Spielen mit Sinn: Neue Medien im Kinderzimmer

Elektronik ist nichts für Kinder, sagen die Einen. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen, meinen die anderen und reichen ihrem Kleinkind ein Smartphone zum Spielen. Wer hat recht? Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte.

Mädchen Smartphone
Die Königsfrage in der Erziehung: der Umgang mit dem Smartphone Foto: g-stockstudio/iStock/Thinkstock

Zwei Fünfjährige spielen einträchtig nebeneinander. Konzentriert baut Max eine Mauer aus Lego um seinen Playmobiltiger. Leo tippt ganz versunken auf einem iPad herum. Ist einer der beiden Burschen benachteiligt? Droht Leo etwa die digitale Demenz? Oder wird Max der unbefangene Umgang mit neuen Medien verwerht? Eltern ziehen heute die erste Generation von "digital natives" heran, Eingeborene des Stammes Digital. Welche Medien und in welchem Umfang sie ihre Kinder nutzen lassen, ist für Familien zu einer der wichtigsten Erziehungsfragen geworden. 

Die Dummen von morgen 

Natürlich mischen sich Experten ein. Der Ulmer Hirnforscher Manfred Spitzer etwa vertritt die Meinung, der Gebrauch digitaler medien im Kindesalter beeinträchtigt die Denkfähigkeit. Gibt es klare Regeln für den Umgang mit Computer, Konsole und Co., spricht nichts gegen deren Verwendung, sagt dagegen die Wiener Kinderpsychologin Sabine Kainz. "Der Umgang mit elektronischen medien ist für unsere Kinder zweifelsohne wichtig und gut, aber alles zu seiner Zeit und nicht vor dem Vorschulalter." Und dann nicht länger als eine halbe Stunde Bildschirmzeit pro Tag. Für ein dreijähriges Kind seien die Zusammenhänge am iPad oder der Spielekonsole noch gar nicht nachvollziebar. Altersadäquat spielen lässt es sich dagegen mit Puppen, Kaufmannsladen oder beim Verkleiden. Sabine Kainz: "Durch das Spiel entdecken Kinder ihre Umwelt, sie lernen und erkennen Zusammenhänge, sie ´begreifen´ Ursache und Wirkung."

Lernmaschine Kind 

Das "altmodische" Spiel unterstützt die Persönlichkeitsentwicklung, weil es dabei seinen Gefühlen und Befürnissen Ausdruck geben kann. "Viele unterschiedliche Entwicklungsbereiche werden beim Spielen trainiert", sagt die Psychologin. "Das Kind lernt Farben, Geschmack, fein- und grobmotorische Fähigkeiten, Sehen, Raum-Lage-Orientierung." Ganz klar, dass elektronische Medien da nicht mithalten können. Sie dürfen ein Kinderleben begleiten, sollten aber nicht die Hauptrolle darin spielen. Und: Eltern müssen sich informieren, um geeignete Spiele und Apps ausfindig zu machen, z.B. auf Auszeichnungen wie den Deutschen Computerspielpreis oder die GIGA Maus achten. 

Das perfekte Spielzeug 

Ein weiterer Faktor liegt der Expertin sehr am Herzen, die Zeit. "Kinder sollten Zeit haben, um zu spielen. Sie sollten sich auch alleine beschäftigen können - und sie sollten die Möglichkeit haben, sich ein - bis zweimal pro Woche auszutoben, etwa beim Kinderturnen." Und welches ist nun das perfekte Spielzeug, quer durch alle Altersklassen? Sabine Kainz: "Mama und Papa."