Erziehungsmythen: Was ist dran an den Warnungen?

Karotten sind gut für die Augen, bei schlechter Haltung bekommt man einen Buckel und wehe, wenn man mit nassen Haaren raus geht, da droht eine Lungenentzündung. Aber stimmen diese Erziehungsmythen wirklich? Wir haben nachgeforscht.

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Stärken Karotten die Sehkraft? Foto: AGrigorjeva/iStock/Thinkstock

Babys schreien lassen?

Wenn Babys schreien, müssen Eltern sie nicht sofort beruhigen, da das Brüllen die Lungen stärkt. Ist das richtig? Die Antwort lautet: Nein. Mütter und Väter müssen nicht sofort aufspringen, wenn das Kind einen Mucks macht, denn in manchen Fällen beruhigt sich das Baby nach wenigen Sekunden von selbst. Wenn es das allerdings nicht tut, sollten Eltern das Kind beruhigen.

Sind Karotten gut für die Augen?

Kann die Sehkraft tatsächlich verbessert werden, wenn Kinder oder auch Erwachsene mehr Karotten essen? Die Antwort lautet: Nein. Der Mythos stammt aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Damals hatten die britischen Kampfflugzeuge sehr gute Radar-Ortungssysteme und konnten so auch in der Dunkelheit deutsche Ziele treffen. Um dies vor den deutschen Streitmächten geheim zu halten, wurde die Behauptung verbreitet, dass britische Soldaten sehr viele Karotten essen und dadurch ihre Sehkraft verbessern würden. Seither hat sich der Glaube verbreitet, dass Karotten gut für die Augen seien.

Bleiben Augen stecken, wenn man schielt?

Auch diese Aussage ist frei erfunden. Der Hintergrund ist ganz einfach: Kinder sollen nicht schielen und deshalb verwenden Eltern diese unschöne und unwahre Konsequenz.

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Die Augen bleiben nicht stecken! Foto: SimplyCreativePhotography/iStock/Thinkstock

Gerade sitzen, sonst wächst ein Buckel!

Diese Warnung stimmt! Schlechte Haltung in der Kindheit kann fatale Konsequenzen nach sich ziehen und im Erwachsenenalter zu starken Rückenschmerzen und sogar einem Buckel führen.

Schadet lesen unter der Bettdecke?

Erwachsene, die heute noch gern bei gedimmtem Licht lesen, können aufatmen, denn dunkles Licht schadet den Augen keineswegs. Auch wenn die Augen manchmal brennen oder schmerzen, wenn bei wenig Licht gelesen wird, ist das lediglich ein Zeichen für eine Anstrengung der Augen und nicht für einen bleibenden Schaden.

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Im Dunkeln lesen, schadet den Augen nicht! Foto: tatyana_tomsickova/iStock/Thinkstock

Nicht mit nassen Haaren raus gehen

Eine Lungenentzündung würde drohen, zumindest aber Grippe oder eine schwere Erkältung - diese Drohungen stoßen Eltern aus, um ihre Kinder davor zu bewahren mit nassen Haaren in die Kälte zu gehen. Tatsächlich sollte das vermieden werden, wenn das Immunsystem bereits geschwächt ist, ansonsten sollte aber nicht geschehen.

Nach dem Essen nicht gleich ins Wasser

Jeder Erwachsene kann sich an diese Regel aus der Kindheit erinnern. Die Sprösslinge sitzen ungeduldig neben dem Beckenrand im Schwimmbad und zählen die Sekunden, bis diese Stunde endlich vorbei und das Essen offiziell verdaut ist, um wieder ins kühle Nass zu springen. Leider müssen wir Ihnen auch hier sagen, dass dieses Warten unnütz war, denn es schadet der Gesundheit der Kinder in keinster Weise, wenn sie satt und zufrieden schwimmen.

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Nach dem Essen eine Stunde nicht ins Wasser? Foto: FamVeld/iSTock/Thinkstock