Patchworkfamilien: Das sollten Eltern beachten

Die Trennung der Eltern ist für Kinder immer ein traumatisches Erlebnis. Wenn sich daraus auch neue Familienkonstellationen entwickeln, reagieren Kinder häufig mit Ablehnung. Tipps, wie die Patchworkfamilie trotzdem funktionieren kann.

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Patchworkfamilien können funktionieren Foto: yaruta/iStock/Thinkstock

Am Beginn der Patchworkfamilie steht für die Kinder immer die Trennung der eigenen Eltern und da dieses Erlebnis für Kinder einschneidend und traurig ist, ist auch die Gründung der neuen Patchworkfamilie mit vielen Konflikten behaftet.

Phasen der Familienzusammenführung

Die Patchworkfamilie ist für alle Beteiligten neu und besonders Kinder sehen sich vor große Herausforderungen gestellt. Auch wenn der Nachwuchs in Gesprächen auf familiäre Veränderungen vorbereitet worden ist, fühlt sich eine derartige Umstellung wie ein plötzlicher Einschnitt in sein Leben an. Das liegt auch daran, dass sich Familienstrukturen normalerweise langsam entwickeln und Patchworkfamilien quasi von einem Tag auf den anderen entstehen. Die Mitglieder der Patchworkfamilie durchlaufen drei Phasen, bis sie sich an die neue Situation gewöhnt haben.

1. Phase: Kennenlernen

Bevor ein neuer Partner in die gemeinsame Wohnung einzieht und Teil der Familie wird, sollte das Kind diese Person gut kennenlernen und in zahlreichen offenen Gesprächen auf die zukünftige Veränderung vorbereitet werden. Antasten und sich Kennenlernen ist ein zentraler Bestandteil der ersten Phase. Im Idealfall erklären beide Elternteile dem Kind, dass der neue Partner nicht Mutter oder Vater ersetzen soll. Dadurch soll verhindert werden, dass sich das Kind in einem Loyalitätskonflikt wiederfindet und sogenannte Stellvertreterkriege für den Elternteil ausfechten muss, der (noch) keinen neuen Partner hat und daher allein lebt.

2. Phase: Gewöhnung

Die zweite Stufe auf dem Weg zur funktionierenden Patchworkfamilie ist bereits mit sehr vielen Konflikten und Auseinandersetzungen verbunden. Sätze wie „Du bist nicht meine Mama!“ oder „Du hast mir gar nichts zu sagen!“ werden immer häufiger und die neuen Partner bekommen verstärkt Ablehnung zu spüren. Familientherapeuten sehen diese zweite Phase als sehr schwierig an.  Sollten die Familienmitglieder das Gefühl haben, bereits eingefahrene Muster nicht durchbrechen zu können, sollte Hilfe in Beratungszentren in Anspruch genommen werden. Therapeuten können verhärtete Fronten entspannen und neue Konfliktlösungen aufzeigen.

3. Phase: Integration

Sobald die schwierige Phase des Kampfes überstanden ist, kehren Stabilität, Vertrauen und Alltag ein. Bis Patchworkfamilien allerdings an diesen Punkt angelangt sind, vergehen durchschnittlich bis zu fünf Jahre.

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Patchworkfamilien funktionieren erst nach vielen Jahren Foto: Liderina/iStock/Thinkstock

Welche Konflikte gibt es?

Die Scheidung der Eltern ist sehr traumatisierend für Kinder. Sollte die Trennung bereits Jahre zurück liegen, können mit einem neuen Partner alte Themen und bereits verarbeitete Gefühle wieder ins Bewusstsein gelangen. Probleme entstehen auch, wenn sich Stiefväter oder Stiefmütter zu früh in Erziehungsfragen einmischen.

Stiefmutter: Frauen, die Teil einer neuen Familie werden, erfahren von den Kindern sehr viel Ablehnung und können nichts richtig machen. Egal, ob das Lieblingsessen des Nachwuchses gekocht wird oder gemeinsame Aktivitäten vorgeschlagen werden, die Kinder wollen das nicht. Daher ist es für Stiefmütter wichtig, eine gewisse Distanzhaltung einzunehmen. Kinder brauchen Zeit um Vertrauen aufzubauen und die zweite Frau in Papas Leben akzeptieren zu können.

Stiefvater: Auch Stiefväter durchlaufen eine lange Durststrecke und werden mit Ablehnung gestraft. Eine besonders schwierige Situation entsteht, wenn sich Kinder in einem Loyalitätskonflikt befinden und das Gefühl haben, sie müssen zum leiblichen Vater halten, weil dieser (noch) alleine ist. Diese Problematik sollte bestenfalls von beiden Elternteilen angesprochen werden.

Stiefgeschwister: Wenn der neue Partner ebenfalls Kinder hat, werden die Rollen in der Familie anders verteilt. Die Kinder bekommen plötzlich eine große Schwester oder einen kleinen Bruder und sind somit nicht mehr die Ältesten oder Jüngsten. Dieser Prozess braucht sehr viel Zeit, da sie sich neu orientieren müssen, was den Eltern Unterstützung, Verständnis und Geduld abverlangt. Gleichzeitig müssen die Sprösslinge auch Grenzen, Disziplin und Konsequenzen zu spüren bekommen, wenn sie gewisse Regeln übertreten. Das mag für Eltern zeitweise schwierig sein, ist aber unbedingt notwendig. Konkurrenzkämpfe und Dauerstreitereien unter den Stiefgeschwistern sind ebenfalls normal und kein Grund zur Beunruhigung. Eltern sollten nicht sofort in Konfliktsituationen eingreifen, sondern abwarten und sehen, ob die neuen Geschwister diese selbst lösen können.

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Drei Phasen bis zur funktionierenden Patchworkfamilie Foto: oneblink-cj/iStock/Thinkstock

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