Fasching 2016: Insider-Tipps von einem Grazer Kostüm-Urgestein

Cowboy, Prinzessin, Pirat – oder doch lieber ein originelles Faschingskostüm? Da ist guter Rat teuer. Oder doch nicht? Kurz vor dem Faschingsdienstag machten wir einen Lokalaugenschein im Grazer Kostümverleih.

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Foto: Weekend Magazin Steiermark

Kaum fällt die Türe zu, schon geht sie wieder auf. Ganz klar: Im Kostümverleih bei Raimund Kaiser ist die Hölle los. Logisch, schließlich ist ja bald Faschingsdienstag. „Aber ehrlich gesagt, ist man jetzt schon recht spät dran“, betont Kaiser mit einem Blick auf drei völlig überfüllte Kleiderstangen. „Alle schon reserviert!“

Ein sechsbeiniges Kamel

Und wenn dieser Mann nicht weiß wovon er spricht, dann keiner. Denn Raimund Kaiser ist das Urgestein unter den Kostümverleihern. Seit über 25 Jahren macht er diesen Job schon. Und auch wenn mit dem Umzug vom Kaiser-Josef-Platz in die Bürgergasse – „vom Loft in eine Garconniere“ wie er es so schön umschreibt – nur mehr Bruchteile der 40.000 Kostüme übrig geblieben sind, ist man hier als „Erstkunde“ immer noch reizüberflutet. Stangenweise hängen sie da alle – der Polizist gleich neben der mittelalterlichen Hofdame. „Schauen Sie sich um, solange Sie wollen. Nur um halb 6 hab ich vor nach Hause zu gehen“, schmunzelt Kaiser um die Mittagszeit seinen Kunden entgegen. Er nimmt sich gerade jetzt fast allen Problemen der verzweifelten Noch-nicht-Kostüm-Besitzer mit Humor an. „Prinzipiell helfe ich sehr gerne. Nur manchmal muss man den Kunden auch sagen, wenn’s nicht so passt. Drei junge Herren wollten einmal als Kamel gehen. Als ich ihnen gesagt habe, dass das Kamel dann ja sechs Beine hätte, waren sie überfordert.“

Die Tipps des Insiders

Aber was ist denn nun „in“ im Fasching 2016? Raimund Kaiser kennt sich aus: „Wie immer gilt: Frauen wollen ein mal im Leben ein pompöses Prinzessinnenkleid anziehen. Bei den Männern sind vor allem Uniformen im Trend. Das kommt auch bei der Prinzessinnenwelt sehr gut an“, weiß der Kostümverleiher. Er merkt aber auch, was heuer gar nicht geht: „Leider sind tatsächlich viele arabische Kostüme storniert worden. Da sieht man, welchen Einfluss politische Diskussionen haben.“ Und noch einen wichtigen Tipp hat der Experte: „Viele unserer Kostüme sind ursprünglich für die Bühne gemacht worden. Das heißt auch, dass die nur optisch angedeutete Taschen haben. Wenn man also wirklich das Geldtascherl und das Handy im Kostüm verstauen will, dann sollte man sich unter der Verkleidung etwas Stauraum schaffen.“

Selbst ist der Mann

Und das war’s auch schon wieder mit der Plauderei. Denn der quirlige Grazer ist schon wieder auf dem Weg zum nächsten Kunden. Diesmal ist ein Pilotenhemd gefragt. Leider ist das nicht im Sortiment. Aber Raimund Kaiser wäre nicht Raimund Kaiser, wenn er nicht eine andere Lösung für seine Faschingsfreunde parat hätte: „Ich hätte eines daheim im Schrank hängen. Wenn Sie es wirklich wollen, dann kann ich Ihnen das mitnehmen.“ Er ist halt einfach ein echtes Urgestein, das hilft, wo er nur kann. Und schon öffnet sich wieder die Türe und der nächste Kunde kommt herein … Wir nutzen die Zeit und sehen uns nach unseren persönlichen Lieblingskostümen um. Die Resultate und Einblicke in das Reich der Grazer Kostüme gibt’s hier in unserer Slideshow …