Hobby oder Geldquelle: Wie bloggt Tirol?

Bloggen ist mittlerweile weit mehr als ein Tagebuch im Internet. Ein Blog kann Sprachrohr, Selbstdarstellung aber auch Sprungbrett sein. Ein Blick auf die Tiroler Blogger.

Whoismocca5
Foto: whoismocca.com
Whoismocca.jpg
Verena-Annabella Raffl betreibt seit zwei Jahren den Blog "Who is Mocca". Foto: www.whoismocca.com
Whoismoccaat.JPG
Dorst schreibt sie täglich über Fashion-, Beauty- und Lifestyle-Themen. Foto: www.whoismocca.com
Fotos_Winkler (1).jpg
Christian Winkler betreibt den Videoblog "cookwithme". Foto: www.cookwithme.at
cookwithmeat.JPG
Einmal in der Woche stellt er ein Video online, auf dem er ein neues Grill-Rezept vorstellt. Foto: www.cookwithme.at
tirolinside.JPG
"Tirolinside" versteht sich als Veranstaltungsblog und Plattform für Tiroler Blogger. Foto: www.tirolinside.at - www.tirolinside.at

Ein hübsches blondes Mädchen posiert in einem lachsfarbenen Kleid mit schwarzerLederjacke und Schnürstiefeletten gekonnt vor der Kamera. Was aussieht, wie ein Modeshooting für eine großes Designerlabel ist in ein Eintrag von Chiara Ferragni auf ihrer Webseite „The Blonde Salad“. Täglich präsentiert die 27-jährige Italienerin Modetrends und erweckt damit großes Interesse. Sie ist derzeit die erfolgreichste Bloggerin der Welt. Mehr als 3,6 Millionen folgen ihr aufInstagram, mehr als eine Million auf Facebook. 2014 verdiente Ferragni mit ihrem Blog 1,8 Milllionen Euro im Jahr, wie das Modebusiness-Portal „Woman's Wear Daily“ berichtet.

Doch wie verdient man mit einem Modeblog Geld? „Möglich ist das durch Kooperationen mit Firmen, wie Modemarken oder Produktherstellern und Werbeanzeigen auf der Webseite“, verrät die Tiroler Bloggerin Verena-Annabella Raffl. Die 25-Jährige berichtet seit zwei Jahren auf „Who is Mocca?“ über Fashion-, Beauty und Lifestyle-Themen und kann mittlerweile gut davon leben.

Bloggen als Hauptberuf

Was aus Liebe zur Mode zunächst als Hobby begann, betreibt die gelernte Grafikern seit einem halben Jahr hauptberuflich. 25.000 Unique Clients (UC sind unterschiedliche Endgeräte, d.h. PCs, Smartphones etc., von denen auf die Seite zugegriffen wurde) monatlich auf "Who is Mocca?" und mehr als 2000 "Gefällt mir" auf Facebook geben ihr recht. „Ich poste jeden Tag. In einem Eintrag stecken fünf bis sechs Stunden Arbeit“, erklärt Raffl, Sich zurechtmachen, fotografieren, Fotos bearbeiten, Text schreiben und dann auch die Social Media-Kanäle bedienen – das alles koste Zeit. „Um den Bekanntheitsgrad zu erhöhen, muss man immer präsent sein. Daher sind Facebook, Twitter und Co. wichtige Instrumente. Ich kommentiere außerdem viele Blogeinträge meiner Kollegen, um im Gespräch zu bleiben“, verrät Raffl.

Die hohe Reichweite macht lukrative Kooperationen möglich. Allerdings achte die modebewusste Tirolerin immer darauf, dass sie weiterhin kritisch über die gratis zur Verfügung gestellten Produkte berichtet. „Man vergrault die Leser, wenn man reine Werbung postet“, sagt sie.

Werbung ja und nein

Die Meinungen über bezahlte Postings gehen in der Branche, allerdings auseinander. Thomas Seelos, Mitbetreiber des Veranstaltungsblogs „tirolinside“, spricht sich gegen gesponserte Berichterstattung aus. „Für mich bleibt immer, die Frage, wie unabhängig man tatsächlich schreiben kann, wenn man Geld dafür bekommt.“

Restaurantbesuche zum Beispiel bezahle er selbst, um unangemeldet und unbeeinflusst testen zu können. Werbung in Form von Anzeigen oder Gutschein-Verlosungen sei jedoch willkommen. 6000 UC monatlich hat der Blog momentan. Leben kann Seelos von den zwei Blogeinträgen pro Woche nicht. Er sehe das Schreiben als Hobby, erzählt der Tiroler. „Tirolinside wurde vor einem Jahr gegründet, weil wir eine Übersicht über Events, Lokale, Freizeittipps in Tirol vermisst haben. Nebenbei dient die Seite als Netzwerk für Tiroler Blogger. Jede Woche wird ein Kollege vorgestellt.“

Ein ziemlich erfolgreicher Kollege ist Christian Winkler. Sein Blog „Cook with me“ erreichte innerhalb eines Jahres 91.000 UC. 17.000 folgen ihm auf Facebook. Der Tiroler stellt einmal pro Woche ein Video, auf dem er originelle Speisen grillt, online. Er ist bisher der einzige Videoblogger in Tirol und der wohl reichweitenstärkste BBQ-Videoblogger Europas. „Ursprünglich wollte ich ein Kochbuch mit Grillrezepten schreiben, das erschien mir jedoch nicht mehr zeitgemäß. Ich wollte Feedback bekommen und mit Leuten in Kontakt treten. Also startete ich den Videoblog“, erzählt der 28-Jährige. Der Erfolg hat sich schnell eingestellt.

Ein Video geht um die Welt

Ein Zufall habe geholfen seine Reichweite abrupt in die Höhe schnellen zu lassen. „Das Video zum BBQ Bacon Sushi entwickelte sich in den Sozialen Netzwerken zum Selbstläufer“, so Winkler. Mehr als 4,4 Millionen Mal klickten es auch YouTube bisher an. Die YouTube-Video decken die Fixkosten. Auf andere Werbeeinnahmen verzichtet Winkler fast gänzlich: "„Ich gebe zwar Empfehlungen auf meiner Seite ab,aber nur von Produkten, die ich probiert habe und von denen ich überzeugt bin." Vielmehr möchte der Tiroler ein Bewusstsein schaffen, dass Grillen mehr ist als Würstel zu braten, dass es sich dabei nämlich um eine vollwertige Küche im Freien handle.

Wussten Sie außerdem, dass...?

- sich der Begriff „Weblog“ aus „Web“ (Netz) und „Log“ (von Logbuch) zusammensetzt? - damit wurde die ursprüngliche Tagebuch-Funktion der digitalen Diskussionsplattformen unterstrichen

- die Geburt des Bloggens auf die Mitte der 90er-Jahre zurückgeht. Damals begannen vor allem Internetnutzer in den USA persönliche Erlebnisse auf einer Webseite mitzuteilen

- die Amerikanerin Tavi Gevinson 2008 im Alter von elf Jahren durch ihren reichweitenstarken Mode-Blog auf Fashion-Weeks in aller Welt eingeladen wurde.

- der saudi-arabische Blogger Raif Badawi wegen seines Blogs „Die Saudischen Liberalen“, wegen Beleidigung des Islam zu einer Haft von zehn Jahren, einer Geldstrafe von umgerechnet knapp 250.000 Euro und zu 1000 Peitschenhieben verurteilt wurde.