Allergien bei Kindern: Früh erkennen und behandeln

Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Nahrungsmittel und Insektengift: Immer mehr Kinder in Österreich leiden an schmerzhaften und gefährlichen Allergien. Wie Eltern die Symptome erkennen und was sie dagegen tun können, lesen Sie hier.

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Immer mehr Kinder leiden unter Allergien Foto: Irina_Geo/iStock/Thinkstock

Ein Viertel aller Kinder in Österreich weiß bereits wie sich allergische Reaktionen am eigenen Körper anfühlen. Während Augen und Nase zu jucken, oder der Bauch zu schmerzen beginnt, findet im Abwehrsystem eine Überreaktion auf bestimmte als gefährlich eingestufte Stoffe der Umwelt statt. Um sich zu schützen, bildet das Immunsystem sofort Antikörper und erzeugt dabei eine allergische Sofortwirkung, die die betroffenen Kinder als unangenehme Allergie-Symptome wahrnehmen.

Warum bekommen Kinder Allergien?

Kinder können aus verschiedenen Gründen an Allergien erkranken. Eine sehr häufige Ursache ist die genetische Veranlagung. Wenn beide Elternteile unter Heuschnupfen leiden, hat das Kind ein 80-prozentiges Risiko ebenfalls eine Allergien zu bekommen. Wenn nur ein Elternteil mit einer Allergie zu kämpfen hat, besteht immer noch ein Risiko von 30 Prozent, dass auch das Kind irgendwann darunter leiden wird. Allerdings zeigen Untersuchungen, dass Allergien in 15 Prozent der Fälle auch ohne genetische Vorbelastung auftreten. Die sogenannte Hygiene-These versucht diese Tatsache zu erklären indem sie die Umwelt untersucht, in der die Kinder aufwachsen. Demnach sind Kinder heutzutage mit relativ wenig Viren und Bakterien in Berührung. Durch diese keimarme Umgebung werden Kinder zwar seltener krank, können aber auch kein starkes Immunsystem aufbauen. Studien zeigen, dass Kleinkinder, die im ersten Lebensjahr häufig an Atemwegsinfekten erkrankt sind, später seltener Asthma bekommen. Eine Untersuchung in England zeigt außerdem, dass Kinder, die am Bauernhof aufgewachsen sind, halb so selten an Asthma erkrankt sind, als die anderen Kinder, die in demselben Dorf aufgewachsen sind.

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Wenn ein Elternteil eine Allergie hat, steigt das Risiko der Kinder um 30 Prozent Foto: Photodjo/iStock/Thinkstock

Wie erkennen Eltern allergische Symptome?

Alle Erkennungsmerkmale einer Allergie sind körperlich. Brennende oder geschwollene Augen, eine rinnende Nase, anfallartiges Husten, Pfeifatmung oder sogar Atemnot, Hautprobleme wie Nesselausschlag, Rötungen in Verbindung mit Hitzegefühl, Juckreiz oder Neurodermitis sind äußere Anzeichen einer Allergie. Durchfall und Bauchschmerzen, die auch kolikartig auftreten können, sind innere Schmerzen und weisen auf Probleme im Magen und Darmtrakt hin. Prinzipiell sind allergische Reaktionen bei Kindern etwas schwieriger festzustellen, als bei Erwachsenen, da sie sich schneller verändern können. Hilfreich ist die Vorgeschichte der Familie zu erforschen, eventuell hat die Großmutter oder der Onkel ebenfalls eine Allergie und kennt die Symptome? Außerdem können die Situationen in denen allergische Reaktionen stattgefunden haben analysiert werden. War das Kind beispielsweise in Berührung mit einer Katze , bevor der Asthma-Anfall eingesetzt hat? Ab dem dritten Lebensjahr, in Einzelfällen auch früher, können medizinische Untersuchungen durchgeführt werden, die den Eltern Klarheit veschaffen.

