Wer spricht? 10 Gründe, warum Selbstgespräche nützlich sind

Mal laut, mal leise, mal nur in Gedanken – fast jeder führt Selbstgespräche. Wird man dabei ertappt, fühlt man sich meist peinlich berührt. Muss man aber nicht, denn wer mit sich selbst redet, fördert sein Gedächtnis und ist erfolgreicher.

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Von wegen psst! Selbstgespräche haben eine große Wirkung Foto: jacoblund/iStock/Thinkstock

Wer sich selbst oft der beste Gesprächspartner ist, darf sich ruhig damit rühmen, besonders intelligent zu sein. Woran das liegt? Durch das Verbalisieren von Gedanken fällt es dem Hirn leichter, neue Informationen zu verarbeiten oder bereits gespeicherte Inhalte schneller abzurufen. Selbstgespräche haben deswegen viele positive Wirkungen:

1. Besserer Fokus und Strukturierung

Wohl niemand kann leugnen, dass er nicht schon einmal in der Küche stand, ein völlig neues Rezept ausprobieren wollte und dabei jeden einzelnen Schritt laut kommentiert hat. Und das war eine sehr gute Idee und hat hoffentlich zu einem wohlschmeckenden Gericht geführt. Denn sprechen wir jeden Schritt einer neuen Aufgabe laut aus, kann sich unser Gehirn viel besser auf die momentane Aufgabe konzentrieren. Ablenkungen können so effektiv vermieden werden und wir lösen die neue Herausforderung wohl strukturiert Schritt für Schritt. Übrigens: Wer es nicht so mit dem Kochen hat, auch beim Zusammenbauen von Möbeln darf man getrost vor sich hin brabbeln.

2. Selbstgespräche beruhigen

Nicht nur das Kochen fällt durch Selbstgespräche leichter, auch wenn aus dem Backrohr erste Rauchschwaden ziehen sollten, kann es sehr beruhigend wirken, wenn man sich selbst gut zuredet. Aber bitte nicht den Fehler machen und sich als Versager beschimpfen. Das Hirn merkt sich das und das eigene Selbstbild leidet darunter. Also: Immer positiv denken – und sprechen.

4. Bessere Gedächtnisleistungen

Wer ja nichts vergessen darf (beispielsweise das Backrohr das nächste Mal rechtzeitig auszuschalten), sollte das laut vor sich hersagen. Studien konnten zeigen, dass die Merkfähigkeit so massiv gesteigert wird. Wer für eine schwierige Prüfung lernt, sollte vielleicht nicht immer in der mucksmäuschenstillen Bibliothek sitzen, sondern den Lernstoff ruhig mal zu Hause laut hinausposaunen.

5. Besserer Umgang mit Emotionen

Wer so richtig wütend ist, möchte seinem Ärger auch Luft machen. Dafür müssen aber nicht immer die Mitmenschen herhalten, es hilft auch schon, wenn man mit sich selbst spricht und seinem Ärger einfach mal freien Lauf gewährt. So vermeidet man es, negative Gefühle zu verdrängen, die einem anschließend nur schwer im Magen liegen würden. Wer zum Platzen glücklich ist, der kann natürlich auch seine Freude laut hinausbrüllen in die Welt – vielleicht steckt man ja den ein oder anderen Griesgram damit an.

6. Erkennen von Emotionen

Nicht immer wird man von Emotionen überrollt, manchmal weiß man schlicht und ergreifend nicht, was man gerade fühlt. Wer jetzt bewusst seinen eigenen Gedanken lauscht und diese kommentiert, kommt des Rätsels Lösung einen großen Schritt näher.

7. Klügere Entscheidungen treffen

Auch wer vor einer wichtigen Entscheidung steht, weiß oft nicht, wie genau er handeln soll oder welche Gefühle dabei überhaupt eine Rolle spielen. Durch die Verbalisierung der Vor- und Nachteile gewinnt man etwas Abstand und erkennt seine inneren Wünsche leichter. So kann man schlussendlich eine begründetere Entscheidung fällen, als wenn man einfach eine Münze werfen würde.

8. Motivation

Sich selbst Mut machen kann hilfreich dabei sein, eine herausfordernde Situation zu meistern. In Studien konnte allerdings gezeigt werden, dass es effizienter ist, wenn man sich nicht nur "Ich packe das" vorspricht, sondern sich die Frage stellt: "Packe ich das?" Wer auf diese Art mit sich selbst redet, erreicht bestimme Ziele leichter.

9. Bessere sportliche Leistungen

Sportler reden häufig mit sich selbst, um im Moment des Wettkampfs eine bessere Leistung zu erbringen. Dies ist ein wichtiger Aspekt der Sportmotivation. Aber auch hier gibt es einiges zu beachten: Je technisch anspruchsvoller die Sportart, desto weniger hilft inneres Anfeuern wie "Du packst das." In diesem Fall ist es besser, sich die in dieser Situation notwendige körperliche Bewegung vorzusagen, beispielsweise könnte ein Skifahrer sich in einer Kurve vorsagen, das er nun mehr Gewicht auf die Außenkante verlagern muss.

10. Durch mehr Distanz zu mehr Erfolg

In einer Studie mussten sich Probanden vor einer Jury präsentieren. Alle Teilnehmer wurden dazu angehalten, vorher Selbstgespräche zu führen, die erste Gruppe allerdings in der Ich-Form, die zweite Gruppe sollte hingegen das Wort "Ich" vermeiden und stattdessen den eigenen Namen verwenden. Das klingt dann zum Beispiel so: "Max Mustermann hat Angst." Wer jetzt denkt "Armer Max", der irrt. Denn die Verbalisierung der eigenen Gefühle unter Verwendung des Namens anstelle von "Ich" führt zu einer größeren Distanz und bringt mehr Klarheit. Das Ergebnis der Studie: Die zweite Gruppe schnitt bei der Präsentation vor der Jury wesentlich besser ab.