Refraktive Chirurgie: nachhaltige Alternative zur Brille oder Linse

Scharf sehen zu können ist der Wunsch vieler Menschen. Auch viele Prominente haben sich einem solchen Verfahren unterzogen, um ihrem Beruf ohne optische Hilfsmittel ungehindert nachgehen zu können. Refraktive Chirurgie liegt im Trend.

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Sehen ohne Brille - dank refraktive Chirurgie Foto: jacoblund/iStock/Thinkstock

Für welchen Patienten bringt die Operation Vorteile? In erster Linie sind es Brillenträger, die - um eine Brille zu vermeiden - Kontaktlinsen versucht haben und mit diesen schlecht zurechtkommen, oder Kontaktlinsenträger, die nach jahrelangem Linsentragen diese nicht mehr gut vertragen. Auch darf nicht vergessen werden, dass starke Brillen bei sehr hoher Sehschwäche keine gute Bildqualität mehr erzeugen. Starke Minusgläser bei hoher Kurzsichtigkeit verursachen neben der Bildverzerrung im Randbereich der Gläser eine beträchtliche Bildverkleinerung, starke Plusgläser bei Weitsichtigkeit eine konzentrische Einschränkung des Gesichtsfeldes. Auch hohe Seitenunterschiede der Refraktion beider Augen lassen sich mit einer Brille nicht zufriedenstellend korrigieren. Die durch eine Brille erzeugten unterschiedlich großen Bilder können nicht zu einem scharfen Bild fusioniert werden. Besteht dann eine Kontaktlinsenunverträglichkeit, bleibt als einziger Weg die refraktive Chirurgie.

Das geschieht bei refraktiver Chirurgie

Die Operationen zur Korrektur von Sehfehlern können entweder an der Hornhaut oder an der Augenlinse durchgeführt werden. Die Hornhaut besitzt eine Brechkraft von ca. 43 Dioptrien, viel mehr als die körpereigene Linse. Kleine Veränderungen an der für die Brechung wirksamen Vorderfläche der Hornhaut haben schon große Wirkung. Zudem ist der Zugang zur Hornhaut einfach. Die refraktive Hornhautchirurgie hat dabei eine lange Tradition. Erste Versuche gab es 1940 durch Sato in Japan. Der russische Augenarzt Fjodorov verfeinerte 30 Jahre später die Methode der radiären Hornhautschnitte. Durch die Schnitte konnte die Form der Hornhautvorderfläche verändert und damit der Sehfehler korrigiert werden. Mitte der 80er Jahre wurde der Excimer-Laser in die Augenchirurgie eingeführt. Mit jedem Laserimpuls in der Dauer einer hundertmillionstel Sekunde wird ein definiertes Gewebestück von 0,25 ym an der Vorderfläche der Hornhaut abgetragen. Damit kann die Form der Vorderfläche Schritt für Schritt sicher und exakt kalkulierbar modelliert werden. Bei der Behandlung der Kurzsichtigkeit wird damit die Vorderflächenkrümmung der Hornhaut abgeflacht, während bei der Weitsichtigkeit durch Lasern in der Peripherie das Zentrum der Hornhaut „aufgesteilt“ wird.

Das bewirkt die Operation

Durch die Verfeinerung der Methodik ist die Anwendung des Excimer-Laser zu einem Standardverfahren in der refraktiven Chirurgie geworden. Die am weitesten verbreitete Methode ist die FEMTO- Lasik. Hier wird nicht wie bei der LASEK an der Vorderfläche gelasert, sondern durch den Femto-Laser zunächst eine oberflächenparallele Hornhautlamelle erzeugt. Diese wird türflügelartig aufgeklappt und nach Modellierung der Hornhaut durch den Excimer-Laser wieder zurückgelegt. Das oberflächliche Epithel bleibt dabei stets vital und intakt. Der Vorteil ist eine weitgehende postoperative Beschwerdefreiheit und eine rasche Rehabilitation der Sehschärfe. Der Eingriff wird ambulant in Tropfbetäubung an beiden Augen durchgeführt und dauert ca. 20 Minuten. Die Grenzen der refraktiven Excimer-Chirurgie liegen bei ca. -8 Dioptrien Kurzsichtigkeit und +4 Dioptrien Weitsichtigkeit.

Patienten zwischen 20 und 45

Liegt ein darüber hinausgehender Sehfehler vor, können refraktive Linsenimplantate ins Auge eingesetzt werden. Bei Patienten im Alter zwischen 20 und 45 Jahren mit elastischer körpereigener Linse und ausreichender Naheinstellung (Akkommodation) kommen additive Linsen zum Einsatz. Die sehr häufig verwendete Linse ist die ICL. Sie wird additiv, d.h. zusätzlich zwischen Pupille und körpereigenen Linse eingesetzt. Die Kollamerlinse ist gut verträglich, die Akkommodation bleibt erhalten und der Eingriff ist durch die Entfernbarkeit der Linse reversibel. Mit dieser Linse ist es möglich eine Kurzsichtigkeit bis -18 Dioptrien zu korrigieren.

Patienten 50+

Im Alter über 50 Jahren bei Verlust einer zum Lesen ausreichenden Akkommodation wird die körpereigenen Linse - ähnlich wie bei einer klassischen Star-Operation - durch ein refraktives Implantat ersetzt. Durch die exakte Auswahl der entsprechenden Linse kann nahezu jeder Sehfehler korrigiert werden. Gerade zur Korrektur der hohen Weitsichtigkeit oder bei höherem Astigmatismus sind diese Linsen sehr gut geeignet. Die Operation selbst ist ein seit Jahrzehnten bewährtes und sicheres Verfahren.

Effekt bei Star-Erkrankungen

Auch bei der klassischen Staroperation, bei der die eingetrübte körpereigene Linse durch ein Implantat ersetzt werden muss, wird vom Patienten immer häufiger die Versorgung mit einer Premiumlinse nachgefragt. Es liegt stark im Trend, bei der Staroperation nicht nur die Sehleistung wiederherzustellen, sondern die Chance zu nützen, den schon lange lästigen Sehfehler auszugleichen.

Lesen ohne Lesebrille

Die Verwendung von multifokalen Premiumlinsen bedeutet nicht nur die Korrektur des Sehfehlers in der Ferne, sondern ermöglicht auch ein Lesen ohne Lesebrille. Der Vorteil dieser multifokalen Linsen: Sie werden immer häufiger auch schon vor der Entwicklung des Grauen Stars als rein refraktives Implantat genutzt.