewertet

Thomas Buhl schreibt die Punkte der Gruppe auf. Alle Versuche werden gewertet. Wer mehr als neun Versuche auf Bahn eins braucht, kassiert einen Strafpunkt. Der Spieler mit den meisten Punkten am Ende verliert. Aber, Überraschung: Frauen und Nicht-Fußballer sind in diesem Sport oftmals besser, weil sie durchdachter spielen, sagt der Bahnbetreiber. Sie dreschen nicht einfach drauf, um den Ball erst einmal möglichst weit über die Bahn zu bekommen, und sie versuchen meist nicht, mit nur einem Schuss das Hindernis zu überwinden, erzählt Buhl.

Hobbykicker in Aktion

Auf der Bahn mit klassischer Torwand etwa nähern sie sich dem Hindernis lieber an. Bis zu dem Punkt, an dem normalerweise der Ball für den optimalen Schuss durch die Löcher gelegt wird. Die vier männlichen Hobbykicker versuchen hingegen den Ball direkt vom Startpunkt aus zu lupfen und auch noch durch die oberen Löcher der Torwand zu schießen. Versuch um Versuch geht daneben. Reiner, Albert und Volker lassen die Bälle gegen die Latten prallen, Marcus schießt ins Rough, also das Gras neben der Bahn, und muss zurückspielen.

Annäherung hinter Torwand

Dabei ist das noch nicht einmal das Ziel - erst hinter der Torwand beginnt die Annäherung. So nennen Golfer Schläge, die sie möglichst nahe an die Fahne bringen. Dafür müssen sie hier noch den Ball an einem großen Stein am Rand der Bahn vorbeibekommen und dabei nicht zu weit rechts abdriften - dort gibt es einen Bunker. Gleichzeitig gilt es noch eine Linkskurve zu überwinden. Fünf Par braucht ein sehr guter Spieler für diese Bahn, der Laie hat 15 Versuche.

Kein Torwart

Auch richtige Tore gibt es auf der Anlage - und damit die klassische Elfmetersituation. Doch einen Torwart braucht es hier nicht. Vor dem Netz ist ein kleiner Ring angebracht - genau hier hinein müssen die Fußballgolfer zielen. Die Jungs versuchen es wieder mit dem Schuss im Stil eines WM-Schützen. Direkt vom Start in das Tor soll der Ball, über eine Distanz von etwa 20 Metern - und geht meilenweit daneben. Aber Albert taktiert. Er versucht nicht gleich in den Ring zu treffen. Er nähert sich an - gut 10 Meter vor dem Tor bleibt sein Ball liegen. Ein schlauer Spielzug. Endspiel! Albert fixiert den Ball. Er verzichtet auf einen langen Anlauf. Zwei Schritte, ein flacher, langsamer Schuss reicht. Von einem Torwart ist schließlich weit und breit nichts zu sehen. Und der Ball landet im Ring!

Keine Fußballschuhe

Eingelocht mit zwei Schüssen auf einer der schwersten Bahnen. Und das ohne Fußballschuhe, die sind hier verboten. Denn das empfindliche, satte Green muss geschützt werden, sagt Buhl. "Stollenschuhe machen den Rasen kaputt." Gut sind Sportschuhe für Hallenfußballer oder klassische Turnschuhe. Bahn für Bahn wird es schwieriger. Der Vulkan ist ein Klassiker auf jeder Minigolfbahn. Der Ball muss auf einen Hügel geschossen werden und an dessen Spitze sehr langsam werden oder landen, um in das Loch zu fallen. Meist aber geht er darüber hinweg. Highlight der Anlage ist aber ein alter Trabi mitten im Grün. Die Spieler schauen verwundert - und wohin mit dem Ball? Bahnbetreiber Thomas Buhl öffnet den Kofferraum. Das Runde muss schließlich ins Eckige.

Der lange Weg zum Tor

So kleine Tore sind die Hobbykicker nicht gewohnt, und das Tückische ist, dass der Ball nicht im Kofferraum bleiben will. Er prallt ab und hüpft wieder heraus. Aber die Jungs haben den Trick jetzt heraus: Annähern und zärtlich anlupfen statt zu bolzen. Alle schießen den Ball nur ein Stück weit über die Bahn. Zehn bis fünf Meter bleibt die Pille vor dem alten Wagen liegen - perfekte Position, um sie sanft zu treffen, anzuheben und mit einem kleinen Bogen ins Innere zu lupfen. Tooooooooooor!

Fußballgolf in Österreich:

www.soccerpark.at

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