Erziehung: Wie viele Regeln brauchen Kinder?

Grenzen signalisieren sicheren Raum, bieten Orientierung und stecken die Erwartungen, die an das Kind gerichtet sind, ab. Gleichzeitig sollen gewisse Regeln auch von den Sprösslingen durchbrochen werden. Doch welches Maß ist das richtige?

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Wo sollten Eltern Grenzen ziehen? Foto: David Davis/Hemera/Thinkstock

Regeln sind da, um gebrochen zu werden. Diesen Satz lieben rebellische Jugendliche. Trotzdem sind Grenzen erforderlich, um das kindliche Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit zu stillen. Damit Regeln nicht zum familiären Dauerkonflikt werden, sollten Eltern gewisse Dinge beachten.

Wie Grenzen setzen?

Prinzipiell sollten Regeln immer an das Alter der Kinder angepasst werden. Experten empfehlen für Kinder bis zu fünf Jahren maximal zehn Regelungen aufzustellen, da Klein- und Kindergartenkinder ansonsten überfordert sind. Wichtig ist, dass diese Grenzen auch eingehalten werden und Eltern einen Verstoß nicht ignorieren. Wenn Fehlverhalten einfach übergangen wird, sind Kinder irritiert und in weiterer Folge auch verunsichert.

Wie viel ist zu viel?

Freiheiten sind wichtig. Wer es allerdings übertreibt, setzt sein Kind einem unsicheren Zustand aus. Denn die meisten Kinder brauchen klare Strukturen um sich orientieren zu können, da sie sich ansonsten in einer unüberschaubaren Situation wiederfinden. Hier ist das Mittelmaß entscheidend, denn zu viel Freiheit kann Aggression, Überforderung und Gleichmütigkeit auslösen. Zu wenig freier Entscheidungsspielraum entmutigt die Kinder allerdings, begrenzt ihre Erfahrungen und schwächt das Selbstwertgefühl.

Kommunikation ist alles!

Dieser Satz zieht sich durch die gesamte Kindererziehung. Regeln und Grenzen müssen klar angesprochen und altersgerecht erklärt werden. Wenn Kinder verstehen, warum sie gewisse Dinge dürfen und andere wiederum nicht, fällt es ihnen auch leichter sich daran zu halten. Die richtige Formulierung ist ebenfalls entscheidend. Eltern sollten bei Anweisungen versuchen, so klar wie möglich zu sein, damit keine Fehlinterpretation möglich ist. Dieser Satz sollte beispielsweise vermieden werden: „Glaubst du nicht, dass du dein Zimmer aufräumen solltest?“ Stattdessen kann folgende Formulierung gewählt werden: „Räum bitte jetzt dein Zimmer auf.“ Je nach Alter können mit dem Kind auch gemeinsam Vereinbarungen getroffen werden. Das stärkt das Selbstwertgefühl und überträgt Verantwortung auf das Kind.

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Grenzen und Freiheiten in Maßen Foto: Choreograph/iStck/Thinkstock

Konsequenz ist der Schlüssel

Mit festgelegten Grenzen gehen auch Konsequenzen einher. Eltern haben die Aufgabe klare und feste Leitfiguren zu sein, an denen sich Kinder reiben können. Diese Reibung besteht meist aus einem Konflikt. Kinder überschreiten Grenzen, weil sie diesen Konflikt provozieren wollen und sind im Umkehrschluss irritiert, wenn die Konsequenz ausbleibt.

Regeln gelten für Erwachsene und Kinder

Da Mama und Papa die wichtigsten Vorbilder für Kinder sind, ist es besonders wichtig, dass diese sich ebenfalls an die erstellten Regeln halten. Wenn beispielsweise ein Schimpfwortverbot in der Familie besteht, dürfen auch Eltern nicht ohne Konsequenz fluchen. Ansonsten fühlen sich Kinder nicht ernst genommen oder respektiert. Umso jünger die Sprösslinge sind, desto mehr ahmen sie das Verhalten ihrer Eltern nach. Kinder lernen durch Beobachtung, das sollten Eltern niemals vergessen. Wichtig ist daher ein respektvoller und rücksichtsvoller Umgang mit anderen, in Stresssituationen Ruhe bewahren, keine Notlügen und nicht Fluchen.

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Eltern sind das wichtigste Vorbild der Kinder Foto: JackF/iStock/Thinkstock