Hilfe! Mein Kind verweigert jede Mahlzeit!

Die ersten Lebensjahre eines Babys drehen sich ums Essen. Umso schlimmer ist die Situation für Eltern, wenn das Kind die Nahrung verweigert! Was normal ist und ab wann von einer Futterstörung gesprochen wird, lesen Sie hier.

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Wenn Kinder nicht essen, wird das zur Belastung für die ganze Familie Foto: evgenyatamanenko/iStock/Thinkstock

In den ersten beiden Lebensjahren haben 15 bis 25 Prozent aller gesunden Säuglinge leichte bis mittelschwere Essstörungen. Der Grund dafür ist meist ein Anpassungsproblem des Kindes. Dies geht häufig mit der Umstellung vom Stillen zum Fläschchen, dem Beginn von Beikost, dem Erkennen neuer Geschmacksrichtungen, dem Übergang zur Familienkost oder auch dem Beginn des selbstständigen Essens einher.

Essen ist eine Vertrauensfrage

Kinder essen prinzipiell unregelmäßig, das ist ganz normal. Es kann schon vorkommen, dass sie über mehrere Tage kaum einen Happen essen wollen und dafür am plötzlich eine große Portion verdrücken. Meist haben sie auch eine Lieblingsspeise, die sie gern jeden Tag serviert bekommen würden. Bei der Entscheidung eines Kleinkindes ein Gericht zu essen, spielt die Tatsache des Bekannten eine große Rolle. Wenn die Kleinen das Gericht bereits für gut befunden haben, greifen sie gerne wieder zu, allerdings sind manche Kinder auch weniger experimentierfreudig, was die Menüwahl betrifft. Studien zeigen, dass Kinder bis zu zehn Kontakte mit einem neuen Nahrungsmittel brauchen, um es zu akzeptieren. Riechen, Ansehen, die Farben erkennen, die Konsistenz berühren und im Mund fühlen und nicht zuletzt Familienmitglieder rundherum beobachten, wie sie das noch unbekannte Essen verspeisen, sind wichtige Schritte für Kleinkinder um neue Mahlzeiten akzeptieren zu können.

Machtkampf beim Essen

Wenn Eltern panisch und in Sorge reagieren, wenn das Kindchen nicht essen will, nutzen Kinder das gerade in Trotzphasen aus und verweigern das Essen erst recht. Da ihr Lieblingswort in diesen Entwicklungsphasen „nein“ ist, sollten Eltern gelassen reagieren und keinen großen Wirbel machen. Erziehungsexperten raten in diesen Situationen, das Teller einfach abzuservieren und beim nächsten Essen ähnliche Nahrungsmittel anzubieten. In der Zwischenzeit darf es gesunde Snacks geben, aber keine Naschereien.

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Während der Trotzphase wollen viele Kinder nicht essen Foto: Huntstock/DisabilityImages/Thinkstock

Hat mein Kind eine Essstörung?

Verweigern Säuglinge und Kleinkinder die Nahrungsaufnahme über einen Zeitraum von rund einem Monat, dann sprechen Ärzte von einer schweren Ess- oder Futterstörung der Kinder. Darunter leiden zwischen drei und zehn Prozent aller Kinder. Diese Problematik äußert sich in verschiedenen Verhaltensmustern der Babys. Wenn Eltern die folgenden Anzeichen erkennen, ist umgehend ein Kinderarzt zu Rate zu ziehen.

  • Das Kind braucht für jede Mahlzeit sehr viel Zeit (mehr als 30 Minuten)
  • Die Nahrungsaufnahme wird häufig komplett verweigert
  • Das Baby ist sehr heikel und isst nur sehr wenige, ausgewählte Lebensmittel
  • Altersgerechte Nahrung wird vom Kind abgelehnt
  • Eltern haben das Gefühl, dass das Kleinkind einfach keine Lust zum Essen hat
  • Äußerst selten zeigt das Baby Appetit oder meldet sich selbstständig bei Hunger
  • Das Kind würgt das Essen häufig wieder hoch, kaut es wieder und muss sich übergeben
  • Dieses Verhalten dauert bereits seit rund einem Monat an
  • Das Kind nimmt kaum Gewicht zu, oder hat sogar abgenommen
  • Die Nerven der Eltern liegen blank und das Füttern wird zur Belastung

Wie und wann beginnen Essstörungen?

Anzeichen können sich bereits in den ersten sechs Lebensmonaten zeigen. Die Säuglinge können Hunger nicht selbst signalisieren, lassen sich beim Essen leicht ablenken und sind im Alltag rasch ermüdet. Schluckschwierigkeiten, Schlaf- und Schreiprobleme deuten ebenfalls auf eine sogenannte Futterstörung des Babys hin. Ab dem zweiten Lebensjahr beginnen Kleinkinder mit ungesundem Essverhalten, feste oder sogar jegliche Nahrung zu verweigern und essen nur unter Ablenkung beim Spielen oder Herumtollen.

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Einer Essstörung kann vorgebeugt werden Foto: gpointstudio/iStock/Thinkstock

Eltern haben keine Schuld!

Wenn ein Kind nicht anständig essen will und dafür keine körperliche Ursache gefunden werden kann, nehmen die Schuldgefühle bei Eltern immense Auswirkungen an. Der Mutter- und Vaterinstinkt wird geweckt und unweigerlich haben die Eltern das Gefühl zu versagen, worunter sie sehr leiden. Der Expertenrat lautet daher, die Ruhe zu bewahren und geduldig zu bleiben. Reagieren Eltern gestresst, wenn das Kind nicht essen will, überträgt sich dieses Gefühl auf das Kind und das isst in weiterer Folge noch weniger. Die

Wie können Eltern Essproblemen vorbeugen?

  • Bereits während der Schwangerschaft kann das Baby Geschmackserlebnisse sammeln
  • Gemeinsam am Tisch sitzen und essen
  • Egal wie stressig die Esssituation wird, Eltern sollten versuchen die Ruhe zu bewahren!
  • Fixe Essenszeiten
  • Die Eltern bestimmen, wann und wo gegessen wird, Kinder wie viel
  • Kind nicht zum Essen überreden wollen und niemals zum Aufessen zwingen
  • Während der Mahlzeit, Ablenkung vermeiden, denn das Essen soll eine normale Situation sein, in der nicht unnötig Unruhe entstehen soll
  • Den Tisch schön decken und auch die Teller appetitlich anrichten

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Fixe Essenszeiten mit der Familie Foto: monkeybusinessimages/iStock/Thinkstock