„Vor 50.000 spiele ich sogar umsonst“ – Donis Avdijaj im Interview

Im Weekend-Interview spricht Sturm-Spielmacher Donis Avdijaj über die laufende Meisterschaft, die österreichische Liga, seine Beziehung zu Franco Foda und die aktuelle Flüchtlingsproblematik.

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Dein letztes Interview sorgte in den sozialen Medien gewaltig für Aufsehen. Schaffen wir das heute auch?

Donis Avdijaj: Kommt auf meine Antworten an.

Ist der Showfaktor, den extrovertierte Spieler mitbringen, wichtig für den Sport?

Donis Avdijaj: Ich denke, dass man die Bodenhaftung behalten muss. Als Fußballer wird einem immer gesagt, dass man nicht arrogant und extrovertiert sein darf. Ich möchte aber genauso leben wie jeder andere auch – privat und auf dem Rasen. Vielleicht gilt so ein Verhalten heute schon als extrovertiert. Ein Spieler wie Lionel Messi ist sportlich gesehen sicher der Beste, aber abseits des Rasen einfach zu glatt.

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Wer zu direkt ist, wird oft missverstanden …

Donis Avdijaj: Warum sollte man im Fußball nicht seine Meinung offen aussprechen dürfen? Viele kommen einfach mit meiner Ehrlichkeit nicht klar. Ich bin zu jedem offen und ehrlich. Das muss belohnt, nicht bestraft werden.

Hatte dein Wechsel zu Sturm auch mit deiner „ehrlichen Art“ zu tun? Anders gefragt: Hatte er disziplinäre Gründe?

Donis Avdijaj: Ich denke nicht. Zu meiner Zeit auf Schalke war es einfach schwieriger, mich gegen die Stars durchzusetzen und meinen Platz zu finden. Darum habe ich mich dafür entschieden, zu einem Verein zu wechseln, bei dem ich auch spielen kann.

Interview Avdijaj
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Für dich läuft es bei Sturm ja ganz gut. Wie erklärst du dir die sportliche Achterbahnfahrt der Mannschaft in dieser Saison?

Donis Avdijaj: Die Chancenauswertung ist sicher ein Problem: Wir haben zwar die meisten Torchancen kreiert, aber nicht die meisten Tore geschossen. Außerdem waren bei allen Niederlagen große Fehler dabei, die uns in Rückstand gebracht haben. Wir haben es uns selbst schwer gemacht. Wenn wir das abstellen können, geht es sicher nach oben. Natürlich gibt es Mannschaften in der Liga, die mehr individuelle Klasse haben als Sturm. Aber auch gegen diese Mannschaften können wir gewinnen.

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Auf dem Platz sieht man dich oft im Gespräch mit dem Schiedsrichter. Wie sieht so eine Unterhaltung aus?

Donis Avdijaj: Manchmal sind die Schiedsrichter nicht ganz in der Partie und da frage ich dann eben nach, ob er schlecht geschlafen oder etwas am Schuh kleben hat. Es gibt auch lustige Schiedsrichter, die hauen dann ein paar Jokes raus oder „dissen“ Spieler. Ab und zu wird da ziemlich rustikal geredet – aber nur hinter vorgehaltener Hand.

Wie schätzt du die österreichische Liga ein?

Donis Avdijaj: Die Liga ist gut. Das zeigen ja auch die Spieler, die aus der Liga kommen und ins Ausland wechseln. Auch hier muss man sich ja erstmal durchsetzten. Was ich komisch finde, sind die teilweise leeren Stadien. Wenn die Nationalmannschaft spielt, dann ist das Stadion ja auch voll. Da frage ich mich, ob die Leute nur die spektakulären Spiele sehen wollen oder ob es auch wirklich Fußballbegeisterte gibt. Ansonsten ist eigentlich alles top.

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Wechselst du in der Winterpause zurück zu Schalke?

Donis Avdijaj: Ich weiß momentan nur, dass es im Winter eine Rückholoption gibt. Natürlich ist es eine Ehre, wenn sich eine Mannschaft, die gerade so gut spielt, überlegt, mich im Winter als Verstärkung zu holen. Das wäre wieder ein Erfolg für mich. Momentan muss ich mich aber darauf konzentrieren, wieder fit zu werden.

Im Sommer kehrst du definitv zu Schalke zurück?

Donis Avdijaj: Ich bin ständig mit meinem „Mentor“ Franco Foda im Gespräch und hole mir jeden Tag Tipps von ihm. Natürlich wird es irgendwann Zeit, den nächsten Schritt zu gehen und höher anzugreifen. Sturm ist zwar eine super Adresse, aber noch nicht das, was ich mir für meine Karriere vorstelle.

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Warum klappt es mit Franco Foda so gut?

Donis Avdijaj: Er versteht mich einfach. Vielleicht hat er als aktiver Spieler ähnlich getickt. Franco ist einer der wenigen Menschen, die meine ehrliche Art ertragen können.

Zu einem anderen Thema: Deine Eltern sind ja vor dem Krieg im Kosovo geflohen. Wie siehst du die aktuelle Flüchtlingsproblematik?

Donis Avdijaj: Ich denke, dass jeder eine Chance auf ein vernünftiges und geradliniges Leben verdient. Wenn jemand es schlecht findet, dass Flüchtlinge aufgenommen werden, läuft doch in Wirklichkeit bei diesen Personen etwas schief. Viele, die damals aus dem Kosovo geflüchtet sind, haben in ihrer neuen Heimat etwas erreicht. Es gibt Ärzte, Ingenieure, Profifußballer. Wir leben alle auf der gleichen Erde. Grenzen, Länder und Nationalitäten dienen nur dazu, Menschen Regeln zu unterwerfen. Letztlich sind wir aber alle gleich. Natürlich schaffen es einige nicht, auf einen geraden Weg zu kommen. Es gibt aber auch Einheimische, die das nicht schaffen. Wir haben genug Platz für jeden, der zu uns kommt. Es liegt aber an ihnen, sich gut zu integrieren.

Viele haben Angst, dass Flüchtlinge ihren Wohlstand gefährden. Welche Rolle spielt Geld in deinem Leben?

Donis Avdijaj: Gar keine. Solange ich alles habe, was ich zum Leben benötige. Wenn man mir die Chance gibt, vor 50.000 Zuschauern zu spielen, würde ich das auch umsonst machen. Denn was habe ich schon von Geld? Wenn man sich ein schönes Auto kauft, meckern gleich wieder alle. Da fahr ich lieber mit meinem Smart, da kann keiner was sagen. Ich gehe auch nicht in Restaurants essen. Steaks für 100 Euro sind nicht so mein Ding, da hole ich mir lieber einen Kebap oder ein Leberkäsbrötchen.