Warum Verzeihen so gesund ist

Wer vergibt, lässt los. Das ist aber manchmal gar nicht so einfach, oftmals erfordert Verzeihen wahre Größe. Wer es aber schafft, tut vor allem sich selbst und seiner Gesundheit etwas Gutes.

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Ich verzeihe dir – und mir Foto: guruXOOX/iStock/Thinkstock

Wut, Rachegedanken und Ärger schlagen auf den Magen. Wem Unrecht widerfahren ist, der leidet oft doppelt: Zum einen belastet die ursprüngliche Verletzung, zum anderen quält man sich selbst mit heftigen Rachegedanken und aufgestauter Wut. Dies wirkt sich auch negativ auf die körperliche Gesundheit aus. Gegen das Leid, das einem angetan wurde, kann man nichts mehr machen, wohl aber gegen seine eigenen negativen Gedanken. Das Zauberwort hierbei heißt Vergebung. Auch wenn es oft schwer fällt, wer es schafft zu verzeihen, tut vor allem sich selbst etwas Gutes.

Entscheidungs- und emotionsbasierte Vergebung

In der Psychologie unterscheidet man zwei Arten der Vergebung: Die rational getroffene entscheidungsbasierte Vergebung, bei der mit logischen Argumenten das Für und Wider abgewogen wird, und die emotionsbasierte Vergebung, bei der man dem anderen wirklich mit ganzem Herzen verziehen hat. Oft geht der emotionsbasierten Vergebung die rationale voraus: Nach langem Zaudern ringt man sich dazu durch, dem anderen zu verzeihen. Mit der Zeit können dann die nun eher neutralen Gefühle wieder positiver werden und man kann dem anderen wieder offen und aufrichtig Zuneigung schenken. Und das erfreut nicht nur unseren Partner oder wer auch immer uns verletzt hat, sondern am meisten uns selbst. Wer aufrichtig verzeiht, kann stolz auf sich sein und kommt in den Genuss von vielen Vorteilen.

Verzeihen ist gesund

Wer verzeihen kann, der kann befreien – und zwar sich selbst. Das negative Gedankenkarussell nimmt endlich ein Ende und die Belastung durch die erlittene Kränkung wiegt plötzlich nur noch halb so viel. Die Auswirkungen auf die Psyche sind eigentlich offensichtlich, doch auch körperlich wirkt sich Vergebung so merklich aus, dass man die Effekte in Studien nachweisen konnte.

Körperliche Auswirkungen 

Wer verzeiht, der reduziert das eigene Stressempfinden, damit einhergehend werden auch Rückenschmerzen gemindert. Da negative Gedanken bekanntlich auf den Magen schlagen, nimmt auch das Wohlbefinden im Bauch wieder zu und der Schlaf wird besser und erholsamer – schließlich ist die Nacht zum Schlafen und nicht zum Rachepläne schmieden da! Ebenso sinkt der Blutdruck und – gute Neuigkeit – das Körpergewicht! Vielleicht weil man nun wieder Besseres zu tun hat, als sich dem Frustessen zu widmen. Angst und Depressionen werden ebenfalls gemindert, da anstatt Misstrauen und Missgunst wieder das Gefühl des Vertrauens Einzug in das eigene Denken halten kann. So ebnet man auch den Weg für einen Neuanfang, in dem die ursprüngliche Verletzung keinen Raum mehr einnimmt.

Sich selbst vergeben

Verzeihen bedeutet nicht, das Geschehene zu vergessen. Im Gegenteil, Verdrängung würde der eigenen Gesundheit gar nicht guttun. Vergeben bedeutet vielmehr einzusehen, dass wir alle nur Menschen und nicht frei von Fehlern sind. Wer seinen Blick aber nur auf die Fehler richtet, wird im Leben nicht viel Freude erfahren. Da ist es doch viel besser, sich auf das Gute zu besinnen. Aber um anderen verzeihen zu können, muss man in erster Linie einmal sich selbst vergeben können. Nur wer sich selbst kleine und auch mal große Ausrutscher wohlmeinend vergibt und bei all dem Negativen nie seine guten Eigenschaften vergisst, kann auch anderen Menschen aufrichtig verzeihen. Denn nur so erfährt man: Kein Mensch ist nur gut oder nur schlecht, sondern ein jeder von uns trägt beide Seiten in sich.