Pleiten, Pech & Pannen: Die schrägsten Oscar Storys

Am 26. Februar kürt die Akademie wieder in 24 Kategorien die besten Kassenschlager des vergangenen Jahres. Ob die Verleihung ähnlich spannend, vielleicht sogar skandalträchtig wird wie so manche der Vergangenheit?

schraegste-Oscar-Storys.jpg
Schräge Oscar Storys Foto: Nicolas Armer / dpa / picturedesk.com

Gestohlene Trophäen, Gewinner, die den Oscar ablehnten, schlechte Verlierer – die ­Oscar-Verleihung ist immer für ein paar Skandale gut. Die 89. Academy Awards haben durchaus das Zeug dazu – vor allem in puncto politische Statements. Aufgrund der von Trump verhängten Einreiseverbote sagte beispielsweise der iranische Regisseur ­Asghar Farhadi (nominiert für „Der Verkäufer“) seine Teilnahme ab. Ein Eklat bei der Preisverleihung selbst? Auch nicht ausgeschlossen – immerhin gab es bisher bereits drei Gewinner, die ihre Trophäe nicht angenommen haben, darunter Marlon Brando (aufgrund der Benachteiligung von Indianern im Filmgeschäft). Auch Peter O’Toole und George C. Scott lehnten ab. Michael Moore empörte sich in seiner Danksagung 2003 über den Irakkrieg und legte US-Präsident George W. Bush nahe, sich für seine ­Politik zu schämen.

Schlechte Manieren

Doch so viel Klasse hat nicht jeder. 2007 hatte Eddie Murphy auf einen Nebenrollen-Oscar für „Dreamgirls“ gehofft, ging aber leer aus. Murphy verließ wütend während der laufenden Veranstaltung den Saal und ging direkt nach Hause. Die von Marlon Brando übrig gebliebene Oscar-Trophäe steckte übrigens Bond-Darsteller Roger Moore kurzerhand heimlich ein. Später musste er sie jedoch wieder zurückgeben. Doch besonders dreist war jemand im Jahr 2000. Damals verschwanden sogar alle 55 Trophäen während des Transports von Chicago nach Los Angeles. Das FBI ermittelte. 53 Oscars tauchten wieder auf. Zwei sind bis heute verschwunden. Besonders brisant macht diesen Diebstahl die „Rule Four“. Die Gewinner unterschreiben nämlich eine Klausel, in der sie bestätigen, dass sie den Oscar nicht verkaufen oder verschenken. Somit ist es selbst für finanzkräftige Fans auf legalem Weg fast unmöglich, einen echten Oscar zu ergattern.

Karriereturbo?

Die Auszeichnung bedeutet nicht zwangsäufig einen Karriere-Boost. Eine aktuelle Untersuchung belegt aber, dass Männer, die als „Bester Schauspieler“ ausgezeichnet wurden, mit einer um 81 Prozent höheren Gage rechnen können – bei Frauen gibt es keinen so signifikanten Gagenanstieg. Das würde bedeuten, dass z. B. Leonardo DiCaprio (Oscar für „The Revenant“), der 2015 „nur“ 29 Mio. US-Dollar verdient hat, nun rund 52,5 Mio. US-Dollar pro Jahr absahnt. Doch interessanterweise rangieren unter den echten Topverdienern in Hollywood kaum Oscar-Gewinner – Robert Downey jr., Vin Diesel, Johnny Depp, Dwayne Johnson, Tom Cruise und Co. ­waren nie siegreich. Bei den Frauen ist die Chance höher: Jennifer Lawrence schwebt seit ihrem Oscar für „Silver Linings“ auf der Erfolgswelle. Auch Julia Roberts und Charlize Theron finden sich unter den Top Ten.

Karriere-Tief

Ein Oscar-Gewinn kann allerdings auch das Karriereende bedeuten. Paradebeispiel ist Cuba Gooding jr. Als er 1997 den Preis für seine Darstellung in ­„Jerry Maguire“ entgegennahm, rief er noch lautstark „Show me the Money!“, doch heute ist er nur noch in B-Movies, Serien und Co. zu sehen. Das ­Gleiche gilt für Kim Basinger („L.A. Confidential“, 1998), Timothy Hutton („Eine ganz normale Familie“, 1980), Reese Witherspoon („Walk the Line“, 2005), Adrien Brody („Der Pianist“, 2008) oder Halle Berry („Monster’s Ball“, 2002).

Österreichische Erfolge

Nichtsdestotrotz heißt es ­heuer Daumen drücken: Die deutsch-österreichische Koproduktion „Toni Erdmann“ von Maren Ade ist in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ im Rennen. Eine Sensation. Immerhin war aus österreichischer Sicht 2013 das letzte erfolgreiche Oscar-Jahr: Christoph Waltz konnte für Quentin Tarantinos ­Western „Django Unchained“ ­seinen zweiten Nebenrollen-Oscar abräumen. Und Michael Haneke, der mit „Amour“ (Liebe) fünffach nominiert war, wurde mit dem Fremdsprachen-Oscar ausgezeichnet. Zuvor holte 2008 bereits Stefan Ruzowitzky mit „Die Fälscher“ die Auszeichnung. Doch was viele gar nicht mehr wissen: Österreich hatte bereits einige Erfolgsgaranten in Hollywood: Der vor den Nazis geflohene Filmproduzent Sam Spiegel („Lawrence von Arabien“) erhielt 23 Oscars. Exil-Österreicher Billy Wilder heimste 21 Nominierungen und sechs Auszeichnungen ein. Und Maximilian Schell wurde als bester Hauptdarsteller für seine Rolle in „Das Urteil von Nürnberg“ (1961) ausgezeichnet. 121 Nominierungen und 36 Auszeichnungen verzeichnet Österreich somit insgesamt. Vielleicht würde ja heuer Oscar Nummer 37 winken? Schade eigentlich, dass „Toni Erdmann“ mit Peter Simonischek in der Hauptrolle offiziell unter deutscher Flagge nominiert ist.

Mehr zum Thema: