Ein Plädoyer für die halterlosen Strümpfe!

Warum bestimmte Reizwäsche aus ganz bestimmten Gründen für Frauen ohne Reiz ist, führte Weekend Magazin-Chefredakteurin Brigitte Biedermann in ihrem Blog aus. Dazu hat ihr steirischer Kollege Johannes Roth auch etwas zu sagen!

Johannes Roth, Chefredakteur des Weekend Magazins Steiermark - Cover
Johannes Roth, Chefredakteur des Weekend Magazins Steiermark Foto: Weekend Verlag

Freilich: Wer schön sein will, muss leiden. Wer's halt lieber eher bequem hat, der darf sich auch nicht unbedingt mit dem Anspruch, sexy sein zu wollen, durch die Welt bewegen. Es hat seinen Grund, dass Jogginghosen und Strumpfhosen bei Frauen in den eigenen vier Wänden nur dann ihre Berechtigung haben, wenn sie entweder vom Maskulinen unbeobachtet sind oder der Trägerin an Verführung aus Gründen der Alltäglichkeit im Zusammenleben nichts liegt. Frauen, die auch im Alltag lieber in Jogginghosen und  Blickdichten herumlaufen als in Minirock und/oder Halterlosen, die – zu dieser Behauptung versteige ich mich – haben auch kein Problem damit, ihr Geschäft in Anwesenheit des vertrauten G'spusis bei offener  WC-Tür zu verrichten, nach dem gemeinsamen Nachtmahl laut zu rülpsen und den abendlichen Fernsehfilm mit dem Geräusch hörbar entweichender Darmwinde zu synchronisieren.

An dieser Stelle ein kleiner Sidestep: Wer glaubt, dass  Männer es in punkto Sexappeal leichter haben als Frauen, der irrt. Schon das Tragen der von Frauen so geliebten Slimfit-Ware erfordert zwangsläufig den dazugehörigen Sixpack, ausgeprägte Arsch- und Brustmuskulatur und neuerdings auch die regelmäßige Behandlung mit Kaltwachsstreifen im Brust- und Genitalbereich. Das, Ladies, ist euer Traum eines "sexy Äußeren" und erfordert unsererseits ebenso viel Arbeit wie Selbstdisziplin. Behaarte Bierbäuche und schwabbelnde Gynäkomastie-Anzeichen findet ihr halt nicht sexy – wir Männer verstehen das.

Und wir sind euch überaus dankbar dafür, dass ihr kompromissbereit seid: Unsereins kann sich einen gewissen Sexappeal ja erschleichen, indem er mit teurer Uhr, Designerwohnung und einem dicken Auto jene Versorgungssicherheit demonstriert, auf die abzufahren ihr anscheinend programmiert seid. Bad News für uns – auch der, der Rolex und Porsche zur Schau stellt um etwaige Mängel im äußeren Erscheinungsbild zu kompensieren, muss ja in der Regel hart dafür arbeiten.

Womit ich beim angeblich so unbequemen Tragen von Halterlosen angekommen wäre. Dieses gilt uns ebenso als Verheißung wie als Ausweg aus der Strumpfhosenfalle. Wir verlangen nicht, dass ihr sie täglich tragt, die zarten, halterlosen Strümpfe, die eure Beine länger wirken lassen und schon rein optisch – und erst haptisch! – die Grenze zwischen "gerade noch erlaubt" und "verbotener Zone" markieren. Aber bitte: Ab und zu dürft ihr sie tragen.

Damit wir zumindest  hin und wieder noch das Gefühl haben, euch wäre an uns gelegen. Die Halterlosen machen es euch einfach – einfach, Verständnis dafür zu heucheln, dass wir nicht nur an euren inneren Werten interessiert sind. Verständnis dafür, dass uns der Anblick eines nackten Oberschenkels (er mag auch ruhig untrainiert sein) allemal lieber ist, als die Vorstellung eines bis über den Nabel eingehüllten Frauenbauches, über dem sich nach dem Strumpfhosenbündchen an Front und Rücken die Zeichen des guten Lebens wulstig wölben. Verständnis dafür vorzugeben, dass uns der ungehinderte zumindest optische Zugang zu den von euch liebevoll ausgesuchten wunderschönen Dessous  mehr erfreut, als ein Blick auf  von schwarzem, braunen oder cremefarbenen Plastik vollverschleierten Darunter – ist das denn so schwer?

Also: Selbst wenn’s unbequem ist – tragt Halterlose! Zumindest zuhause. Halterlose sind im Alltag ohnehin nur für die tragfähig, die uns Männern (oder einem ganz bestimmten Mann) damit etwas sagen wollen. Schließlich kommt man ja nur in die Verlegenheit, sie zu sehen, wenn’s für euch nicht mehr ausschließlich darum geht, den Untouchable-Status vor euch her zu tragen. Was aber auf keinen Fall geht, sind diese Kniestrümpfe. In ihrer Anmutung sind sie meilenweit von Halterlosen entfernt und rufen zudem die unangenehme Assoziation zu jenen Gerüchen hervor, die Füße verströmen, wenn sie von verhüllendem Kunststoff plötzlich befreit werden. Tatsache ist: Auch wir Männer tun eine Menge dafür, um für euch sexy zu wirken. Da werdet ihr ein wenig Zug an den Oberschenkeln doch auch mal in Kauf nehmen können. Ihr könnt ihn ja ausgleichen. Mit einem Strumpfbandgürtel zum Beispiel. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zum Nachlesen:

Brigitte Biedermanns Blog "Der Unsinn von halterlosen Strümpfen"

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