So fördern Pferde die Entwicklung von Kindern!

Pferde haben eine erstaunliche Wirkung auf den menschlichen Körper und Geist. Gerade im Kindesalter kann der Umgang mit Pferden die geistige, soziale und körperliche Entwicklung enorm beeinflussen.

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Reiten kann enorme Auswirkungen auf Kinder haben Foto: Zuberka/iStock/Thinkstock

Pferde sind hochintelligente und sehr sensible Tiere, das haben zahlreiche Studien unter Beweis gestellt. Neue Erhebungen lassen Wissenschaftler nun vermuten, dass die Herdentiere auch Emotionen und Körpersprache ihres menschlichen Gegenübers wahrnehmen und sich dieser anpassen können. Das besondere Feingefühl, das Pferde Menschen entgegenbringen, führen die Forscher der "Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen" auf die letzten 5000 Jahre zurück, in denen Pferde als Reit- und Lasttiere eingesetzt wurden. Durch diese lange Zeit haben die Herdentiere kommunikative Talente und ein Verständnis für menschliches Verhalten entwickelt, das absolut erstaunlich ist. Die letzen Experimente zeigen sogar, dass die Tiere Menschen beobachten und deren Verhalten teilweise nachmachen. Im konkreten Fall lernten die untersuchten Pferde lediglich durch Beobachtung, dass sie den Lichtschalter betätigen müssen, um die Futterbox öffnen zu können. Nach kurzer Zeit machten sie es den Menschen nach!

Besonderer Einfluss auf Kinder

Durch die besonderen Fähigkeiten und die Offenheit, mit der Pferde Menschen gegenübertreten, schaffen die Tiere eine Atmosphäre, in der sich auch Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsstörungen, Kontaktschwierigkeiten, Konzentrationsschwächen, Versagensängsten, Autismus, und geistigen oder körperlichen Behinderungen überaus wohl fühlen. Durch den Umgang mit den Tieren in Kombination mit speziellen Therapieformen lernen Kinder mit etwaigen Schwächen, wie Berührungsängsten oder auch überschüssiger Energie umzugehen.

Medizinisches Reiten: Hippotherapie

Die Hippotherapie ist eine Art Krankengymnastik auf dem Pferd, die Kinder und Jugendliche körperlich, emotional, geistig und auch sozial fördert. Diese Therapieform wird in der Physio- und Ergotherapie eingesetzt und auf die speziellen medizinischen Bedürfnisse von körperlich, geistig und seelisch beeinträchtigten Personen abgestimmt. Erkrankungen des Nervensystems oder auch Geburtsschäden wie beispielsweise schlaffe Muskulatur, bei der der Muskel nicht richtig angespannt wird, oder auch spastischen Lähmungen, bei der der Muskel verkrampft und ständig stark angespannt ist, können durch die Bewegung des Pferdes in Gangart oder Trab therapiert werden. Das Sitzen auf dem Pferderücken wirkt auf Becken und Wirbelsäule des Reiters, der sich ständig ausbalacieren muss und dadurch automatisch schlaffe Muskeln anspannt oder spastische Lähmungen auflockert. Ziel der Hippotherapie ist außerdem, das Selbstbewusstsein von Kindern und Jugendlichen mit seelischen und sozialen Entwicklungsstörungen zu stärken und ihnen Sicherheit in alltäglichen Handlungen zu vermitteln. Auch psychische und emotionale Fähigkeiten werden durch das Training mit dem Pferd weiterentwickelt.

Heilpädagogisches Reiten für die Seele

Bei dieser Therapieform nimmt die Beziehung zwischen Kind und Pferd eine zentrale Rolle ein und soll bei der persönlichen und sozialen Entwicklung des Kindes helfen. Die Kinder pflegen, füttern, putzen, führen und reiten die Pferde, zusätzlich erledigen sie auch Stallarbeiten und übernehmen so Verantwortung für die Tiere. Dadurch sollen individuelle Schwierigkeiten wie Verhaltensauffälligkeiten, Teilleistungs- oder Lernschwächen, Wahrnehmungs- und Sprachstörungen, Probleme im emotionalen oder sozialen Umgang und auch psychiatrische Erkrankungen abgebaut werden. Da Pferde extrem einfühlsame und gleichzeitig sehr starke Tiere sind, helfen sie Kindern und Jugendlichen die eigenen Stärken zu erkennen und auch zu kontrollieren. Daraus können wiederum Mut, Durchsetzungskraft, Fürsorge und Einfühlungsvermögen für andere erlernt werden. Heilpädagogisches Reiten eignet sich besonders gut für Kinder, die sich ohnehin zu Pferden hingezogen fühlen, oder Jugendliche, die bereits therapiemüde sind und gerne etwas anderes ausprobieren möchten. Die Zeit mit den Herdentieren beruhigt die Kinder und steigert die Konzentrationsspanne. Kinder und Jugendliche lernen durch den Umgang mit den Pferden auch die eigenen Gefühle zuzulassen und mit diesen umzugehen, was zu einem inneren und äußeren Gleichgewicht führt.

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Heilpädagogisches Reiten stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder Foto: andreipugach/iStock/Thinkstock

Durch Pferde gestützte Psychotherapie

Da Pferde die Fähigkeit haben, die Stimmung des Gegenübers wahrzunehmen und wiederzugeben, spiegeln sie die Verhaltensmuster wieder, die ihnen entgegengebracht werden. Daher können die sensiblen Tiere beispielsweise Gesprächs- und Psychotherapien unterstützen und diese schneller zum Erfolg führen. Durch die Berührung und das Spüren des Pferdes wird auch die Wahrnehmung des eigenen Körpers stärker und gerade Jugendliche lernen dadurch ihre Körpergrenzen kennen. Dies ist beispielsweise bei Essstörungen relevant. Denn Jugendliche, die an dieser Krankheit leiden, müssen lernen den eigenen Körper wahrzunehmen und ein korrektes Selbstbild aufzubauen. Das Reiten gibt den Kindern und Jugendlichen ein stärkeres Selbstwertgefühl und dadurch können auch Angstzustände, Panikattacken und Depressionen behandelt werden.

Autismus: Reiten mit allen Sinnen

Autismus wird als Entwicklungsstörung definiert und ist somit eine psychische Erkrankung. Erste Symptome zeigen sich meist in Problemen im sozialen Umgang und in Auffälligkeiten der sprachlichen Kommunikation. Daher ist für Kinder mit Autismuserkrankung die Kontaktaufnahme mit den Pferden in Form von Berührung, Fühlen, Riechen und ersten Führungen sehr wichtig. Durch den Körperkontakt mit den Pferden lernen die Kinder ihre eigene Körperwärme zu spüren und in weiterer Folge kann auch die Kommunikationsfähigkeit gesteigert und das Empathieempfinden ausgeprägter gezeigt werden.

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Die Nähe der Pferde fördert das Sozialverhalten Foto: baluzek/iStock/Thinkstock

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