Die vier Säulen einer glücklichen Beziehung zwischen Mann und Frau

Ohne einen Menschen an der Seite möchten wir auf Dauer nicht leben. Gleichzeitig zeigen explodierende Scheidungsraten: Eine glückliche Ehe zu führen ist kein Kinderspiel. Und doch gibt es sie, die Rezepte für ein perfektes "Ehe-Dinner".

Kopie von Mann, Frau, Beziehung
Wer in einer dauerhaften Beziehung lebt, muss an der Liebe arbeiten. Foto: thinkstockphotos.com

Sie trifft uns wie ein Blitz. Schleicht sich wie eine Raubkatze heran oder wartet geduldig jahrelang dort auf uns, wo wir sie am wenigsten erwarten. Hat uns die Liebe schließlich in ihrem sanften, aber ­effektiven Würgegriff, drehen wir erst einmal komplett durch: Unser Geisteszustand nimmt zwangsneurotische Züge an. Doch leider beziehungsweise zum Glück lässt das Dauergrinsen irgendwann nach. Die Mundwinkel beginnen nach unten zu wandern. Tiefer liegende Körperregionen schalten wieder auf Normalbetrieb.Wer bleibt jetzt zusammen, und wer trennt sich?

Das verflixte siebente Jahr

Der Philosoph Richard David Precht, 48, nennt Liebe den "Klebstoff, der uns zusammenhält". Dieser Klebstoff scheint massiv zu bröckeln: Im Jahr 2011 wurden in Österreich rund 36.000 Ehen geschlossen – und 17.000 Scheidungen vollzogen. Das ist eine Scheidungsrate von 43 Prozent. Anfang der siebziger Jahre lag sie noch bei rund 20 Prozent. Aus wirtschaftlicher Not bleiben heute nur noch wenige Paare zusammen.  Die durchschnittliche Dauer der geschiedenen Ehen liegt bei 11,3 Jahren, zu einer besonderen Trennungshäufung  kommt es in den Ehejahren fünf bis sieben.

Lebensmodell Partnerschaft

Allen Statistiken zum Trotz leben heute rund vier Millionen Österreicher paarweise (verheiratet oder in Lebensgemeinschaften) unter einem Dach. Könnte man wie in ­einem Puppenhaus hinter die Kulissen schauen, zeigte sich  der ganz normale Beziehungsalltag: vom innigen Miteinander über den täg­lichen Kleinkrieg bis zum stummen Aneinander-vorbei-Leben. Einen Blick ins Liebes-Puppenhaus werfen, diese Vorstellung übt für Wissenschafter wie Manfred Hassebrauck einen großen Reiz aus. Der Professsor für Sozialpsychologie an der Uni Wuppertal ist nicht nur seit 30 Jahren ein emsiger Sammler von Daten, Zahlen und Fakten rund um die Beziehung, sondern fasst seine Erkenntnisse auch in Büchern ("Alles über die Liebe", mvg Verlag) zusammen. Zahlreiche seiner Studien bestätigen immer wieder aufs Neue: Männer wollen eine hübsche, jugendliche Frau an ihrer Seite, Frauen einen ehrgeizigen Mann, der etwas darstellt. Sind alle Männer hormon­gesteuerte Trottel und Frauen berechnende Hexen?

Der aufrechte Gang

Die Antwort liegt im hohen Gras der Savanne verborgen. Vor vier Millionen Jahren verließen unsere Vorfahren den Wald. In der Ebene begannen sie, aufrecht zu gehen, um einen Überblick über die Lage zu bekommen. Kinder konnten nicht mehr ständig von den Affenweibchen herumgeschleppt werden. Diese änderten jetzt ihre Partnerstrategie: Statt risikofreudiger Testosteronbolzen waren ab sofort soziale Männer gefragt, die Frau und Kind versorgten. Das Weibchen wurde monogam. Dem Mann war das ganz recht (vor allem, wenn dieses bei ihm regelmäßig die richtigen Knöpfe drückte), hatte er jetzt doch eine Frau ganz für sich allein. Das Paar war geboren – und nannte es "Liebe".

So geht Beziehung

Aus den Schmetterlingen im Bauch wird  irgendwann Gewohnheit. Ist das Scheitern so ­mancher Ehe womöglich vorprogrammiert? Psychologie-­Professor Hassebrauck lehnt sich weit aus dem Fenster: "Wir können mit ­einer Treffsicherheit von 90 Prozent voraussagen, ob ein bestimmtes Paar in einem Jahr noch zusammen sein wird." Dazu wirft Hassebrauck keinen Blick in die Kristallkugel. Drei Aspekte, so sagt er, führen zu einer stabilen Beziehung: die Persönlichkeit der Partner, ihr Umgang miteinander und die Situation, in der sie leben (Geld, Bildung, Kinder etc.). Am wichtigsten für das Glück zu zweit ist der Aspekt "Verhalten". Hassebrauck: "Glückliche Paare reden nicht nur häufiger miteinander, sondern auch anders. Unzufriedende widersprechen sich, fallen sich ins Wort oder machen sarkastische Bemerkungen. Glückliche Paare sprechen öfter über persönliche Dinge, geben mehr von sich preis und erwidern das Gesprächsverhalten des Partners." In Kommunikation zu investieren, heißt also: in die Zukunft investieren.

