Wo das Christkind herkommt – hätten Sie's gewusst?

Alle Jahre wieder kommt das Christkind – oder der Weihnachtsmann? Zur Weihnachtszeit gibt es viele verschiedene Bräuche und Traditionen, die oft einen überraschenden Ursprung haben.

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Christkind oder Weihnachtsmann? Foto: Demidenko/iStock/Thinkstock

Wieso stellen wir für den Nikolaus einen Stiefel bereit und schmücken einen Weihnachtsbaum? Bestimmte Traditionen pflegen wir, ohne zu wissen, woher sie überhaupt kommen. Höchste Zeit, einige spannende Fakten rund um Weihnachten zu erfahren und mit einigen hartnäckigen Mythen aufzuräumen. Eines gleich vorweg: Coca-Cola hat den Weihnachtsmann nicht erfunden. 

1. Weihnachten gibt es erst seit dem Christentum

Der Tag des 25. Dezember wurde schon weit vor Verbreitung des Christentums von vielen Kulturen im Rahmen der Wintersonnenwende zelebriert und gefeiert. In Indien wurde an diesem Tag die Geburt des indischen Lichtgottes gefeiert, im alten Rom der Gott Saturn geehrt und die Germanen begingen das Mitwinterfest. Mit dem Aufkommen des Christentums versuchte man dann allerdings, all diese unterschiedlichen Bräuche auszumerzen, weswegen das christliche Weihnachten auf diesen Tag gelegt wurde – ab jetzt sollten alle Völker an diesem Tag nur noch Christi Geburt feiern.

2. Der Weihnachtsbaum

In Österreich wurde erstmals 1816 ein Weihnachtsbaum aufgestellt - und zwar von der Gattin von Erzherzog Karl. Ursprünglich stammte sie aus dem Rheinland und hat diesen dort üblichen Brauch auch in Österreich eingeführt. 

3. Das Christkind gibt's nicht wirklich

Wir wissen sogar, wer es erfunden hat: Martin Luther zeichnet dafür verantwortlich. Vor dem Christkind wurde der heilige Nikolaus verehrt. Der Protestantismus lehnte aber eine Verherrlichung von personifizierten Heiligen ab. Aus diesem Grund führte Luther das abstraktere Christkind ein. Allerdings hat er es sich wohl nicht, wie heutzutage üblich, mit goldenen Löckchen vorgestellt, sondern als eine Art Geist Christi. Das Konzept des Christkinds war aber ein solcher Erfolg, dass nicht nur Protestanten, sondern auch immer mehr Katholiken an Heiligabend auf das Christkind warteten, und der heilige Nikolaus in den Hintergrund gedrängt wurde. 

4. Hat Coca-Cola den Weihnachtsmann erfunden?

Nein! Oft wird dem Konzern nachgesagt, verantwortlich für die Erfindung des Weihnachtsmannes zu sein. Das stimmt aber nicht, der Weihnachtsmann hat seinen Ursprung nämlich in Europa. In Skandinavien beispielsweise gab es bereits lange Zeit die Gestalt eines bärtigen Mannes mit Kapuze und Pelz bekleidet, der den Menschen Nüsse brachte – und mit einem Schlitten unterwegs war. In Russland gibt es als Pendant dazu Väterchen Frost und in Mitteleuropa den heiligen Nikolaus als Gabenbringer. Was hat aber Coca-Cola nun mit dem Weihnachtsmann zu tun? Niederländische Auswanderer brachten den bei ihnen "Sinterklaas" genannten Herrn mit nach Amerika. In den 1930er-Jahren inspirierte dieser Brauch einen jungen Grafiker - beauftragt von Coca-Cola - zu dem rundlichen und sympathischen Weihnachtsmann, den heute jedes Kind kennt. 

5. Ein Kuss unter dem Mistelzweig

Die Mistel, eigentlich ein Parasit, der andere Bäume befällt, zeichnet sich durch ihre Robustheit und immergrüne Farbe aus – so eine Liebe wünscht sich wohl jeder! Paare, die sich unter einem Mistelzweig küssen, bleiben ein Leben lang zusammen, besagt der Brauch. Auch bei den Druiden, man denke nur mal an Miraculix, waren Misteln heilige Pflanzen. Woher genau aber der Brauch des Küssens kommt, ist leider nicht genau bekannt. Er könnte auf eine Legende rund um die Liebesgöttin Frigga zurückgehen: Da sie ihren geliebten Sohn wieder von den Toten zurückholen konnte, stand sie vor lauter Freude unter einem Mistelzweig und küsste jeden, der daran vorbeiging. Im sittsamen England wurde der Brauch, sich unter einem Mistelzweig küssen zu dürfen, dann populär – immerhin war dies eine der seltenen Gelegenheiten, wo man dies ungestraft tun konnte. 

5. Gerhard sei Dank

Dank dem kleinen Bengel haben wir einen Adventskalender. Denn der Kleine quälte seine Mutter mit der Frage, wann denn nun Weihnachten sei. So kam ihr die Idee, Weihnachtskekse in 24 Schächtelchen zu packen und dem kleinen Gerhard jeden Tag eines zu geben. Dieser kam dann als Erwachsener auf die Idee, Adventskalender professionell zu drucken.

6. Ein Stiefel für den Nikolaus

Der Brauch, dem Nikolaus einen Stiefel hinzustellen und zu hoffen, dass dieser am nächsten Tag prall gefüllt sein wird, beruht auf einer Legende. Der heilige Nikolaus soll drei armen Schwestern eine ehrenvolle Heirat ermöglicht haben, indem er ihnen eine Mitgift in Form von Gold zukommen ließ. Dieses warf er durch den Kamin – und es verfingen sich in den dort zum Trocknen aufgehängten Socken. Deswegen stellen wir auch noch heute Socken oder eben Stiefel für den Nikolaus bereit – und über Gold würden wir uns natürlich alle freuen. 

7. Wieso eigentlich Geschenke?

Auch darauf hatte der Pro­tes­tan­tis­mus seinen Einfluss. Früher bekamen die Burschen am 6. Dezember, dem Tag des Heiligen Nikolaus, und Mädchen am 13. Dezember, dem Tag der heiligen Lucia, Geschenke. Da dies dem Protestantismus aber eine zu starke Heiligenverehrung war, gab es am Nikolaustag keine Geschenke, sondern erst am 24. oder 25. Dezember. Erst nach 1900 jedoch setzte es sich allmählich durch, dass es Geschenke für die Kinder erst zu Heiligabend gab. Mittlerweile bekommen aber nicht nur Kinder Weihnachtsgeschenke, sondern auch wir Erwachsenen.