Schlau durch Sport! Mehr Gehirn durch Bewegung

Regelmäßige Bewegung vergrößert Regionen unseres Gehirns, sorgt für eine ­höhere Konzentrationsfähigkeit und ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen.
Wie das funktioniert und worauf Sie achtgeben müssen, lesen Sie hier.

Tauchen Meer
Einfach durchtauchen - nicht nur für die Muskeln gut, sondern auch das Gehirn! Foto: Bicho_raro/iStock/Thinkstock

Der neue Sportreport zeigt: Sechs von zehn ÖsterreicherInnen sind mindestens einmal pro Woche sportlich aktiv. Am liebsten gehen wir dabei schwimmen, wandern, Radfahren, machen Fitness-Training, gehen joggen oder Ski fahren. Nur sieben Prozent sind richtige Sportmuffel. Und die fragen sich vermutlich: Wozu eigentlich der ganze Aufwand? Nicht nur schön. Während knapp 45 Prozent der Männer den Sport tatsächlich aus Spaß ausüben, treiben Frauen vor allem die Beweggründe "Gewichtsverlust" und die "Optimierung der eigenen Figur" an. Dabei gibt es neben der Gesundheit und Attraktivität auch noch einen anderen guten Ansporn, der bisher wenig Beachtung findet: Intel­ligenz. Denn die Wissenschaft zeigt: Wer regelmäßig sportelt, kann sich auch über wachsende Hirnsubstanzen und damit einen ­höheren IQ freuen.

Antrieb: Sauerstoff

Der Mythos, dass Profi-Fuß­baller in Sachen Denksport nicht viel auf dem Kasten haben, gilt somit als widerlegt. Warum das so ist, da­für gibt es wissenschaftlich mehrere Erklärungen. So geht man zum Beispiel davon aus, dass das Gehirn beim Sport stärker mit ­Sauerstoff versorgt wird, wir uns wacher fühlen und uns dehalb besser konzentrieren können. Zweifelsfrei bewiesen wurde das zwar (noch) nicht, allerdings deuten ­Ergebnisse vieler Studien darauf hin.

Neustart

So hat der Hirnforscher Stefan Schneider vom Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft in Köln etwa in Experimenten herausgefunden, dass sich die Gehirnaktivität bei sportlicher Betätigung verändert: Während der motorische Kortex, unsere Steuerzentrale für Bewegungen, beim Sport aktiviert wird, fährt der präfrontale Kortex, zuständig für logisches Denken und Planen, herunter – und erlebt somit quasi ein Reset wie bei einem Com­puter, den man ausschaltet. Kurz danach können wir uns wieder besser auf relevante Inhalte fokussieren und haben den Kopf frei für neue Gedanken und Problemlösungen.

Richtige Dosis

Die Voraussetzung für die Wirkung ist lediglich die richtige Be­lastungsintensität. Ist die körperliche Anstrengung zu hoch oder zu niedrig, bleibt der Effekt aus. Deshalb gilt: nicht total verausgaben, aber zumindest ins Schwitzen geraten. Die Dauer des "Konzentrationsschubs" ist von Mensch zu Mensch ­unterschiedlich: Bei manchen hält der Zustand nur eine halbe, bei anderen mehrere Stunden an.

Langfristige Wirkung

Auch bei einem Experiment der Universität Ulm beschäftigte man sich mit demselben Thema, allerdings mit Fokus auf längerfristige Auswirkungen, und fand Erstaun­liches heraus. Während die erste Versuchsgruppe vier Monate lang dreimal die Woche ein Ausdauertraining absolvierte, genoss die Kontrollgruppe eine sportfreie Auszeit. Vorher und nachher bat man alle Teilnehmer zu Tests zu räum­lichem Vorstellungsvermögen, zur Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnisleistung. Das Ergebnis: Auf die Merkfähigkeit hatte das Training zwar keine Auswirkungen, die räumliche Vorstellungskraft und Konzentra­tionsfähigkeit verbesserte sich allerdings deutlich.

Wundermittel Dopamin

Dass dieser Effekt nur durch die Entlastung des präfrontalen Kortex hervorgerufen wurde, bezweifelten die Wissenschafter. Sie fanden die Erklärung stattdessen im Hormonhaushalt: Durch körperliche Betätigung wird Dopamin verlangsamt ab­gebaut. Das Hormon, das hauptsächlich als Stimmungsaufheller bekannt ist, wird auch für kognitive Prozesse benötigt. Je länger der Dopaminspiegel also aufrecht erhalten bleibt, desto besser ist die Gehirnleistung.

Neue Nervenzellen

Aber das ist noch lange nicht alles, was die Wissenschaft an Erklärungen zu bieten hat: Viele Studien unterstützen außerdem die These, dass der Körper während des Sports Neurotrophine freisetzt – Stoffe, die wir zum Aufbau von neuen Nervenzellen benötigen. Im Laufe des Erwachsenwerdens sterben immer mehr dieser Zellen ab, was zur Folge hat, dass sich ältere Menschen nicht mehr so gut an Dinge erinnern können. Mit Sport kann man diesem Prozess entgegenwirken.

Wachstum im Denkorgan

Das fand zumindest der Psychologe Kirk Erickson von der University of Pittsburgh, Pennsylvania heraus. In bestimmten Regionen des Hippocampus konnte er in der Gruppe, die Sport ­betrieben hat, ein Wachstum von etwa zwei Prozent feststellen. In der bewegungsfaulen Kontrollgruppe war die gleiche Region stattdessen um etwa ein Prozent geschrumpft. Lauf dich schlau. Aber ganz egal, welche Studie man sich genauer anschaut, immer wieder scheint das Fazit dasselbe zu sein: Sport fördert nicht nur unsere körperliche Leistungsfähigkeit, sondern auch unsere geistige. Deshalb ab aufs Rad, auf die Skier oder in die Laufschuhe: Ihr Geist wird es Ihnen spätestens im höheren Alter danken.