Austro-Aufschlag: Warum wir im EU-Vergleich so viel zahlen

Im Preisranking der 28 EU-Staaten liegt ­Österreich auf dem (teuren) Platz 19. Für unsere Drogeriewaren müssen wir hierzulande im Vergleich besonders viel bezahlen. Warum ist das eigentlich so?

Österreich-Aufschlag
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Die Vereinigten Staaten von Europa sind bei den Verbraucherpreisen noch weit von einer Einheit entfernt. Und das ist nicht nur ein Bauchgefühl, sondern mit Zahlen untermauert. Die Eurostat erhebt in jedem EU-Land regelmäßig die Kosten für Verbrauchsgüter und Dienstleistungen: von Nahrungsmitteln über Elektronik bis zum Bier im Beisl an der Ecke. So entstehen die einzelnen Preisniveauindizes (PNI). Ein PNI von 100 Prozent stellt den europäischen Durchschnitt dar. Das mit Abstand teuerste Land ist derzeit Dänemark, dort liegt der PNI bei 140. Das niedrigste Preisniveau findet sich mit 48 in Bulgarien. Österreich ist zwar mit einem PNI 107 kein extremer Ausreißer nach oben. Dennoch fällt auf: Teurer als bei uns ist es zumindest in keinem unserer Nachbarländer (siehe Tabelle, Zahlen erhoben im Jahr 2013), einige sind deutlich günstiger.

Teure Kosmetik

Besonders eklatant ist das Preisgefälle bei Dro­geriewaren, wie eine Unter­suchung der Arbeiterkammer eindrucksvoll belegt. Die AK verglich 165 idente Drogeriewaren in jeweils acht Wiener und Münchner Supermärkten. Und siehe da: Der Warenkorb war in Wien um durchschnittlich 53,2 Prozent teurer als in der bayerischen Landeshauptstadt! Während in München für die 165 Produkte knapp 458 Euro zu bezahlen waren, mussten die Tester in Wien satte 701 Euro hinlegen. Unglaubliche 15,08 Euro kostete ein und dieselbe Antifaltencreme in Wien, in München 5,07 Euro – ein Preisunterschied von knapp 200 Prozent.

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Alles nur Ausreden?

Die ­Arbeiterkammer wollte es wissen und verlangte von der Interessenvertretung des Handels eine Begründung für ­diese enormen Preisunterschiede. In einer Stellungnahme des Handels hieß es, dass „in Österreich ein ungleich größerer Anteil der Umsätze über Aktionen erzielt wird.“ Die tatsächliche Preisdifferenz liege aufgrund der speziell ­österreichischen Rabatthandhabung (wie „zwei Produkte zum Preis von einem“) im Durchschnitt über alle verkauften Produkte im einstelligen Prozentbereich. Das heißt für den Verbraucher: Auf­passen wie ein Fuchs und zuschlagen, wenn das Lieblingsprodukt in Aktion ist. Spontan kaufen, weil man es gerade braucht oder möchte, bedeutet höchstwahrscheinlich: teuer kaufen. AK-Verbraucherschützerin Gabriele Zgubic: "Wir fordern immer wieder dazu auf, Preisvergleiche anzustellen. Befristete Aktionen machen allerdings Vergleiche schwieriger und Preise intransparent. Daher wären uns dauerhaft niedrigere Preise lieber als diese Aktionen."

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Ursachenforschung

Rabatte hin oder her: Kein einziges der 165 ver­glichenen Produkte war in Wien im Durchschnitt günstiger als in München. Experten sehen den Grund weder in der „aufwendigeren Logistik“ noch in den „höheren Fixkosten durch ein dichteres Filialnetz“, wie vom hiesigen Handel gern vorgebracht. Zgubic: "Wir bleiben dran und werden EZB und EU-Kommission über unseren aktuellen Preismonitor informieren."

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Weekend Magazin Nr. 22/2014
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