Sind Sie sapiosexuell?

Muskelberge vs. Büchertürme – muss Ihr Partner was im Köpfchen haben oder reicht Ihnen gutes Aussehen? Ist Ihnen das Köpfchen wichtiger, gehören Sie einer ganz besonderen Gruppe an.

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Lesen macht an Foto: Everste/iStock/Thinkstock

Diese langen, schlanken Beine. Und der Waschbrettbauch erst … Man könnte auf der Stelle anfangen zu sabbern. Lieblingsbuch? Fremdsprachenkenntnisse? Wen interessiert das bei dem Körper schon! Sollten Sie aber zu den Menschen gehören, denen ein Sixpack, glänzendes Haar und ein gebleachtes Lächeln zu wenig ist, könnte es sein, dass sie sapiophil sind.

Intelligenz macht an

Die Begriffe "sapiophil" und "sapiosexuell" sind relativ jung und können synonym verwendet werden. Der Begriff leitet sich vom lateinischen "sapiens" ab, das so viel wie klug, vernünftig bedeutet. Sapiophile Menschen stehen also auf Intelligenz. Das Äußere des Gegenübers ist ihnen weniger wichtig, kann jemand hingegen Goethe rezitieren oder die Fibonacci-Folge fehlerfrei bis zum Hundertsten aufsagen, bekommen sapiophile Menschen wackelige Beine.

Online-Dating

Intelligenz war schon immer anziehend, auch wenn der Begriff "sapiophil" relativ neu ist. Doch in Zeiten des Online-Datings ist es um einiges einfacher, den Partner zu finden, der intellektuell mit einem selbst auf einer Wellenlänge liegt – oder einem immer wieder aufs Neue herausfordernde Denkaufgaben beschert.
Wer sich online auf seinem Profil als "sapiosexuell" bezeichnet, setzt natürlich auch ein Statement gegen Oberflächlichkeit und die Reduzieren auf das Äußere, wie es in Datingplattformen wie "Tinder" geschieht. Auch das dürfte ein Grund sein, dass die Anzahl der selbst ernannten Sapiophilen in letzter Zeit zunahm. In Deutschland bezeichnen sich laut einer aktuellen Befragung mit 1.000 Teilnehmern immerhin acht Prozent als sapiosexuell.

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Besonders Frauen legen Wert auf Intelligenz Foto: g-stockstudio/iStock/Thinkstock

Sapiophil: Mehr Frauen als Männer

Mehr Frauen als Männer sind sapiophil. Und eine Studie gibt diesen gescheiten Frauen recht, denn es konnte bei Männern ein Zusammenhang zwischen Intelligenz und Spermaqualität festgestellt werden. Da wären Frauen also schön blöd, wenn sie sich die Chance auf einen intelligenten Partner entgehen lassen würden.

​Bei einem One-Night-Stand kommt es den meisten Befragten allerdings dennoch mehr auf das Äußere an. Je enger und ernsthafter eine Beziehung allerdings ist, desto wichtiger ist der Intellekt und das Äußere verliert zunehmend an Bedeutung. Sinnvoll, denn immerhin sollte der One-Night-Stand – wenn alles nach Plan geht – ja auch nicht ins traute Familienglück führen.

Findet man hingegen einen Partner, mit dem man sich eine gemeinsame Zukunft vorstellen kann, muss man sowieso davon ausgehen, dass sich das Äußere im Laufe der Zeit verändern wird. Aus dem Waschbrettbauch wird ein Ich-bin-in-einer-Beziehung-und-mein-Partner-akzeptiert-mich-so-wie-ich-bin-Bauchi, ins Gesicht mischen sich (hoffentlich) Lachfalten und die langen Beine dürfen in fortgeschrittenem Alter in orthopädisch korrekten Schuhen ausgeführt werden. Erkrankt man im hohen Alter nicht an Demenz, gesellt sich zum Intellekt gerne auch noch ein Gebiss dazu. Für Sapiophile kein Problem, immerhin befindet man sich damit in bester intellektueller Gesellschaft, auch George Washington, der erste Präsident der vereinten Nationen, war seinerzeit auf künstliche Zähne angewiesen.