So erfolgreich sind Österreichs Winzer im Ausland

Von Enns nach Kalifornien, von Bad Ischl nach Malaga, von Stein an der Donau nach Australien: Drei Spezialisten im Weinanbau und Vertrieb sind erfolgreich in der großen weiten Welt angekommen.

Winzer
Österreichische Weine sind weltweit gefragt Foto: flyparade/iStock/Thinkstock

Alle sieben Sachen packen und ganz woanders nochmal von vorne anfangen? Das wünschen sich vielleicht viele, aber trauen sich nur wenige. Die österreichischen Winzer Manfred Krankl, Martin Kieninger und Bert Salomon suchten ihr Glück im Ausland und fanden es in Kalifornien, Spanien und Australien.

Über den Tellerrand geschaut

Im Urlaub lernt man ein Land von seiner romantischen Seite kennen. So kommt es dazu, dass sich österreichische Winemaker wie zum Beispiel Bert Salomon vom Weingut Salomon Undhof in ein Weinbaugebiet verlieben und sich dort (zeitweise) niederlassen. Bei Winzer Martin Kieninger war auch die Liebe der Grund zum Auswandern, allerdings die Liebe zu seiner aus Granada stammenden Ehefrau Ana Montenegro. Der war es schlicht und einfach zu kalt in Österreich. So zog es die vierköpfige Familie nach Spanien, genauer Malaga, wo Kieninger die Ecobodega Kieninger gründete. Manfred Krankl tanzt in dieser Auflistung etwas aus der Reihe, denn der Freigeist und gelernte Koch wanderte schon 1980 nach Kalifornien aus, um dort ein Restaurant zu betreiben. Seit 2001 produziert er auf seinem Weingut Sine Qua Non im Napa Valley bei Weinkennern heiß begehrte Weine. Um die Herkunft seiner Rebstöcke macht Krankl ein Geheimnis. Von Kieninger und Salomon weiß man dagegen: Ihre Weinstöcke stammen aus Österreich.

Qualitätswein geht um die Welt

Was aber ist es, das den Wein aus Österreich so besonders macht? Hierzulande haben Rebkunde und Rebzüchtung eine lange Tradition. Sie wird vom Lehr- und Forschungszentrum der HBLA für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg getragen. In der Genetik vieler Sorten tauchen immer wieder Traminer und Heunisch als Eltern auf. Der Traminer ist eine der ältesten europäischen Sorten. Das heißt aber nicht, dass er nur in Europa gute Bedingungen vorfindet.

Von Kalifornien bis Australien

So weist das Napa Valley in Kalifornien ein hervorragendes Klima für Wein auf. Es ist relativ kühl, von Weißwein und Pinot Noir bis zu Cabernet, Zinfandel und Petite Sirah finden alle Rebsorten ideale Bedingungen. Auf einer Größe von 16.300 Hektar kann es keine einheitlichen Voraussetzungen geben und somit auch nicht einen Napa-Stil. Anders ist das in Malaga, Provinz, Hauptstadt und Weinbau-Unterregion von Andalusien. Der Name ist Synonym für die in dieser Region an der Costa del Sol hergestellten speziellen Weine und dementsprechend geschützt. Neben dem berühmten Dessertwein Malaga werden in der Region auch trockene Weißweine, Rotweine und Rosés gekeltert, die unter der Bezeichnung Sierras de Malaga auf den Markt kommen. Australien wiederum verfügt über eine riesige Landfläche, so dass das Klima sehr unterschiedlich ist, von kühl bis trocken. Das Besondere auf dem Kontinent: Ist auf dem Etikett eine Herkunftsregion angegeben, muss der Wein zumindest zu 85 Prozent aus dieser Region stammen.

1. Manfred Krankl (Kalifornien)

gehört in den USA zu den Star-Winzern. Zu seinen Fans zählt z. B. David Beckham, der sich gern einen "Sine Qua Non" zum Steak gönnt.

Ihre Weine werden von Kriti­kern und Testern oft als Inno­vationen bezeichnet. Was bedeutet Innovation für Sie?

Krankl: Natürlich bedeutet Innovation wörtlich genommen einfach nur, etwas Neues zu machen. Für mich ist es die Fähigkeit, eher die Notwendigkeit frei zu denken, ohne von vorgefertigten Ideen beeinflusst zu werden. Es ist die Verschmelzung von der eigenen Vorstellungskraft mit Intelligenz, um kreativ zu werden. Und Kreativität entsteht, wenn Intelligenz Spaß hat. So kommen neue Ideen von ganz alleine.

Gibt es einen besonderen Grund, warum Sie für jeden Wein einen neuen Namen und ein neues Label kreieren?

Krankl: Da gibt es mehrere Gründe. Erstens bin ich gerne kreativ, meine Zeichnungen sind dafür ein Ventil. Zweitens ist jeder Wein jedes Jahr anders – egal, was man tut. Das ist das Schöne am Wein, und so will ich jedem Wein auch seinen eigenen Auftritt geben. Und drittens sind unsere Weine komplett bei uns produziert, und da machte es einfach Sinn, auch das Label bei uns zu fertigen. Letztendlich langweile ich mich aber sehr schnell.

2. Dr. Bert Salomon (Australien)

Salomon-Weine werden von Dr. Bert Salomon und seiner Frau Mag. Gertrud Salomon in Niederösterreich und in Australien als "Salomon & Andrew" produziert.

Woher kommt der Bezug des Weinguts Salomon von Niederösterreich nach Australien?

Salomon: Mein Mann hat vor beinahe 30 Jahren in seiner Funktion als Vorstand der Schlumberger AG erstmals australische Weine nach Österreich importiert. Dies hat eine erste Verbindung zu Australien gebracht und eine besondere Wertschätzung für dessen Weine. Die Liebe für das Land entfacht hat dann unsere gemeinsame Familienreise. Noch in Australien haben mein Mann und ich den Entschluss gefasst, hier ein Weingut aufzubauen. 1995 kauften wir 50 Hektar hügeliges Land im Finniss River Tal und bepflanzten 15 Hektar mit österreichischen Weinreben. Die erste Ernte aus dieser einzigartigen Region brachten wir 1998 ein.

Wie funktioniert die Produktion im Ausland? Muss man da häufig vor Ort sein und mitentscheiden oder haben Sie ein Team vor Ort, dem Sie zu 100 Prozent vertrauen können?

Salomon: Seit der Übernahme des Weinguts Salomon Undhof in Stein an der Donau im Jahr 2002 verbinden wir sozusagen die alte Welt mit der neuen. Den Großteil des Jahres verbringen wir in Österreich, in der Zeit von Mitte Jänner bis Mitte April verlagert sich das Leben nach Australien – ein Vierteljahr also. In diese Zeit fällt auch jene vor und während der australischen Ernte. Natürlich brauchen wir dennoch verlässliche Hilfe. Diese Zeit nehmen wir uns, um ein Gefühl für die Reben und die richtige Erntezeit und Weinbereitung zu finden. Unser Winemaker Farmilo ist seit Beginn unsere wichtigste Stütze. Heute steht ihm Winemaker Simon White zur Seite, der auch die Verantwortung im Weingarten trägt.

3. Martin Kieninger (Malaga)

wagte den Schritt und wechselte nicht nur von der Bau- in die Weinbranche – er zog von Oberösterreich nach Malaga.

Wie kommt man von der Architektur zu den Rebstöcken?

Kieninger: Meine Vorfahren mütterlicherseits waren über Generationen eigenständige Landwirte in Wels, von daher stammt auch meine Liebe zur Natur und auch zum Weinbau.

Und was zieht einen Oberösterreicher aus Bad Ischl nach Ronda in Malaga? Nur das Wetter alleine?

Kieninger: Das Wetter hat schon auch eine Rolle gespielt. Nach acht Jahren in Österreich war es meiner aus Granada stammenden Ehefrau einfach zu kalt. Bei einer Rundreise stießen wir zufällig auf das Grundstück bei Ronda. Aus dem Hobby mit ein paar Behältern und einer kleinen Presse im Keller wurde dann ein Vollzeit-Job. 2000 habe ich begonnen, österreichische Rebstöcke zu importieren. Erst einmal 50 und dann wurden schnell mehrere Tausend daraus.

Zu den Rebstöcken: der Großteil ist aus Österreich, aber welche bauen Sie noch an?

Kieninger: Die aus Österreich importierten Rebsorten wachsen jetzt neben autochthonen Sorten wie der alten in Westandalusien vor der Vergessenheit geretteten Rota Tintilla, Garnacha Tinta und Klassikern wie Cabernet Sauvignon, Merlot oder Pinot Noir. Zweigelt- und Blau fränkisch-Trauben erreichen hier in Südspanien mit doppelt so vielen Sonnenstunden wie in Österreich ihren idealen Reifegrad. Meine Weine reifen außerdem in einem typischösterreichischen Steingewölbekeller. Dieser hält ganzjährig konstante und niedrige Temperaturen. Das mindert praktischerweise auch die Energiekosten für die Produktion.

Ihr Weingut wird auch als Ecobodega bezeichnet. Was kann man sich darunter vorstellen?

Kieninger: Unsere Philosophie: die bestmögliche Weinqualität unter Einhaltung von biologischen und auch biodynamischen Grundsätzen. Die Arbeiten im Weinberg als auch in der Bodega werden nach ökologischen Kriterien durchgeführt. Wir tragen auch das Gütesiegel vom ökologischen Prüfinstitut CAAE (Comite de la Agricultura Ecológica en Andalucía). Der ökologische und natürliche Ausbau des Weins bewirkt eine hohe Graduierung an Antioxydanten und Nährstoffen, frei von Giftsubstanzen wie Pestiziden und Insektiziden.