Wie und wann sollen Kinder aufgeklärt werden?

"Wie kommt das Baby in den Bauch?" Diese Frage taucht häufig auf, wenn Kinder ein Geschwisterchen erwarten, oder dieses Thema im Kindergarten aufgekommen ist. Wie Eltern am besten darauf reagieren und Kinder aufklären, lesen Sie hier.

kinder-aufklaeren
Aufklärungsfragen sind nicht leicht zu beantworten Foto: KatarzynaBialasiewicz/iStock/Thinkstock

Aufklärungsfragen lösen bei Eltern meist Unsicherheiten aus, da sie nicht genau wissen, was sie dem Kind entgegenen und auch wie detailliert diese Antworten sein sollen. Ein hilfreicher Anhaltspunkt und entscheidender Faktor bei dieser Thematik ist das Alter der Kinder, denn mit diesem geht auch die Entwicklung der kindlichen Sexualität einher.

Alter: 0-2 Jahre

In diesem Entwicklungsstadium lernen Kleinkinder, dass sie einen Körper und Geschlechtsteile haben. Sie erkunden diesen auf ganz natürliche Weise ohne Schamgefühl mit allen Sinnen.

Alter: 2-5 Jahre

Ab dem zweiten Lebensjahr beginnt das Kind Fragen nach dem eigenen und dem anderen Geschlecht zu stellen und hat zunächst noch keine Tabuzonen im Kopf. Durch Vater-Mutter-Kind-Spiele schlüpfen Kinder in verschiedene Rollenbilder und lernen unterschiedliche Sichtweisen kennen. In dieser Phase  entwickelt sich erste sexuelle Neugierde, die sich wiederum in Doktorspielen mit anderen Kindern äußert. Auch wenn das für Eltern befremdlich sein mag, sollten sie es nicht grundsätzlich verbieten, da Kinder dadurch den eigenen Körper kennenlernen. Außerdem sollte den Kindern ein offener Umgang mit Sexualität vermittelt werden, wenn sie sich beispielsweise mit Fragen zu äußeren Geschlechtsorganen an die Eltern wenden. Am Ende dieser Phase lernen Kinder erstmals Schamgefühl kennen. Umso wichtiger ist es daher, dass Eltern den Fragen der Kinder mit Offenheit begegnen und auch akzeptieren, wenn sie keine körperlichen Zärtlichkeiten mit den Eltern austauschen möchten.

Alter: 6-9 Jahre

In dieser Phase wird die Umwelt der Kinder enorm wichtig und der erste kleine Abnabelungsprozess von den Eltern setzt ein. Außerdem lehnen Kinder in diesem Alter das andere Geschlecht eher ab. Sätze wie "Buben sind doof" und "Mädchen sind blöd" sind in dieser Phase öfter zu hören. Es kommt auch häufiger vor, dass Kinder sich verkleiden oder in die Kleidung der Eltern schlüpfen, um verschiedene Rollen einzunehmen und auszutesten, wie es sich anfühlt. Explizite Fragen zu Sexualität,  Zeugung, Empfängnis und Schwangerschaft sind in dieser Entwicklungsphase keine Seltenheit, denn mit neun Jahren beginnt bereits die sogenannte Vorpubertät.

Alter: 10-12 Jahre

Ab dem zehnten Lebensjahr setzt die erste Verwirrung über die eigenen Gefühle und den Körper ein. Diese geht mit Angst und Verlegenheit einher. Das entsprechende Körpergefühl muss sich durch das eigene Kennenlernen erst entwickeln. Selbstwahrnehmung findet verstärkt statt und auch ein aktives Bewusstsein darüber wann, wo, wie und von wem man berührt werden will.

Wie Eltern im konkreten Fall reagieren sollten

Prinzipiell gilt, dass Eltern ihren Kindern signalisieren sollen, dass sie alles fragen können, was sie möchten. Feinfühligkeit ist wichtig, schließlich liegt es an den Eltern herauszufinden, was der Hintergrund der Fragen ist und was die Kinder genau wissen möchten. Bevor Eltern auf Fragen zum Thema Sexualität antworten, sollten sie sich auf die Reaktion der Kinder gefasst machen. Denn diese kann von Erstaunen über Ekel bis hin zu Ablehnung und der Frage, ob man das denn wirklich gemacht hat, reichen. In dieser Situation können Eltern erklären, dass das Kind so entstanden ist und dass dieser Moment daher sehr schön war.

Welche Sprache verwenden?

Begriffe wie "Vagina" und "Penis" sollten den Kindern beigebracht werden, wenn sie Fragen zur Aufklärung stellen. Bezüglich des Alters gilt, dass Fragen im Kleinkind- und Kindergartenalter nicht ausführlich beantwortet werden müssen. Kurze Antworten reichen und dann können Eltern kurz abwarten, ob das Kind weitere Fragen hat. Diese sollten dann wiederum offen und unaufgeregt beantwortet werden. An dieser Stelle können auch Bücher sehr hilfreich sein, die die Kinder entweder allein oder mit den Eltern gemeinsam durchsehen können. Wenn die Kinder bereits in der Schule sind, wollen sie meist alles genau und detailreich wissen und auch die Reaktionen der Eltern zu diesem Thema testen. Eltern sollten hier einfühlsam reagieren und sich für die Fragen der Kinder ausreichend Zeit nehmen.

kinder-aufklaeren-buch
Bücher können sehr hilfreich sein Foto: Larisa Lofitskaya/Hemera/Thinkstock

Warum ist Aufklärung so wichtig?

Aus Kindern werden Jugendliche und Erwachsene, die einen verantwortungsvollen und realistischen Umgang mit Sexualität pflegen sollen. Sie müssen möglichst früh lernen, dass Sex kein rein körperlicher Akt ist, sondern immer mit Gefühlen, Emotionen und auch Verantwortung gegenüber der anderen Person verbunden ist. Auch das Thema Verhütung sollte ausführlich besprochen werden. Unsicherheiten seitens der Eltern sollten bereits im Vorfeld durch gemeinsame Gespräche oder die Einholung von Ratschlägen von den eigenen Eltern geklärt werden. So übertragen sich diese Unsicherheiten nicht auf die Kinder und diese können einen offenen Umgang zur Sexualität entwickeln.

kinder-aufklaeren-tipps.jpg
Richtige Aufklärung ist wichtig Foto: Digital Vision./Photodisc/Thinkstock

Kommentare 0