Die Nicht-Festlegeritis und andere Schwächen

Kommen Sie, treten Sie ein, meine Damen! Nur keine Scheu: Ich lasse Sie heute wieder an einer Episode im Drama "Die verrückte Welt der Partnersuche" teilhaben.

Biedermann Blog
Brigitte Biedermann vom Weekend Magazin bloggt für weekend.at Foto: Thinkstock / Weekend Verlag

Wenn sich unsere Clique – alle knapp über oder unter 40, einige davon Singles – trifft, dann gibt es nach den obligaten Job-, Familie- und Schuh-Updates – ein bestimmendes Thema: Männer! Und ich darf Ihnen verraten, dieses Thema ist wirklich unerschöpflich. Freundin K. hat sich diesmal ein besonderes schwierig zu knackendes Exemplar ausgesucht. Die Basisdaten stimmen: Aussehen, Alter, Job - und auch der Psycho-Rucksack ist diesmal nicht ganz so schwer bestückt.

Dennoch leidet der Neuzugang an einer fast ausschließlich bei Männern auftretenden Schwäche: Die "Nicht-Festlegeritis"! Wie sich diese chronische Schwäche äußert? Er plant ungern drei Tage im voraus. Kann sich also mit der schwerwiegenden Frage, ob man sich am Wochenende treffen will, prinzipiell erst Freitag gegen 18.00 Uhr auseinandersetzen. Macht die Planung eines Wochenendes oder gar eines Urlaubs äußerst kompliziert. Natürlich hat er, wenn das Wochenende herangerückt ist – spontan wie er nun mal ist - ganz viel Tagesfreizeit und will etwas unternehmen! Man selbst hat aber zu viel Stolz, um den Herren freudig in Empfang zu nehmen. Sieht ja so aus, als hätte man sonst nichts vor.

Freundin Rs. Neuzugang kämpft hingegen mit anderen Problemen. Sie hat sich diesmal ein etwas jüngeres Exemplar zugelegt, ist auch ganz glücklich und beseelt von so viel jugendlich-horizontalem Elan. Doch ihre Treffen spielen sich ausschließlich ins Rs. vier Wänden ab. Eine große Präsentation des jugendlichen Lovers in der Clique steht noch aus und wird auf Nachfrage nur zögerlich angedacht. Denn während wir uns mit Budgets, Abgabeschlüssen oder Übersee-Confcalls beschäftigen, überlegt Rs. jugendlicher Sonnyboy, ein etwas ungewöhnliches Start-up aufzuziehen. Als er ihr von seiner Idee erzählt, bei Billa erworbene Cola- und Wasserflaschen an touristisch hochfrequentierten Plätzen verkaufen zu wollen, um sich so sein Studien-Budget aufzubessern, hatte ihr Verständnis für die wilden Zwanziger ein jähes Ende. Und auch die horizontale Lust verstummte ur-plötzlich.

Was ich Ihnen damit sagen will? Bestimmtes Alter, bestimmte Probleme. Aber warum haben Männer so viele davon?

Posten Sie Ihre Meinung oder schreiben Sie an Brigitte Biedermann

 

Brigitte Biedermann ist Chefredakteurin des Weekend Magazins. Lesen Sie in ihrem Blog regelmäßig über Supermänner, Sex und Seitensprünge.

 

Bereits erschienen sind:

Ein halbes Cordon-Bleu bitte!

Das sich selbst zerstörende Papierdl

Mehr zum Thema: