Zum Welternährungstag: „Nix übrig für Verschwendung“

Im Rahmen des Welternährungstags (16. Oktober) setzen 20 steirische Großküchen ein Zeichen gegen die Verschwendung.

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Sektionsleiter für Abfallwirtschaft Christian Holzer, LH Hermann Schützenhöfer, LR Johann Seitinger, Lorenz Reichel von Gaumenglück präsentierten steirische Aktionen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Foto: steiermark.at/Streibl

Weltweit sind 820 Millionen Menschen von Hunger bedroht und gleichzeitig landet ein Drittel aller Lebensmittel im Müll. Auf Österreich umgemünzt sind das rund 600.000 Tonnen an Lebensmittelabfällen pro Jahr. Im Rahmen einer Aktionswoche wird nun der Fokus auf die Gemeinschaftsverpflegung gelegt, wo der Anteil der entsorgten Lebensmittelabfälle bei rund 20 Prozent der ausgegebenen Essensmenge liegt. In der steirischen Gemeinschaftsverpflegung sind das rund 8.500 Tonnen genießbarer Lebensmittel, die pro Jahr in der Tonne landen – anders gerechnet verursacht diese Menge an Lebensmittelabfall rund 19.400 Tonnen CO2. „Der Welternährungstag zeigt auf, dass wir in einer Phase leben, wo zu viele Menschen hungern müssen und gleichzeitig massenhaft Lebensmittel weggeworfen werden. Die Vermeidung von Lebensmittelabfällen ist daher ein wichtiges Thema. Mit dieser Initiative wird das Bewusstsein dafür geschärft. Wir können viel an Ressourcen einsparen, wenn nur das produziert wird, was auch tatsächlich verbraucht wird. Das bietet großes Einsparungspotenzial und schont die Umwelt. Ich danke allen steirischen Betrieben, die sich an dieser Aktion beteiligen", so Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer.

Reduktion von Großküchenabfall

Im Rahmen der Initiative „United Against Waste“ wird seit nunmehr zwei Jahren das „Moneytor“-Programm zur Lebensmittelabfallvermeidung für den Bereich der Großküchen umgesetzt. Dank der standardisierten Beobachtung haben die teilnehmenden Betriebe ihren Lebensmittelabfall im Blick und können sich mit anderen Branchen vergleichen. Dadurch können  gezielte Reduktionsmaßnahmen gesetzt und laufend evaluiert werden. „Das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus unterstützt im Zuge der Initiative „Lebensmittel sind kostbar!" diese Projekte von United Against Waste, um die ökologischen Auswirkungen der Lebensmittelverschwendung in Österreich zu reduzieren und damit insgesamt einen wichtigen Schritt in Richtung UN-Zielerreichung zu setzen", so Sektionsleiter Christian Holzer. Das jährliche Einsparpotenzial der Betriebe beträgt im Durchschnitt pro Krankenhaus  € 164.000, pro Pflegeheim € 61.000 und pro Betriebsrestaurant € 12.000.

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Aktuell beteiligen sich 20 Großküchenbetriebe aus der ganzen Steiermark an der Lebensmittelrettung. Foto: steiermark.at/Streibl

