Glut im Blut: Fettes Business mit heißem Fleisch

Früher reichte ein No-Name-Griller, Holzkohle und Würstel für die Grillage. Heute ist Grillen eine Frage des Lifestyles. Ein ganzes Business dreht sich um die archaischste Form des Kochens.

Familie grillt im Garten - Cover
Grillen - ein besonderes Vergnügen für jung und alt Foto: Fuse/Thinkstock

Die Steakmesser werden schon gewetzt, das Equipment ausgewintert, Grillbücher gewälzt. Endlich startet die Outdoor-Saison! Keine Frage: Grillen entwickelt sich immer mehr zum Volkssport. Die Österreicher sind Feuer und Flamme für Würstel & Co. und brennen für Profi-Utensilien und ­Luxus-Griller auch gerne mehrere Tausend Euro. Ein fettes Geschäft.

Steigende Umsätze

Platzhirsch Weber-Stephen freute sich 2014 über eine Umsatzsteigerung von satten 39 Prozent. Dabei geht es nicht nur um den bekannten Kugelgrill. Auch das Zubehör spielt eine immer größere Rolle. „Heute wird nicht nur öfter, sondern auch anspruchsvoller gegrillt als früher“, bestätigt Christian Hubinger, Geschäftsführer von Weber-Stephen Österreich. Das beinhaltet das komplette Equipment von der Profi-Zange bis zum Pizza-Aufsatz. Auch beim kanadischen Grill-Giganten Napoleon, in Österreich erst seit fünf Jahren vertreten, freut man sich über eine rasante Umsatzsteigerung. Rund 40 Prozent davon macht Zubehör aus.

Steigende Ansprüche

Landeten früher vorwiegend Würstel und Schweinskoteletts auf dem Griller, wird heute ein komplettes Menü gezaubert. Grillen als Weltanschauung, als Herausforderung – das kann nicht jeder so mir nichts, dir nichts. Ein wahrer Grillmeister braucht Expertise.

Mann am Grill
Grillen: Für viele Menschen ein jährliches Saison-Highlight Foto: Colourbox

Kurse boomen

Kein Wunder, dass die Nachfrage nach ­Spezial-Skills wächst. Doppel-Grillweltmeister Adi Matzek betreibt seine Grillschule in Horn, das auch Austragungsort der jährlich stattfindenden BBQ-Staatsmeisterschaften (heuer am 12. und 13. Juni) ist. Außerdem ist der Fleischermeister auch Präsident des Österreichischem Grillverbands, der aba (Austrian Barbecue Association). Ein ­Basisseminar bei ihm kostet ca. 135 Euro, Spezialkurse entsprechend mehr. Sein Grillbibel-Co-Autor („Grillen wie die Weltmeister“) und Haubenkoch Adi Bittermann betreibt eine Grillschule in Göttlesbrunn. Die Plätze bei beiden sind heiß begehrt, die Kurse oft wochenlang ausgebucht. Nachfrage: steigend. „Es gibt in Österreich zwischen 15 und 20 aba-Grillschulen, die regelmäßig Kurse anbieten“, so Matzek. Das große Interesse zeigt auch der Erfolg des AMA Grillclubs: Mehr als 40.000 Mitglieder zählt der Club, mit Grillkursen in ganz Österreich (www.amagrillclub.at).

Trends

Kohle oder Gas, und wenn Kohle, doch besser Briketts? Für die einen ist es eine Glaubensfrage, für die anderen eine Frage der Ehre. Für Heimo Irouschek, Geschäftsführer der Wolf Steel VertriebsgmbH mit der Marke Napoleon, ist die Sache klar: „Der Trend geht verständlicherweise zum Gas!“ Dabei liegt diese Form, laut „Weber Grillwatch Survey“, nur an dritter Stelle. Am beliebtesten sind nach wie vor Holzkohle- (73 %), gefolgt von Elektro-grills (27 %). Auch das Smoken erfreut sich steigender Beliebtheit, mit einem jährlichen Zuwachs von bis zu 20 Prozen, trotz teurer Gerätschaft. 

Zweitgrill

Österreich ist definitiv eine Grillnation: 78 Prozent haben einen. Mindestens. Denn der Trend geht zum Zweitgrill. Und: Grillen hat immer Saison, egal zu welcher Jahreszeit und bei welchen Temperaturen.

 

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Weekend Cover Nr. 7/2015
Foto: SVETA ORLOVA/ISTOCK/THINKSTOCK

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