Ratschläge für Eltern: Was bringen sie wirklich?

Bernsteinketten helfen beim Zahnen, Schreien kräftigt die Lungen und wer dichtes Haar für sein Kind will, muss es oft schneiden! Jeder kennt die guten Tipps für frisch gebackene Eltern. Aber helfen sie wirklich?

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Welche Tipps helfen wirklich? Foto: AGrigorjeva/iStock/Thinkstock

1. Babys brauchen einen fixen Rhythmus!

Prinzipiell kann diesem Tipp zugestimmt werden, allerdings nur unter gewissen Bedingungen. Das Alter des Kindes ist hierbei entscheidend, denn in den ersten drei Wochen nach der Geburt ist es unmöglich einen fixen Tagesablauf einzuhalten. Die Kinder haben Hunger, sind müde, wach und wollen unterhalten werden - ganz egal, wie spät es ist. Nach den ersten Wochen sollten Kinder einen Tag-Nacht-Rhythmus kennenlernen. Natürlich wachen Babys in der Nacht auf und haben Hunger, trotzdem sollte alles ruhiger ablaufen und Hektik vermieden und das Kind nicht unterhalten werden. Untertags schläft das Baby ebenfalls, aber die Vorhänge lassen etwas mehr Licht durch und auch die Geräusche des Alltags können nicht gänzlich unterdrückt werden, so erkennt das Kind bereits einen Unterschied zwischen Tag und Nacht. Ab wann ein geregelter Tagesablauf eingeführt werden kann, hängt von den Bedürfnissen des Kindes ab. Generell gilt, dass Babys ab einem Alter von drei bis sechs Monaten für einen flexiblen Rhythmus empfänglich sind, dabei muss jede Mutter individuell auf die Wünsche des Kindes achten. Allerdings ist auch dann kein strenger Zeitplan möglich, stattdessen ist ein flexibler Zeitrahmen zu empfehlen, bei dem  Essens-, Schlaf- und Spielzeiten innerhalb von 30 Minuten variieren können. Wichtiger als ein fixer Rhythmus sind außerdem feste Rituale. Wenn das Kind jeden Abend baden geht, dann in den Pyjama schlüpft und ein Gute-Nacht-Lied vorgesungen bekommt, hilft das beim Einschlafen.

2. Volle Haarpracht durch häufiges Schneiden

Dieser Mythos kann mit einem klaren "nein" beantwortet werden. Mediziner sind sich einig, dass der Haarwuchs ausschließlich mit der Veranlagung eines Kindes zu tun hat und nicht von außen beeinflusst werden kann. Die Haare von Neugeborenen durchlaufen drei Zyklen: Zuerst wachsen die Haare, danach setzt ein Stillstand ein und die Haare bleiben für kurze Zeit so wie sie sind, danach gehen alle Haare aus. Diese drei Phasen können bereits vor der Geburt im Mutterleib stattfinden. Das erklärt auch, warum manche Babys mit einer Glatze und andere mit voller Haarpracht zur Welt kommen. Auch kahle Stellen am Hinterkopf der Babys lassen sich mit diesen drei Zyklen erklären: An diesen Stellen gehen die Haare einfach zuerst aus, das hat aber nichts mit der Liegeposition des Kindes zu tun.

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Bekommen Kinder durch häufiges Haareschneiden dichtes Haar? Foto: SbytovaMN/iStockTHinkstock

3. Schreien kräftigt die Lungen

Dieser Ratschlag wird von Medizinern und Erziehungspädogogen absolut verneint. Wenn Eltern ihr Kind einfach schreien lassen, können sie mehr Schaden anrichten, als Gutes tun. Erstens ist die Bauchdecke bei Babys meist noch nicht richtig geschlossen und eine Überbelastung wie langes, lautes Schreien könnte zu einem Nabelbruch führen. Dieser ist zwar meist harmlos und verheilt häufig von allein, sollte aber trotzdem nicht unnötig provoziert werden. Auch was die Psyche der Kinder betrifft, hat das Schreienlassen schlechte Auswirkungen. Wenn Kinder schreien, brauchen sie meist Zuneigung von ihren Eltern und wenn sie diese nicht oder zu spät bekommen, stößt das Kind Stresshormone aus, was zu noch mehr Schreien führt.

