Franco Foda: Wie die Trainerbestellung wirklich lief!

Michael Wiesinger und Peter Zeidler waren die finalen Kandidaten für den Job als Sturm-Trainer. Am Ende wurde es Franco Foda. Die Hintergründe, die zur Entscheidung geführt haben, erscheinen dubios. Nach strukturiertem Vorgehen sieht es nicht aus.

Franco Foda
Foto: GEPA Pictures

So, als würde kein Blatt Papier zwischen sie passen, saßen Präsident Christian Jauk, Generalmanager Gerhard Goldbrich, Vorstand Ernst Wustinger und Franco Foda bei der Pressekonferenz am Podium. „Franco war von Beginn an ganz oben“, erklärt Präsident Jauk und meinte damit die rund 20-köpfige Trainerliste, die tagelang durch die Gazetten gegeistert war. Der Präsident erzählte auch von „vielen, intensiven Männergesprächen“, die zwischen ihm und Foda stattgefunden hätten. Bei diesen, so Jauk, hätte man alle Unstimmigkeiten aus der Welt schaffen können. Und auch Foda beteuerte: Christian (Jauk, Anm. der Red.) habe den Kontakt mit ihm aufgenommen, nach vielen Gesprächen sei man zur Erkenntnis gelangt, dass man gut zusammenarbeiten könne. Der Präsident freute sich zudem darüber, dass die Bestellung Franco Fodas in den Gremien einstimmig gewesen sei. Soweit die offizielle Version.

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Auf keiner Liste

Dem Weekend Magazin wurde die Historie der Trainersuche von Insidern allerdings völlig anders geschildert. Tatsächlich habe es zwar die ominöse Auswahlliste mit den Namen der Trainerkandidaten gegeben – der Name Franco Foda sei jedoch nie daraufgestanden. Und tatsächlich habe es viele Hearings mit Kandidaten gegeben – mit Franco Foda jedoch kein einziges. Einer der Kandidaten war Peter Schöttel; mit ihm sei man sich aber finanziell nicht einig geworden – der Ex-Rapid-Trainer soll 250.000 Euro netto pro Jahr verlangt haben. Um das gleiche Salär wäre übrigens auch der ehemalige kroatische Weltstar Robert Prosinecki (derzeit Trainer bei Roter Stern Belgrad) an die Mur übersiedelt. Auch er stellte sich einem Hearing. Der Ex-Real-Madrid-Spieler wollte aber zudem noch einen ganzen Stab an Mitarbeitern (bis hin zum Masseur) mitbringen. Laufend habe der Vorstand den Aufsichtsrat darüber informiert, mit welchen Trainern man im Gespräch gewesen sei. Nur der Name Franco Foda fiel zu keinem Zeitpunkt.

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Warum nicht Foda?

Am Freitag, dem 26. September, gab es dann eine letzte Aufsichtsratssitzung – am Dienstag darauf wollte man schließlich den neuen Mann präsentieren. Während dieser Sitzung nannte der Vorstand dem Aufsichtsrat zwei Namen, die in die engere Wahl gekommen seien. Der eine war Michael Wiesinger. Der andere Peter Zeidler, aktuell Trainer beim FC Liefering. Erst im Zuge dieser Sitzung sei das erste Mal der Name Franco Foda aufgetaucht. Zunächst konfrontierte Ernst Wustinger Hans Rinner mit einem Gerücht: Hinter dem Rücken des Vorstands sei angeblich mit Franco Foda gesprochen worden. „Hans, hast du mit Franco Foda Kontakt aufgenommen?“ Rinner reagierte nicht auf die Frage. Dafür legte sich plötzlich ein anderer für den Ex-Trainer ins Zeug: Das neue Aufsichtsrat-Mitglied Robert Adam (wird bis heute nicht auf der offiziellen Sturm-Homepage genannt) nahm den Ball auf: „Warum reden wir eigentlich nicht über Franco Foda? Der wäre doch die beste Lösung für Sturm!“ Pikantes Detail am Rande: Das Unternehmen Baumir, bei dem Adam als Geschäftsführer fungiert, ist persönlicher Sponsor von Franco Foda.

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Ablehnung

Im mächtigen Bundesliga-Präsidenten Hans Rinner soll Adam dann einen Befürworter der Idee, Foda 3.0 als Trainer zu installieren, gefunden haben. Der Rest des Gremiums stand dem Vorschlag zurückhaltend bis ablehnend gegenüber. Einige – u.a. Peter Schaller, Josef Muchitsch und Ernst Wustinger – erinnerten an das Ende der Ära Foda und die vielen Unstimmigkeiten, die man mit dem Deutschen gehabt hatte. Sie sprachen sich gegen eine Wiederbestellung aus. Schließlich waren es ja auch Jauk, Wustinger und Schaller gewesen, die nach der Cup-Pleite gegen Hartberg 2012 die vorzeitige Ablöse Fodas beschlossen hatten – der viel gescholtene Paul Gludovatz war bloß der Überbringer der schlechten Nachricht gewesen. Zu viel Porzellan sei damals zerschlagen worden, so der fast einhellige Tenor.

Abwartend

Präsident Jauk hingegen verhielt sich abwartend. Er wollte augenscheinlich beobachten, wohin die Diskussion sich entwickeln würde. Seine Position als Präsident schien ja im Zuge der Trainersuche ernsthaft gefährdet – die „Sportwoche“ schrieb gar von einem möglichen Putsch gegen Jauk, um den Weg für Franco Foda frei zu machen. Dazu kam es aber nicht. Jauk erklärte sich in der Sitzung bereit, das Gespräch mit Foda zu suchen. Mit keinem Wort erwähnte der Präsident, dass er sich schon mehrmals mit Foda getroffen, sprich „ernsthafte Männergespräche“ geführt habe. Nur drei Tage später, am Montag, sickerte schließlich durch eine „Indiskretion“ Hans Rinners vorzeitig durch, dass der neue Coach Franco Foda heißen werde. Zuvor hatte man sich an diesem Montag die Zustimmung der Aufsichtsratsmitglieder per E-Mail eingeholt. Eine darüber hinausgehende Diskussion fand nicht statt. Offenbar beugten sich Teile des Aufsichtsrats dem künstlich erzeugten Zeitdruck und stimmten einer Lösung Foda zähneknirschend zu.

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Stellungskrieg

Sollte sich die letzte Aufsichtsratssitzung vor der Bestellung Fodas tatsächlich so abgespielt haben, liegt der Verdacht nahe, dass Foda nicht, wie bei der Pressekonferenz behauptet, die Erfindung von Präsident Christian Jauk gewesen war, sondern dass andere den Mainzer als Trainer in Stellung brachten. Foda wäre demnach auch nicht von Anfang an ganz oben auf der Liste der Kandidaten gestanden, sondern ist vielmehr erst am Ende des Auswahlprozesses zum Thema geworden. Die „zahlreichen Männergespräche“ können die beiden demnach erst am Wochenende vor der Bestellung geführt haben. Zumal Jauk sie bei der Sitzung mit keinem Wort erwähnt hatte.

Indiskretionen

Das Weekend Magazin gab Generalmanager Gerhard Goldbrich und Präsident Christian Jauk die Gelegenheit zur Stellungnahme. Beide dementierten. Gerhard Goldbrich erklärte, Präsident Jauk selbst habe Franco Foda ins Spiel gebracht. Etwa zwei Stunden, nachdem Weekend mit Goldbrich gesprochen hatte, räumte Christian Jauk jedoch ein, dass es doch Ernst Wustinger gewesen wäre. Im Präsidium habe man, so Jauk, zuvor vereinbart, dass Wustinger in der Aufsichtsratssitzung Franco Foda aufs Tableau bringen solle – angeblich, um zu sehen, wie der Aufsichtsrat reagieren würde. Warum man den Aufsichtsrat nicht von vornherein in die Causa Foda eingebunden habe, erklärt der Präsident damit, „dass man mögliche Indiskretionen vermeiden wollte“. Denn leider gäbe es immer wieder undichte Stellen. Am Samstag schließlich, so Jauk, habe man Foda zu einem finalen Gespräch mit dem Vorstand eingeladen. Der Präsident bleibt auch bei der Version, dass er bereits vor der Aufsichtsratssitzung drei persönliche Gespräche und mehrere Telefonate mit Franco Foda geführt habe.

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Geheimgespräche

Ein hartnäckiges Gerücht hält sich allerdings in Graz: Foda sei von Anfang an der Wunschkandidat Hans Rinners gewesen – und dass dieser mit ihm auch diesbezüglich immer wieder Geheimgespräche geführt habe. Während Rinners Sturm-Präsidentschaft waren die beiden bekanntlich ein kongeniales Duo gewesen und pflegten nach Fodas Entlassung weiterhin einen guten Kontakt. Rinner wusste aber, dass es nicht ganz einfach sein würde, den ungeliebten Ex-Trainer wieder in den Chefsessel zu hieven. Also spielte er auf Zeit – und brachte seinen Kandidaten buchstäblich im letzten Abdruck durch.

Konflikte

Wie tragfähig das Führungstrio Jauk/Goldbrich/Foda ist, werden die nächsten Monate zeigen. Dass sich Goldbrich und Jauk alles andere als grün sind, ist bekannt. Nun kommt mit der Sollbruchstelle Jauk/Foda ein weiteres Gefahrenpotenzial hinzu. Da werden dann wieder viele „Männergespräche“ nötig sein, um künftige Brandherde zu löschen.

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