Binnen-I abschaffen? Debatte nach "Offenem Brief"

In einem "Offenen Brief" an Bildungs- und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek fordern Professoren, Lehrer und andere Sprachkritiker die Abschaffung des Binnen-I beim Gendern. Ein Anliegen, das nun österreichweit für Wirbel sorgt.

Binnen i
Brauchen wird das Binnen-I? Foto: weekend.at

In ganz Österreich wird derzeit diskutiert, ob das Binnen-I, das in einem Wort die weibliche Form miteinbezieht, künftig nicht mehr verwendet werden soll. Auslöser für die Debatte rund um das große I war ein "Offfener Brief" an Bildungs- und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), in dem 800 zum Teil namhafte Persönlichkeiten die Abschaffung des Binnen-I fordern, da Texte dadurch unleserlich gemacht werden.

Weg mit dem Binnen-I?

Unter den Unterzeichnern der Petition gegen das Binnen-I waren u.a. die Philosophen Konrad Paul Liessmann und Peter Kampits, Mathematiker Rudolf Taschner, Verfassungsrechtler Heinz Mayer, Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder, der deutsche Journalist und Sprachpfleger Bastian Sick und Schauspielerin Chris Lohner. Sie alle fordern die "Rückkehr zur sprachlichen Normalität" – also die Abschaffung des Binnen-I.

Heinisch-Hosek hat die Forderung, geschlechtersensible Formulierungen etwa mit Binnen-I "aus dem Sprachgebrauch zu eliminieren", jedoch zurückgewiesen. "Sprache schafft Wirklichkeit. Weibliche Formen unerwähnt zu lassen und Frauen damit auszublenden, das wäre ein völlig falsches Zeichen", so die Ministerin. Auch Sprachwissenschaftlerin Claudia Posch kritisiert gegenüber derstandard.at Sprachverbote und spricht sich damit ebenfalls gegen die Abschaffung des Binnen-I aus. "Man kann Sprache grundsätzlich nicht ästhetisch bewerten", so die Sprachexpertin.

Gabriele Heinisch-Hosek
Gabriele Heinisch- Hosek ist gegen das Ende des Binnen-Is. Foto: Michael Gruber / EXPA / picturedesk.com

Kompromiss?

Gesetzlich ist das Binnen-I jedoch nicht wirklich vorgeschrieben. Das Gesetz sieht lediglich die Gleichbehandling in amtlichen Texten vor. Und die Frage ist, wer braucht das Binnen-I wirklich? Stronach hat nicht Unrecht, wenn er sagt: "Ein Binnen-I hat noch keiner Frau in unserem Land mehr Chancen auf Gleichstellung gebracht."

Wie dietagespresse.com berichtet, soll sich in der Gender-Diskussion jedoch langsam ein Kompromiss abzeichnen: Aus "Wähler_Innen" sollen künftig "Wähler_Innen_Er" und aus dem "geduldige_n Lehrer_In" ein "geduldige_n_e Lehrer_In_Er" werden. Damit sei eine ausgeglichene sprachliche Sichtbarkeit sowohl von Frauen als auch Männern sichergestellt. Neben offiziellen Behördenschreiben und Schulbüchern soll jetzt auch die vieldiskutierte Bundeshymne wieder angepasst werden. Ob Texte dadurch, wie ursprünglich von den Kritikern des Binnen-I gefordert, wirklich lesbarer werden? Fraglich.

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