08. 10. 2016 Schauspielhaus, Graz

Schauspielhaus Graz: Die Neigung des Peter Rosegger

Eine Kleinstadt in der österreichischen Provinz ist in Aufruhr. Die Statue des Heimatdichters Peter Rosegger, das Prunkstück der Gemeinde, neigt sich neuerdings immer mehr seitwärts.

Kopie von ROSEGGER Franz Xaver Zach (c) Lupi Spuma_0er 013.jpg
Foto: Lupi Spuma
ROSEGGER Franz Xaver Zach (c) Lupi Spuma_0er 013.jpg
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Eine Kleinstadt in der österreichischen Provinz ist in Aufruhr. Die Statue des Heimatdichters Peter Rosegger, das Prunkstück der Gemeinde, neigt sich neuerdings immer mehr seitwärts. Erst wird die Schieflage gar nicht erkannt. Vorzeigebürger Wiesinger, Leiter eines seit Generationen bestehenden erfolgreichen Familienbetriebes und großzügiger Förderer der Gemeinde, redet von landläufiger Paranoia und versucht auch die Bürgermeisterin zu beruhigen, die die Angelegenheit begutachten lassen will. Keinesfalls will er durch die vermeintliche Neigung der Statue die geplanten Feierlichkeiten gefährdet sehen: Eine Delegation der UNESCO wird erwartet, die den alten Stadtkern zum Weltkulturerbe erklären möchte. Doch ein entsandter Seismologe hat bereits mit seinen Nachforschungen begonnen. Vielleicht ist eine Verschiebung der Eurasischen Platte die Ursache mit der möglichen Konsequenz, dass hier – mitten in der Steiermark – einer der neuen Gräben entstehen könnte. Noch will man dem nicht so richtig Glauben schenken, schnell wird der eingeknickte Rosegger wieder gerade gerückt. Doch der nächste Morgen bringt einen neuerlichen Rechtsruck und nun lässt es sich nicht mehr verbergen: Irgendetwas liegt im Argen und der Wiesinger steckt mittendrin …

Wie kaum ein anderer österreichischer Dichter hat Peter Rosegger in seinem Werk der bäuerlichen Lebenswelt – dem einfachen Leben auf dem Land – ein literarisches Denkmal gesetzt und damit ein Bild von Heimat geschaffen, das bis heute nachwirkt. Eine Heimat, die Vertrautheit und Aufgehobensein vermittelt, die es zu schützen galt gegen Bedrohungen von außen, was auch Roseggers spätere Vereinnahmung durch den Nationalsozialismus begünstigte.

Doch wo genau liegt die Grenze zwischen legitimer Sehnsucht nach einem „Daheim“ und der Angst vor dessen Verlust einerseits und Nationalismus respektive rechter Gesinnung andererseits? Fast 100 Jahre nach Roseggers Tod spürt der junge oberösterreichische Dramatiker Thomas Arzt auf der Folie des ehemaligen „Waldbauernbubs“ eben dieser Frage nach und erzählt in diesem eigens für das Schauspielhaus Graz geschriebenen Stück feinfühlig und auf sehr humorvolle Weise davon, wie verloren man sein kann in der eigenen Heimat.

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