Mythencheck: 10 Singleklischees auf dem Prüfstand

Finden man in der Großstadt leichter einen Partner, sind Single-Frauen verzweifelter, ernähren sich Singles hauptsächlich von Schokoeis und schläft man mit einem Partner an seiner Seite wirklich besser?

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Die meisten Single-Frauen sind glücklich Foto: Ridofranz/iStock/Thinkstock

In Österreich leben rund 1,7 Millionen Singles, Tendenz steigend. Trifft man sich an Weihnachten oder Klassentreffen zu ausgiebigen Schlemmgelagen, neigen glücklich Verliebte oftmals dazu, ihre Single-Freunde zu bemitleiden – oder sie malen sich deren Leben als einzige Party aus und können nicht verhindern, dass ein Anflug von Neid in ihnen hochkommt – Windelwechseln kann mit der Zeit nämlich doch etwas mühsam werden. Vorurteile gibt es also viele, doch was stimmt denn nun wirklich? Sind Singles unglücklich und einsam oder sind sie im Grunde vielleicht sogar besser drauf als gebundene Beziehungsfans? Hier zehn der gängigsten Mythen auf dem Prüfstand.  

1. In Großstädten findet man leichter einen Partner

Am einsamsten fühlt man sich zwischen anderen Menschen – und in Großstädten. Hier weiß man meist nicht einmal, wie der eigene Nachbar heißt, aber dafür müsste es bei all den Millionen Menschen doch viel einfacher sein, den passenden Partner für sich zu finden? Immerhin ist in den überschaubaren ländlichen Gegenden, wo man jeden Busfahrer beim Namen kennt, die Auswahl ja eher begrenzt. Doch das Gegenteil ist der Fall, Großstädte weisen die höchste Singlerate auf. In Wien und Salzburg leben 36 Prozent Singles, das sind teilweise um bis zu zehn Prozent mehr als in anderen Regionen Österreichs. Wie kann das sein? Eine große Auswahl macht eben auch wählerischer! Besonders Frauen nehmen in der Stadt einen potenziellen Lebensgefährten sehr genau unter die Lupe. Sind sie nicht vollends überzeugt, verzichten sie lieber auf eine Beziehung und bleiben Single. Am Land hingegen ist die Auswahl nicht so groß, wünscht man sich sehnlichst einen Partner, senkt man einfach seine Ansprüche und freut sich schon bald über Mrs. oder Mr. Right an seiner Seite. 

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Je größer die Auswahl, desto länger bleibt man Single Foto: oneinchpunch/iStock/Thinkstock

2. Singles sind schlanker

Es ist schon gemütlich abends gemeinsam auf der Couch zu lümmeln, Film zu schauen und dabei Chips zu knabbern. Und so schleichen sie sich ein, die Beziehungskilos. In der Tat konnte eine Studie der Washington University feststellen, dass Singles – besonders Frauen – meist schlanker sind als Menschen in einer festen Partnerschaft. Besonders alleinstehende Frauen achten mehr auf ihre Ernährung und treiben mehr Sport, schließlich gibt es auf dem Singlemarkt ja jede Menge Konkurrenz, gegen die man sich behaupten muss.

3. Single-Frauen sind verzweifelter

Man kennt die Szenen aus Filmen: Sie sitzt Rotz und Wasser heulend zu Hause, fühlt sich einsam und verlassen und findet nur bei einem Kübel Schokoeis Trost. Der Single-Mann in Filmen hingegen ist sexy, erfolgreich im Job und eine ganze Horde Frauen möchte den Junggesellen gerne vom Fleck weg heiraten. Das, liebe Movie-Fans, ist ein reines Klischee à la Hollywood. Denn Befragungen zeigen, dass Single-Frauen sehr viel glücklicher sind als Single-Männer. Mehr als 60 Prozent der Frauen gaben an, als Single durchaus glücklich und zufrieden zu sein. Bei den Männern waren hingegen nur 49 Prozent wirklich happy. Grund dafür ist, dass Frauen zumeist besser sozial vernetzt sind und es genießen, ihren eigenen Interessen nachgehen zu können – ein Aspekt, der für Frauen in einer Beziehung oftmals zu kurz kommt.

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Trösten sich alleinstehende Frauen mit Eiscreme? Foto: b-d-s/iStock/Thinkstock

4. Frauen finden schneller eine neue Beziehung als Männer

Stimmt nicht! Wie nach der Aufklärung des vorhin besprochenen Klischees zu erwarten, sind es nicht die Frauen, die sich nach einer neuen Beziehung verzehren, sondern eher können es die Männer kaum erwarten, zum Pantoffelhelden zu werden. Um möglichst schnell wieder eine Frau an ihrer Seite zu haben, gehen Männer auch gerne mal einen Kompromiss ein – Frauen sind da nicht so leicht rumzukriegen, wieso auch, schließlich fühlen sie sich ja auch alleine pudelwohl. In Österreich sind fast die Hälfte der Singlefrauen seit mehr als drei Jahren ohne Partner, bei den Männern halten es nur 27 Prozent eine so lange Zeit alleine aus.

