Der erholsame Schlaf ist bereits die halbe Gesundheit

Bewegung und Rituale helfen, angestaute Probleme des Tages nicht mit ins Bett zu nehmen. Der beste Weg zur Entspannung nach Feierabend ist dabei, sich ein Gegengewicht zur Arbeit zu schaffen.

Schlaf 2
Foto: thinkstockphotos.com

Viele Menschen nehmen ihre Probleme von der Arbeit mit nach Hause - und mit ins Bett. "Durch die ständige Erreichbarkeit und Reizüberflutung verstärken sich die stressbedingten Schlafstörungen", sagt Felicitas von Elverfeldt. Sie ist Diplom-Psychologin in Frankfurt am Main und arbeitet als Coach für Führungskräfte. Vielen Beschäftigten fehle ein Gegengewicht zur Arbeit und Zeit, sich nach Feierabend emotional vom Job zu distanzieren. "Das geht vor allem empfindsamen Menschen so", sagt sie.

Weg vom Stress

Egal, ob man fünf, sieben oder neun Stunden Ruhe pro Nacht braucht: "Erholsames Schlafen ist die Grundvoraussetzung für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden", erklärt Jürgen Zulley. Er ist Schlafforscher und emeritierter Professor für Biologische Psychologie an der Universität Regensburg. "Man kann viele Belastungen ertragen, wenn man zwischendurch wieder zur Ruhe kommt." Doch genau das ist offenbar das Problem für viele Menschen, die den Stress von der Arbeit mitbringen. "Die Gedanken, die wir als problematisch erleben, schieben sich immer wieder nach vorne", sagt er.

Keine Chance dem Musemangel

Die körperliche Arbeit hat abgenommen. Gleichzeitig stiegen die psychischen Belastungen, sagt Baua-Sprecher Martin Schulte. Viele Erwerbstätige seien weniger körperlich erschöpft, sondern psychisch hoch beansprucht und kämen auf Hochtouren laufend nach Hause. Bewegungsmangel ist das eine Problem der Generation Büro. Das andere sei der Mußemangel, sagt er.

Schlaf
Foto: thinkstockphotos.com

Bewegung, Musik, Harmonie

Doch Erholung und Muße stellen sich nicht von allein ein. "Es klingt paradox, doch man muss sich auf etwas konzentrieren, um zur Ruhe zu kommen", erklärt Zulley. Schulte rät zu etwas Gegenläufigem zur Arbeit. "Wer vor allem psychisch im Job gefordert ist, wird sich mit Bewegung besser distanzieren und erholen können als vor dem Fernseher." Er rät zu ruhigen, meditativen Tätigkeiten vor dem Schlafen. Das kann ruhige Musik sein, die Konzentration auf die eigene Atmung oder eine schöne Fantasiegeschichte. "Durch die monotone Stimulation hat das Gedächtnis keine Zeit, den problematischen Gedanken nachzuhängen und entspannt", erzählt er. Auch könne es helfen, die Benutzung von Smartphone und Computer ab 20 Uhr einzustellen und nach dieser Uhrzeit auch keine Konfliktgespräche in der Familie mehr zu führen. "Das muss man mit der Familie absprechen", sagt Zulley.

Nächtliches Aufwachen - kein Problem

Jürgen Zulley betont, dass das Aufwachen in der Nacht nichts Besonderes ist: "Das passiert jedem von uns in jeder Nacht. Doch die meisten kurzen Wachphasen vergessen wir sofort wieder." Erwachen Beschäftigte und grübeln, helfe es häufig, die Gedanken aufzuschreiben. "Dann muss ich nicht mehr daran denken", sagt er. Wer in einer solchen Situation so aufgewühlt ist, dass er hellwach ist, sollte aufstehen und sich mit etwas Ruhigem beschäftigen: einen Tee kochen, ein Kreuzworträtsel, ein kurzer Gang durch die Wohnung. "Die Müdigkeit kommt von selbst wieder."

Ratgeber online bestellen - "Schlaf erfolgreich trainieren":

www.amazon.at