Gründe für plötzliche Schulangst bei Kindern

Wenn Kinder von einem auf den anderen Tag nicht mehr in die Schule gehen möchten, hat das meist mit Angst zu tun. Schulangst kann bei Kindern verschiedene Anzeichen und Ursachen haben, die es zu erkennen gilt.

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Schulangst kann viele Ursachen haben Foto: Kerkez/iStock/Thinkstock

Angst ist eine Reaktion auf Gefahren und Bedrohungen und kann aufgrund verschiedenster Ursachen entstehen. Kinder, die an Schulangst leiden, haben häufig ängstliche oder auch übervorsichtige Eltern, die ihre eigenen Sorgen unbewusst auf die Sprösslinge übertragen. Schulangst kann in unterschiedlichen Formen auftreten, die zwei gängigsten Befürchtungen unter Schülern sind Leistungsangst und soziale Angst.

Leistungsangst

Bei dieser Form der Schulangst treten Panikattacken vor Prüfungen, Schularbeiten und Tests auf. Die betroffenen Kinder sind bereits einige Tage vor der anstehenden Prüfung sehr nervös und setzen sich mit einer negativen Beurteilung auseinander. Dabei ist nicht die Prüfungssituation das Problem, sondern ein mögliches Versagen, das die Kinder regelrecht verzweifeln lässt. Diese quälenden Gedanken entwickeln sich zu Horrorszenarien, die sich auch in körperlichen Symptomen wie Bauchweh, Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, Schweißausbrüchen, vermehrtem Harndrang, Zittern und Schlafstörungen ausdrücken. Gründe für diese Überforderung lassen sich in drei Bereiche unterteilen. Diese stehen in Zusammenhang mit der Schule als Institution, der familiären Situation und dem Lehrpersonal.

Institution Schule: Das große Gebäude und die neuen Lehrer können gerade bei einer Veränderung, wie Schul- oder Klassenwechsel zu Panikattacken vor Prüfungssituationen führen. Auch nach längerer Krankheit kann der Leistungsdruck für Kinder zu groß werden, da sie das Gefühl haben, den verpassten Schulstoff nicht mehr nachholen zu können. Entscheidend ist auch der richtige Schultyp für die Fähigkeiten der Kinder, ansonsten wird das Lernen zur Qual.

Familie: Der familiäre Umgang und Hintergrund kann ebenfalls Auslöser für Versagenangst und verstärkten Leistungsdruck sein. Auch wenn Eltern gar nicht bemerken, dass sie Druck ausüben, kann dies unterschwellig geschehen. Die elterliche Enttäuschung bei schlechten Noten oder herunterhängende Gesichter bei nicht erbrachter Leistung erkennen Kinder genauso, wie die Freude über gute Noten. Diese Reaktionen prägen sich ein und können auf Dauer zum Problem für Kinder werden. Ebenfalls negativ wirkt sich ein Vergleich mit den schulisch besseren Geschwistern aus, was den Druck auf den eigene Erfolge erhöht. Ein strenger Erziehungsstil mit vielen Vorgaben, Zurechtweisungen und Konsequenzen kann ebenfalls zu Prüfungsangst führen.

Lehrer: Jedes Kind hat andere Vorraussetzungen und daher muss der Unterrricht an die Schüler angepasst werden. Wenn Eltern bemerken, dass das Kind dem Unterricht nicht folgen kann oder die Art der Aufbereitung des Lehrstoffes das Kind überfordert, sollten sie das Gespräch mit dem Lehrer suchen. Ein offener Dialog zwischen dem verantwortlichen Lehrer über die Ängste und Sorgen der Eltern kann hier enorm hilfreich sein. Schulangst kann auch von einzelnen Lehrern ausgelöst werden, wenn das Kind beispielsweise Rückmeldungen des Lehrers zu bestimmten Aufgaben als mahnend oder beleidigend empfindet. In Konfliktfällen zwischen Kind und Lehrer können dritte Personen, wie Schulleitung, Schulpsychologen oder Mediatoren zu Rate gezogen werden.

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Auch der Körper leidet unter der Angst Foto: Wavebreakmedia Ltd/Wavebreak Media/Thinkstock

Soziale Angst

Verlegenheit, Scham und Publikumsangst sind die häufigsten Probleme, mit denen Kinder, die unter sozialer Angst leiden, zu kämpfen haben. Die ständige Sorge sich zu blamieren, von anderen bewertet zu werden und sich beobachtet fühlen, kann körperliche und auch psychosomatische Beschwerden auslösen. Schüler, die an sozialer Angst leiden, sind häufig schüchtern und meiden Blickkontakt mit Lehrern und Schulkollegen. Da ständige Angst vor Ablehnung und Spott besteht, sprechen die Kinder im Unterricht nur wenn sie angesprochen werden und dann meist sehr leise. Zuhause beginnen die Kinder häufig zu weinen oder zu schreien oder verstecken sich ohne konkreten Auslöser.

Ursachen für soziale Angst: Niedriges Selbstwertgefühl und Angst vor Kritik sind die häufigsten Ursachen sozialer Angst. Kinder, die damit zu kämpfen haben, können sich meist nur schwer gegen Mobbing, Spott und auch körperliche Gewalt durch Mitschüler wehren .

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Kinder haben Angst vor sozialer Ausgrenzung Foto: gpointstudio/iStock/Thinkstock

Was können Eltern tun?

Obwohl Leistungsangst und soziale Angst unterschiedlich behandelt werden müssen, gilt prinzipiell, dass diese Angststörungen im schulischen Kontext entstanden sind und daher auch in der Schule geklärt werden müssen. Dafür müssen alle Beteiligten zusammenarbeiten und sowohl Schüler, Lehrer als auch Eltern sollten in Dialog miteinander treten. Eltern sollten außerdem darauf achten, dass sie Vermeidungsstrategien der Kinder nicht fördern und stattdessen vermitteln, dass ein Fernbleiben der Schule keine Option ist und das Kind bestärken, indem sie gut zureden, trösten, ermutigen und Erfolgserlebnisse schaffen, die das Selbstvertrauen fördern.

Bei Leistungsangst: Wenn Eltern bemerken, dass das Kind Versagensängste entwickelt hat, helfen gemeinsam erstellte Lernpläne und eine Überprüfung der Lerntechniken des Kindes. Außerdem sollte hinterfragt werden, ob der ausgewählte Schultyp und die Unterrichtsmethodik der Lehrer zum Kind passt. Auch die Inanspruchnahme des Schulpsychologen kann helfen.

Bei sozialen Ängsten: Bei dieser Form der Angststörung ist es wichtig, fehlendes Selbstvertrauen aufzubauen. Kinder sollten positive soziale Erfahrungen machen, indem sie beispielsweise öfter mit Kindern am Spielplatz in Kontakt treten. Durch das positive Aufeinandertreffen legen sie ihre Ängste und schüchternes Verhalten mehr und mehr ab. Ein Facharzt kann ebenfalls zu Rate gezogen werden und im Falle von Mobbing oder sozialer Ausgrenzung in der Schule sollte jedenfalls ein klärendes Gespräch mit den Lehrern und den betroffenen Eltern und Schülern geführt werden.

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