4. Kein Kaffee in der Stillzeit!

Es gibt kein striktes Kaffee-Verbot während dem Stillen, allerdings sollte Koffein generell vermieden werden. Alles was Mütter essen und trinken konsumiert das Kind durch die Muttermilch mit und da Koffein eine aufputschende Wirkung hat, reagiert auch das Kind darauf. Während die Mutter den Koffeinkick sofort spürt, setzt dieser beim Kind circa acht bis zehn Stunden später ein. Das wird dann zum Problem, wenn das Kind eigentlich schlafen möchte und quengelig wird, weil es vom Koffein daran gehindert wird. Die WHO (Weltgesundheitsorgamisation) rät zu maximal 300 Milliliter Kaffee pro Tag und auch koffeinhalter Tee und kalte Getränke sollten nur in Maßen konsumiert werden.

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Kaffee soll in der Stillzeit angeblich vermieden werden Foto: SbytovaMN/iSTock/ThInkstock

5. Bernsteinketten lindern Schmerzen beim Zahnen

Viele Mütter schwören auf die Bernsteinketten während das Kind unter Schmerzen leidet, weil die ersten Zähne durchstoßen. Ob Bernstein tatsächlich eine schmerzlindernde Wirkung hat, konnte bisher aber nicht nachgewiesen werden. Daher gilt an dieser Stelle das Sprichwort: "Wenn es nicht hilft, schadet es auch nicht." Die Ketten mit den goldgelben Steinen sind jedensfalls ein schöner Schmuck für die Sprösslinge.

6. Orangen trocknen die Haut der Babys aus

Zitrusfrüchte wie Orangen, Zitronen und Grapefruit können die Haut am Hintern der Babys austrocknen und wund werden lassen - das muss aber nicht sein. Manche Kinder vertragen Zitrusfrüchte gut und andere nicht, das können Mütter nur herausfinden, indem sie es ausprobieren. Daher sollten während der Stillzeit nicht von vornherein auf bestimmte Lebensmittel verzichtet werden.

7. Windel abgewöhnen am besten im Sommer

Es gibt keine fixe Regel ab wann Kinder trocken sein müssen. Manche Kinder brauchen schon im Alter von zwei Jahren keine Windel mehr, andere gehen erst mit vier Jahren selbstständig auf die Toilette. Fakt ist allerdings, dass es den Kindern im Sommer leichter fällt auf die Windel zu verzichten. Da die Sprösslinge an heißen Tagen ohnehin oft ohne Windel durch den Garten laufen, können sie die Verbindung zwischen dem Druck auf der Blase und der Konsequenz aufs Klo zu gehen, besser herstellen. Wenn die Kinder es nicht rechtzeitig schaffen, spüren sie aktiv, dass es zu spät war und sie lernen daraus das nächste Mal früher auf die Toilette zu gehen.

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Windel abgewöhnen im Sommer Foto: Nadezhda1906/iStock/Thinkstock

8. Veilchenwurzel hilft beim Zahnen

Bei diesem Tipp gehen die Meinungen auseinander: Die einen schwören auf die Wirkung der Veilchenwurzeln und andere raten vehement davon ab. Während die ersten Zähne durchbrechen, spüren Kinder eine relativ starke Spannung im Mund und kauen daher am liebsten auf allen möglichen Dingen herum. Von Befürwortern wird der Veilchenwurzel eine schmerzlindernde Wirkung nachgesagt, die den Kindern gut tut. Gegner sehen in der Wurzel hingegen eine Keimschleuder, die regelmäßig in kochendem Wasser abgetötet werden müssen.

9. Schnuller kann zu Zahnfehlstellungen führen

Dieser Ratschlag ist zum Leidwesen der Eltern zumindest teilweise wahr. Der Schnuller hat seine Vorteile und ist in vielen Situationen sehr hilfreich, trotzdem hat er seine Nachteile. Erstens sollte spätestens ab dem vierten Lebensjahr auf den Schnulli verzichtet werden und zweitens kann der Nuckel tatsächlich zu Zahnfehlstellungen führen. Denn der Schnuller übt Druck auf das Kiefer aus und somit auch auf das entstehende Gebiss. Untersuchungen zufolge sind 50 Prozent der Fehlstellungen wie Kreuzbisse, Überbisse und offene Bisse (dabei kommen die Schneidezähne von Ober- und Unterkiefer nicht zusammen) auf den Schnuller zurückzuführen.

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Führen Schnuller zu Zahnfehlstellungen? Foto: AGrigorjeva/iStock/Thinkstock

10. Sport während des Stillens macht Milch sauer

Tatsächlich kann die Milch durch erhöhte Milchsäureproduktion bei extremer sportlicher Betätigung sauer werden. Allerdings raten Ärzte von dieser Art der körperlichen Belastung während der Stillzeit ohnehin ab, da der Körper durch die zusätzliche Belastung des Stillens ohnehin mit mehr Energie versorgt werden muss.

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