Check: Wie gut ist Superfood tatsächlich?

Gesund essen: Von den einen gehypt, von den anderen belächelt: Superfoods stecken voller Versprechen. Ein Blick über den Tellerrand.

Superfood
Foto: Lisovskaya/iStock/Thinkstock

Superfood-Jünger preisen die vermeintlich heilenden Eigenschaften bestimmter Lebensmittel. Sie sollen sogar schwere Krankheiten wie Krebs, Hepatitis und Alzheimer heilen – oder ihnen zumindest vorbeugen. Wissenschaftliche Belege dazu sucht man vergeblich. Dabei klänge es doch so gut: Ein paar Löffelchen Chiasamen, eine Handvoll Gojibeeren, abgerundet mit einem Löffel Kokosöl, und schon strotzt man nur so vor Energie.

Super Inhalte

Als Superfood gilt ein Nahrungsmittel, wenn es besonders wirkstoffreich ist, heißt eine hohe Menge an Vitaminen und Mineralstoffen aufweist. Besonders beliebt sind exotische Früchte wie Avocado und Granatapfel. Erstere erlebt in Österreich einen wahren Boom. Von Jänner bis Oktober 2018 wurden 8,2 Millionen Avocados importiert – zu einem Warenwert von 26 Millionen Euro.

Regionalstars

Gegenüber ihren exotischen Kollegen haben heimische Superfoods eine Menge Vorteile wie geringere Kosten und ein vermindertes Risiko chemischer Rückstände. Kürzere Transportwege, geringer Wasserverbrauch und weniger Raubbau schlagen sich in einer besseren Ökobilanz nieder.

Ausgewogenheit

Eine ausgewogene Ernährung trägt maßgeblich zu Gesundheit und Wohlbefinden bei. Dabei muss der Speiseplan keinesfalls vor Superfoods strotzen. Eine abwechslungsreiche Ernährung ist ausreichend, um uns mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Ihre Beliebtheit verdanken gehypte Lebensmittel ihrer Exotik und einer ausgeklügelten Werbeindustrie. Hinter den meisten Superfoods steckt vor allem eins: ein super Marketing.

Exoten vs. Regionalstars

Avocados vs. Walnüsse
Avocados sind reich an ungesättigten Fettsäuren und Vitaminen. Aber: Für den Anbau wird hektarweise Regenwald abgeholzt. Ein Kilo Avocados verschlingt 1.000 Liter Wasser in der Produktion. Als Brainfood bekannt, sind Walnüsse besonders gut für die kleinen grauen Zellen. In puncto ungesättigte Fettsäuren und Vitamine stechen sie die grüne Powerfrucht locker aus. Achtung: Kalorienbombe!

Gojibeeren vs. Hagebutten
Gojibeeren gelten als ­Anti-Aging-Wunder. Die reichhaltige Eiweißquelle strotzt nur so vor Vitaminen. Achtung: Konsumentenschützer warnen vor hoher Pestizidbelastung. Die Hagebutte steht Gojibeeren in Sachen Vitaminen um nichts nach und wächst praktischerweise direkt vor der Haustür. Vorsicht bei der Ernte: Die feinen Härchen der Kerne können Juckreiz verursachen.

Acai-Beeren vs. Heidelbeeren
Die schwarzen Beeren aus Brasilien stecken voller Vitamine, Mineralien und ungesättigten Fettsäuren wie Omega 3. Nachteil: Durch die Verarbeitung zu Pulver gehen wertvolle Inhaltsstoffe verloren. Top: Heidelbeeren können dabei unterstützen, den Blutdruck zu senken. Auch andere heimische Beeren (wie Himbeeren oder Jostabeeren) sind wahre Antioxidantien- und Vitaminbomben.

Chia vs. Leinsamen
Chiasamen stecken voller Proteine, Omega-3-Fettsäuren und machen durch ihre Quelleigenschaften lange satt. Aber: Importiert werden sie aus Mexiko. Stichproben zeigen hohe Rückstandswerte. Top: Leinsamen stammen in der Regel aus kontrolliertem heimischem Anbau. Sie sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien. Mit ihrem Nährstoffprofil überholen sie die exotischen Kollegen.

Blaualge (Spirulina) vs. Grünkohl
Die Hauptverwendung findet sie in Nahrungsergänzungsmitteln. Die Uralge wird als hervorragende B12- und Eiweißquelle beworben. Irreführend: Die B12-Anteile sind so gering, dass sie keine Wirkung haben. Als „Kale“ in den USA gehypt, erlebt der Grünkohl auch hierzulande ein Revival. Völlig zu Recht! Das grüne Wintergemüse ist ein wahres Mineralstoff- und Vitaminbündel. Wichtig: Auf Bioqualität achten!

Quinoa vs. Hirse
Das südamerikanische Pseudogetreide gilt als Gesundheitsbombe. Es ist besonders reich an Eiweiß, Magnesium und Eisen. Nebeneffekt: Durch den langen Transportweg ist der CO2-Fußabdruck immens. Top: Neben Kalzium und Magnesium verfügt Hirse über die fast zehnfache Menge Eisen. In puncto Nachhaltigkeit stellt das heimische Getreide die südamerikanische Konkurrenz in den Schatten.

Granatapfel vs. Brennessel
Vitaminbombe, Blutdrucksenker, Aphrodisiakum, Entzündungsstopper: Der Paradies­apfel gilt als Wunderfrucht. Nachteile: Riesiger Wasserbedarf in der Produktion und ein hoher Säuregehalt. Von Mangan bis Vitamin K enthält die in jedem Garten wachsende Pflanze jede Menge Vitamine. Besonders köstlich ist sie als Suppe oder spinatähnliche Beilage. Tipp: Bei der Ernte Handschuhe tragen.

Auf einen Blick

  • Aminosäuren: Die Bausteine der Proteine dienen vor allem dem Aufbau von Körpergewebe. Essenzielle Aminosäuren kann unser Organismus nicht selbst herstellen.
  • Antioxidantien: Diese chemischen Verbindungen wirken als Fänger freier Radikale, die unsere Zellen angreifen und beschädigen können.
  • Proteine: Proteine, auch Eiweiß genannt, finden sich in jeder unserer Zellen. Wir brauchen sie für unser Immunsystem, unseren Hormonhaushalt und vieles mehr.
  • Provitamine: Die Vorstufe muss erst noch in Vitamine umgewandelt werden, um für unseren Körper nützlich zu sein.
  • Sekundäre Pflanzenstoffe: Sie geben pflanzlichen Lebensmitteln ihre Farbe und ihr Aroma, dienen als Abwehrstoffe gegen Schädlinge und Krankheiten und regulieren das Pflanzenwachstum. Auf den Menschen sollen sie positive Wirkungen haben.