Zeckenbisse bei Kindern: Das ist zu tun!

Zecken sind winzige Spinnentiere und gefährliche Krankheitsüberträger. Wie Sie sich und Ihr Kind vor den Blutsaugern schützen und was im konkreten Fall eines Zeckenbisses zu tun ist, lesen Sie hier.

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Besonders am Waldrand lauern viele Zecken Foto: ironman100/maximkabb/iStock/Thinkstock

Zwischen März und Dezember gilt ganz Österreich als Risikogebiet, was Zeckenbisse betrifft. Da diese nicht spürbar oder schmerzhaft sind, fallen sie mitunter nicht sofort auf.

Warum sind Zeckenbisse so gefährlich?

Es gibt zwei Krankheitsbilder, die durch Zeckenbisse übertragen werden können: FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) und Borreliose. Während FSME eine Viruserkrankung ist, gegen die vorbeugend Zeckenschutzimpfungen vorgenommen werden können, ist Borreliose eine bakterielle Infektion, die bei frühzeitigem Erkennen mit antibiotischen Medikamenten zwar behandelt, aber Folgeschäden hinterlassen kann.

FSME: Fünf Prozent aller Zecken sind mit dem Virus befallen und übertragen diesen in dem Moment, in dem sie zustechen. Da sich der Erreger in der Speicheldrüse der Zecke befindet, gelangt er sofort in den menschlichen Organismus. Die ersten Symptome zeigen sich meist nach zwei Tagen. In manchen Fällen kann der Krankheitsausbruch auch bis zu einem Monat dauern. Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und auch Genickstarre sind die Folgen von FSME. Nach diesem ersten Stadion tritt bei zehn Prozent der Erkrankten die zweite Phase von FSME ein. Diese wird mit Fieberschüben eingeleitet und als "Zeckenmeningitis" bezeichnet. 50 Prozent der Virusträger erkranken an Hirnhautentzündung, 40 Prozent an Gehirnentzündungen, Herzmuskel- und Lebererkrankungen. Rückenmarkentzündungen mit Lähmungserscheinungen können ebenfalls auftreten. Zwei Prozent der FSME-Erkrankungen enden tödlich. Bei Kindern ist ein Ausbruch der Erkrankung eher selten, da die Intensität der Erkrankung mit dem Alter zunimmt. Eine Heilung des FSME-Virus gibt es nicht, es können lediglich die Symptome gelindert werden. Den einzigen Schutz gegen die Krankheit bietet eine Vorsorge-Impfung. Ansteckend ist der Virus übrigens nicht.

Borreliose: Im Gegensatz zu FSME gibt es bei Borreliose keine präventive Impfung. Wenn die Erkrankung allerdings frühzeitig erkannt wird, kann eine antibiotische Behandlung helfen. In Europa wird der Borreliose-Erreger mit jedem fünften Zeckenbiss übertragen. Sobald das Spinnentier zugestochen hat, gelangen die Bakterien vom Darm über die Speicheldrüse in den menschlichen Organismus. Dieser Vorgang dauert zwischen zehn und 24 Stunden. Die bakterielle Infektion wird auch Lyme-Krankheit oder Zecken-Borreliose genannt. Tückenhaft ist, dass die Krankheitsstationen nach wenigen Stunden oder auch erst drei Wochen später auftreten können. Bei 60 bis 80 Prozent der Erkrankten tritt eine immer größer werdende kreisförmige Rötung auf, die in der Mitte verblasst und schmerzlos ist. Weitere Anzeichen sind Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Fieber, Gelenks- und Muskelschmerzen oder geschwollene Lymphknoten. Sobald diese Anzeichen auftreten, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. In den meisten Fällen wird dann eine zwei bis dreiwöchige antibiotische medikamentöse Behandlung verschrieben. Wenn die Symptome zu spät behandelt werden, können Folgeschäden wie Arthritis (Gelenksentzündungen), Herzerkrankungen und eine Schädigung des zentralen Nervensystems in Gehirn und Rückenmark entstehen. Wie bei FSME zeigt sich auch bei Borreliose ein schneller Genesungsverlauf bei Kindern. Umso älter der Borreliose-Patient ist, desto schwerer ist die Behandlung.

Impfung gegen FSME

Die Zeckenschutzimpfung beugt generell FSME vor und erfolgt in drei Teilimpfungen. Zwischen der ersten und zweiten Injektion sollte ein Zeitraum von 4-12 Wochen eingehalten werden, da der Körper in dieser Zeit Antikörper gegen den Krankheitserreger bildet. Die zweite Impfung verstärkt den Effekt der ersten Impfung und das Immunsystem produziert weitere Antikörper. Zu diesem Zeitpunkt besteht bereits ein 90-prozentiger Schutz gegen FSME. Nach weiteren neun bis zwölf Monaten erfolgt die dritte und letzte Teilimpfung. Danach gelten Kinder und Erwachsene als grundimmunisiert und sind bis zu 99 Prozent gegen eine FSME-Viren geschützt. Nach drei bis acht Jahren sollten Auffrischungsimpfungen vorgenommen werden.

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Kinder leiden meist unter den Nebenwirkungen der Impfung Foto: Jovanmandic/iStock/Thinkstock

Was tun nach Zeckenbissen

Wichtig ist, dass die Spinnentiere so schnell wie möglich aus der Haut gezogen werden. Dazu nehmen Sie eine Pinzette und fassen die Zecke möglichst weit vorne am Kopf an. Dann wird das Spinnentier gerade, nicht drehend, herausgezogen. Anschließend sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Das weitere medizinische Vorgehen hängt von dem übertragenen Krankheitserreger und den vorangegangenen Zeckenschutzimpfungen ab.

Nicht geimpft: Wenn Sie einen Zeckenbiss entdecken, sollte dieser so schnell als möglich behandelt werden. Danach muss umgehend ein Arzt konsultiert werden. In den meisten Fällen wird ab einem Alter von 14 Jahren Hyperimmunglobin verabreicht. Nach vier Wochen kann mit einer aktiven Zeckenschutzimpfung begonnen werden. Diese bietet allerdings nur Schutz vor künftigen Bissen.

Nach 1. Impfung: In den ersten 14 Tagen nach der Impfung besteht kein Schutz, wenn Sie von einer Zecke gebissen werden. Sie werden behandelt, als wären Sie ungeimpft. Ab dem 15. Tag nach der Impfung kann die zweite Impfung verabreicht werden. Patienten bekommen dabei kein Hyperimmunglobin.

Nach 2. Impfung: Sechs Monate nach der zweiten Impfung gilt der Körper als geschützt. Danach erfolgt bei einem Zeckenbiss sofort die dritte Impfung.

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Zecken müssen sofort entfernt werden Foto: sasel77/iStock/Thinkstock

Ab wann sollen Kinder geimpft werden?

Generell können Kleinkinder ab dem ersten Lebensjahr gegen FSME geimpft werden, trotzdem empfehlen Ärzte eine Impfung erst ab dem dritten Lebensjahr. Der Impfausschuss des Obersen Sanitätsrates rät außerdem Kinder bis zwölf Jahre mit der halben Dosis des Impfstoffes TicoVac zu impfen und bei Kindern unter drei Jahre nur dann eine FSME-Impfung durchzuführen, wenn erhöhte Infektionsgefährdung besteht. Dies ist abhängig vom Wohngebiet und von der Freizeitgestaltung der Familie. Ebenso wichtig ist es, dass Eltern über die Nebenwirkungen der Impfung umfassend aufgeklärt werden. Fieberschübe etwa sind sehr wahrscheinlich, sollten aber nach spätestens einem Tag nicht mehr auftreten. Rötungen und Schwellungen der Impfstelle, genauso wie Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenksbeschwerden können Folgen der Impfung sein. Wichtig ist, diese Symptome mit dem Arzt zu besprechen, damit man entsprechend reagieren kann. Wenn Kinder bereits vor der Impfung an Fieber oder Allergien gegen den Impfstoff oder Hühnereiweiß leiden, sollte mit dem Arzt geklärt werden, ob eine Impfung sinnvoll ist.

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In hohem Gras verstecken sich viele Zecken Foto: anyaberkut/iStock/Thinkstock

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