Nachhaltige Ideen

Der Betreiber Gaumenglück nimmt am „Moneytor" teil und hat unterschiedliche Maßnahmen gegen Lebensmittelabfall umsetzt: Anstatt mit großen Puffern vorzuproduzieren, bietet er im Mitarbeiterrestaurant „The Hive" zum Beispiel Alternativgerichte, sollte ein Menu einmal ausgehen. Durch die Verarbeitung von überwiegend frischen Produkten und laufende Nachproduktion, ist die Küche flexibler. „Nachhaltigkeit beginnt bei uns bereits beim Einkauf. Wir setzen auf Regionalität und lassen unseren Küchenbetrieben Spielraum, bestimmte Waren direkt von Bauern aus der Umgebung des jeweiligen Standorts zu beziehen. Brot und Gebäck stammen von steirischen Bäckereien und das steirische Kernöl kommt direkt aus eigener Produktion eines Mitarbeiters", betont Lorenz Reichel, Gaumenglück-Geschäftsführer. Nicht nur Küchenbetreiber und Mitarbeiter in der Gemeinschaftsverpflegung tragen zur Lebensmittelabfallvermeidung bei, sondern auch die Kunden: Zum Beispiel durch aktive Nutzung von Vorbestellmöglichkeiten oder durch bewusste Mengenwahl am Buffet. Daher werden nun erstmals im Rahmen einer Aktionswoche von 14. bis 20. Oktober unter dem Motto „Nix übrig für Verschwendung" auch die Konsumenten, Patienten und Heimbewohner an den teilnehmenden Standorten für a mittels Tisch- und Buffetaufsteller, Flyer, Poster, Roll-Ups und Slide-Shows sensibilisiert. Thomas Mrak, Leiter des Smart Business Centers und Prokurist der Steirischen Wirtschaftsförderung (SFG) berichtet über kreative Ideen von MitarbeiterInnen der 40 Firmen, die täglich im „The Hive" essen: „Aus Daten wie Wetter, Wochentag und Tiefgaragenauslastung können Rückschlüsse auf die benötigte Speisenmenge gezogen werden, um eine bedarfsgerechte Planung zu erleichtern." Begleitet wird die Aktionswoche für weniger Lebensmittelabfall in den teilnehmenden Betrieben durch eigene Aktionen wie zum Beispiel vergünstigten „Restl-Menüs" und der Auszeichnung besonders engagierter Küchenleiterinnen und Küchenleiter.

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Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und Nachhaltigkeitslandesrat Johann Seitinger rufen zum bewussten Umgang mit Lebensmitteln auf. Foto: steiermark.at/Streibl

Abfallvermeidung ist Klimaschutz

Auch der Einkauf von regionalen Lebensmitteln lässt sich der ökologische Fußabdruck niedrig halte, ohne dabei auf höchste Qualität verzichten zu müssen. Dieser Umstand wird vor allem beim Thema Fleisch augenscheinlich: Ob 15.000 Kilometer oder nur 50 Kilometer zurückgelegt werden, macht einen riesigen Unterschied. Während  brasilianisches Rindfleisch 1.000 kg CO2-Emissionen verursacht, sind es beim steirischen Rindfleisch „nur“ 170 kg. „Der Wert, der in der Steiermark weggeworfenen Lebensmittel übersteigt die 200 Mio. Euro-Grenze. Diese Zahl ist ethisch nicht mehr vertretbar, weshalb es umfassende Anstrengungen und Innovationen braucht, um den Lebensmittelkonsum von der Masse zur Klasse zu führen und gleichzeitig mehr Bewusstsein für den Wert der Lebensmittel zu schaffen", so Nachhaltigkeitslandesrat Johann Seitinger. In diese Kerbe schlägt auch Landeshauptmann Herrmann Schützenhöfer zu: „Wir müssen im Kleinen anfangen. Jeder kann mit seinem Einkaufsverhalten mithelfen den CO2-Austoß zu reduzieren und die ,Greißlerläden’ in Orten zu halten – das ist auch ein besserer Beitrag als irgendwelche Besteuerungen.“

3 Tipps für Zuhause

  • Bewusst einkaufen und sich nicht von Rabattaktionen verleiten lassen, damit nur das besorgt wird, was auch wirklich verbraucht werden kann.
  • Richtig lagern, um die Haltbarkeit frischer Lebensmittel zu erhöhen.
  • Zubereitungsreste und Überschüsse haltbar machen oder zu neuen Gerichten weiterverarbeiten (z.B. Suppen, Saucen, Eintöpfen).

 

Mehr Informationen zum Thema unter www.lebensmittel-sind-kostbar.at und united-against-waste.at