5. Singles wollen gar nicht Single sein und suchen nach der großen Liebe

Auch so ein Klischee, an das Menschen, die zu Hause eine bessere Hälfte haben und die sich ein Leben ohne den anderen gar nicht mehr vorstellen könnten, glauben. Und Umfragen zeigen: So ganz unrecht haben sie damit nicht. Denn in Österreich wünschen sich rund 64 Prozent der Alleinstehenden einen Schatz, in Deutschland sieht die Lage ähnlich aus. Allerdings ergeben andere Umfragen, dass mehr als die Hälfte der Männer und Frauen glücklich mit ihrem Singlestatus sind. Und auch die wenigsten Singles sind aktiv auf der Suche nach einem Partner, in Österreich gerade einmal zehn Prozent. Der Rest hofft, dass einem das Liebesglück ganz unverhofft und ohne eigenes Zutun in den Schoß fällt. Am ehesten suchen übrigens sehr junge oder schon etwas ältere Singles, die bereits pensioniert sind, nach einem Partner.

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Nur die wenigsten Singles suchen aktiv einen neuen Partner Foto: flukyfluky/iStock/Thinkstock

6. Ab 40 findet man schwerer einen neuen Partner

Eine Frau über 40 wird eher Opfer eines Terroranschlags als wieder zu heiraten – In dem Film "Liebe braucht keine Ferien" fällt Cameron Diaz ein vernichtendes Urteil über Single-Frauen über 40. Das kann doch nicht wahr sein, oder? Leider doch. Cameron Diaz düstere Prophezeiung ist sicherlich zu plakativ, doch es stimmt nun mal, dass mit zunehmendem Alter auch die eigenen Ansprüche steigen. Bereits ab 30 wird die Suche problematischer und besonders Frauen wollen ihre Ansprüche nicht hinunterschrauben und bleiben lieber alleine, als sich mit Plan B zufriedenzugeben.

7. Akademiker sind eher Single

Die Partnerbörse für Akademiker und Singles mit Niveau kennt jeder aus der Werbung – doch haben Leute mit Hochschulabschluss beim Liebesleben tatsächlich öfters das Nachsehen? Eine Studie aus Deutschland scheint dieses Klischee in der Tat zu bestätigen. Demnach gibt es auf dem Singlemarkt zwei Gruppen, die sich überdurchschnittlich schwer damit tun, den passenden Partner zu finden: männliche Hartz-IV-Empfänger sowie weibliche Akademikerinnen über 30. Die Studie nannte auch gleich zwei Gründe dafür: Zum einen seien die Ansprüche zu hoch, zum anderen würden viele zu früh aufgeben und aufhören, nach der Liebe zu suchen.

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Akademikerinnen über 30 tun sich bei der Partnersuche schwer Foto: Wavebreakmedia Ltd/Wavebreakmedia/Thinkstock

8. Eine Beziehung steigert die Lebenserwartung

Bei Männern trifft dieses Klischee zu, bei Frauen hingegen nicht! Männer haben von einer Beziehung in der Tat einen lebensverlängernden Nutzen und profitieren dank ihrer Partnerin von einer gesünderen Ernährung und regelmäßigeren Arztbesuchen. Wie hoch der Nutzen ist, ist jedoch nicht eindeutig zu sagen, Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, die Angaben schwanken zwischen zwei und neun Jahren – vorausgesetzt, der Partner ist im gleichen Alter. Denn auch der umgekehrte Weg ist möglich: Ist man mit einem älteren Partner liiert, sinkt die Lebenserwartung. Ist der Partner sieben bis neun Jahre älter, steigt das Sterblichkeitsrisiko bei Frauen bereits um 20 Prozent. Und auch Männer mit älteren Frauen haben eine geringere Lebenserwartung. Von der Vorstellung, dass ein jüngerer Partner einen frisch und vital hält, muss man sich also verabschieden.

Frauen hingegen scheinen von einer Ehe nicht zu profitieren, im Gegenteil, die Zeit und Mühe, die sie besonders im Alter in die Beziehung und Pflege des Mannes investieren, scheint ihr Leben zu verkürzen. Zusammenfassend kann man also sagen, dass sich eine Beziehung besonders für Männer lebensverlängernd auswirken kann.

9. Singles schlafen schlechter

Am nächsten Tag einen wichtigen Termin? Dann sollten sich auch Männer in Beziehungen überlegen, ob sie nicht eine Nacht allein auf der Couch verbringen wollen. Denn Studien zeigen, dass die Schlafqualität von Singles besser ist. Auch bekommen Singles mit 7,13 Stunden mehr Schlaf, als Menschen in Beziehungen, die schlafen durchschnittlich nur 6,71 Stunden pro Nacht. Besonders Frauen profitieren von einem Schlaf allein, sie wachen durch die nächtlichen Regungen ihres Partners nämlich viel schneller auf als umgekehrt. Grund dafür ist, dass Frauen immer schon stärker ein Auge (und ein Ohr) auf den Nachwuchs gerichtet haben mussten und so biologisch darauf programmiert sind, bei jeder kleinen Regung im Schlaf hochzuschrecken.

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Auch wenn kuscheln schön ist – alleine schläft man besser Foto: LightFieldStudios/iStock/Thinkstock

10. Singles sind erfolgreicher

Studien zeigen, dass Singles mehr Zeit in ihre Ausbildung und Karriere investieren und deswegen häufig besser verdienen, als gleichaltrige, aber in einer Beziehung lebende Menschen. Besonders Frauen können von ihrem Single-Leben profitieren und die Karriereleiter emporklettern. Denn ein Partner oder eine Familie fordern sehr viel Zeit und Zuwendung  – eine Beziehung will schließlich gepflegt werden. Als Single ist man hingegen ungebunden und kann sich ganz auf seine Interessen oder seinen Job konzentrieren. Eine Studie mit 1.500 Vorstandsvorsitzenden zeigte, dass Unternehmen mit alleinstehenden Managern schneller wachsen als Firmen mit verheirateten Führungskräften.