Good Vibrations

Mann, Frau, Beziehung
Wer mit seinem Partner nicht reden kann, fühlt sich oft unverstanden. Foto: thinkstockphotos.com

Ein ungewöhnlicher Ansatz kommt aus dem Grenzbereich zwischen Wissenschaft und Esoterik. Kernaussage des US-Biologen ­Bruce Lipton: Liebe sitzt in den Zellen. "Aus quantenphysi­kalischer Sicht ist Liebe ­konstruktive Interferenz, also gute Schwingung", so der  Forscher. Klingt zu abgefahren? Die Schlussfolgerungen, die Lipton zieht, sind erstaunlich simpel: "Üben Sie täglich und häufig freundliches Verhalten und liebevolles Sprechen. Öffnen Sie Ihrem Partner Ihr Herz." Kostet vielleicht Überwindung, aber birgt viel Poten­zial: "Steigen Sie aus verbalen Aus­einandersetzungen schweigend und einander berührend aus."

Stolperfalle Ansprüche

Das dürfte gerade Frauen schwer fallen – sind sie es doch, die laut Studien häufiger mit ihrem Partner (und oft gegen dessen Willen!) über ihre Beziehung sprechen wollen. Daher ein gut gemeinter Rat: einfach einmal den Mund halten! Männer dagegen könnten sich ruhig mehr Mühe geben, wenn es um die Planung gemeinsamer Unternehmungen geht. Das wünscht sich die Mehrheit der Frauen. Und vielleicht sollten sich Paare öfter die Erkenntnis des Philosophen Precht vor Augen halten: "Auch in der Liebe erwarten wir heute so viel wie möglich. Wir wollen Leidenschaft und Verständnis, Aufregung und Geborgenheit. Wir scheitern an ­unseren Ansprüchen.“

Die vier Säulen einer Beziehung

Wie beurteilen wir die Qualität unserer Beziehung? Indem wir sie vergleichen: mit der besten Beziehung, die wir uns vorstellen können. Dieser Vergleich macht uns entweder zufrieden – oder unglücklich. Eine geglückte Partnerschaft lässt sich, so zeigt die Forschung, quer durch Alters- und Gesellschaftsschichten mit rund 40 Merkmalen beschreiben. Von Vertrauen an der Spitze der Wunschskala bis hinunter zu „möglichst viel Zeit miteinander verbringen“. Diese Merkmale lassen sich zu den vier Komponenten einer ­guten Beziehung zusammenfassen. Sie sind jedoch nicht gleich stark.

Emotionale Nähe
Stellt die tragende Säule dar. Nähe, Vertrauen, Geborgenheit, kurz: die Intimität in einer Beziehung hilft, sich in den anderen hineinzuversetzen. Ohne dieses Band würde man den Partner in Krisenzeiten fallen lassen. Liebe und die Fähigkeit zum Kompromiss macht die Bindung zwischen zwei Menschen zu etwas Besonderem und ­unterscheidet sie von allen anderen Beziehungen.

Übereinstimmung
Hat eine annähernd gleiche Wichtigkeit. Gemeinsame Freunde, ähnlicher Humor und geiche Überzeugungen schweißen zusammen und erleichtern auch das Zusammenleben. Wenn ein Partner den Urlaub in den Tropen verbringen möchte und der andere in Norwegen, bedeutet das auf Dauer Stress. Ähnlichkeit bestätigt uns auch in unserer eigenen Meinung: Was wir beide glauben, kann nicht falsch sein.

Sexualität
Wichtig, aber nicht die Hauptsache. Die dritte Säule ist die Leidenschaft und Harmonie im Bett. Für viele vielleicht überraschend: Intimität und Übereinstimmung spielen für eine gute Beziehung eine wichtigere Rolle als Erotik, und: ja, die Bedeutung von Sex nimmt mit der Zeit ab. Eine Partnerschaft ganz ohne Sex ist nicht erfüllend. In der männlichen Werteskala liegt er etwas weiter oben.

Unabhängigkeit
Macht die Beziehung erst spannend. Die Vorstellung, mit dem Partner eins zu werden und alles mit ihm zu teilen, ist für eine Beziehung eher kontraproduktiv. Viele der 40 positiven Merkmale beziehen sich vielmehr auf den Wunsch nach Freiräumen, Rückzugsmöglichkeiten, Toleranz, kurz: Zeit für sich. Für Frauen ist Unabhängigkeit wichtiger als für Männer.

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