Heuschnupfen vs Erkältung

Auf den ersten Blick ist es gar nicht einfach, Heuschnupfen von normalem Schnupfen zu unterscheiden. Ein erstes Indiz, das gegen eine normale Erkältung spricht, ist, dass Kopfschmerzen oder das unangenehme Kratzen im Hals ausbleiben. Ein weiteres Zeichen ist das Aussehen und die Konsistenz des Sekrets, das die Nase blockiert. Bei einer Verkühlung handelt es sich um gelbgrünlichen Schleim und bei Heuschnupfen ist er eher wässrig und flüssig. Eine Erkältung sollte außerdem nach gut einer Woche wieder abklingen, wenn die Nase aber nach sieben bis zehn Tagen immer noch zu ist, könnte eine Allergie dahinter stecken. Wenn der Schnupfen außerdem zu einer Zeit einsetzt, in der Gräser und Pollen zu blühen beginnen, ist das ebenfalls auffällig. Ein Irrtum ist übrigens, dass Pollenallergien bei Regen nicht zu spüren sind, denn je nach Regenguss werden die Pollen aufgewirbelt und verteilt. Bei Hausstaubmilbenallergien äußern sich die Symptome vor allem am Morgen mit sehr starkem Schnupfen und häufigem Niesen. Wenn diese Beschwerden im Laufe des Tages weniger werden, könnte ebenfalls eine Allergie bestehen. Ein Beschwerdetagebuch kann hilfreich sein, um die Ursache schneller zu erforschen.

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Heuschnupfen oder Erkältung? Foto: grinvalds/iStock/Thinkstock

Vorbeugung

Ob gegen Allergien tatsächlich präventiv Maßnahmen ergriffen werden können, ist nicht klar nachgewiesen. Es gibt allerdings einige Dinge, die Allergien fördern. Während der Schwangerschaft und im Säuglingsalter sollten Mütter nicht rauchen und auch passiver Rauch ist zu vermeiden. Ausgewogene Ernährung wärend der Schwangerschaft und Stillzeit ist wichtig, wobei hochallergene Lebensmittel wie Fisch, Ei, Kuhmilch und Nüsse bis zum ersten Lebensjahr vermieden werden sollten. Wissenschaftliche Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass Muttermilch oder hypoallergene Babynahrung bis zum sechsten Lebensmonat vor Allergien schützen kann.

Therapie

Um Allergien wirksam zu bekämpfen, werden Therapien meist in drei Schritten durchgeführt. Erstens wird den Patienten empfohlen die auslösenden Stoffe so gut es geht zu meiden. Das ist relativ leicht umzusetzen, wenn es sich um Allergien gegen Tierhaare, Medikamente oder Nahrungsmittel handelt. Bei Heuschnupfen, Insektengift- oder Hausstaubmilbenallergien muss mehr Aufwand betrieben werden, um den ungeliebten Stoffen zu entkommen. Konkrete Tipps bei Heuschnupfen: Pollengitter an den Fenstern rund um das Haus und auch am Auto anzubringen, die Wäsche nie an der frischen Luft trocknen lassen, häufiges Haarewaschen und auch nach Regengüssen vorsichtig sein, da diese den Blütenstaub aufwirbeln. Bei Hausstaubmilbenallergien müssen Teppiche sofort aus dem Haus geschafft werden und der Staubsauber mit Wasserfilter versehen werden; auch das Bett muss entweder duch ein Wasserbett ausgetauscht oder einer Tiefenreinigung mittels Spezialstaubsauger unterzogen werden. Stofftiere sollten außerdem alle paar Tage für einige Stunden ins Gefrierfach, da die lästigen Milben in der Kälte nicht überleben können. In den weiteren Therapie-Schritten werden antiallergische Medikamente verordnet. Um einer Verschlechterung vorzubeugen, empfehlen viele Ärzte eine spezifische Immuntherapie.

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Allergie-Auslöser meiden Foto: AkilinaWinner/iStock/Thinkstock

Erste Hilfe in Notsituationen

Die heftigste allergische Reaktion ist der sogenannte anaphylaktische Schock. Dabei setzt der Körper eine Überdosis Histamin frei, was zu einer Erweiterung der Gefäße führt und schwerwiegende Folgen auf den Körper haben kann. Die meist sehr intensiven Anzeichen sind Übelkeit, Erbrechen, Kältegefühl, Atemnot oder pfeifende Atmung, Schwindel, Herzklopfen- oder sogar Herzrasen und Kreislaufversagen. Vor allem ein Bienen- oder auch Wepsen und Hornissenstich, die Einnahme bestimmter Medikamente, oder verschiedene Nahrungsmittel wie Meeresfrüchte, oder Nüsse können diese heftige Reaktion auslösen. In dieser Situation sollte sofort der Notarzt verständigt werden. Eltern sollten versuchen, das Kind zu beruhigen und es keinesfalls alleine lassen. Am besten ist: Das Kind legt sich auf den Boden und lagert die Füße hoch. Wenn Atemnot besteht, muss auch der Oberkörper hochgelagert werden. Sind bereits verordnete Medikamente für das Kind vorhanden, können diese nach Anweisung des Arztes eingenommen werden.

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