Samsung Galaxy Fold 5G im Test: „The next big thing!“

Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen! So habe ich mich gefühlt, als das Testgerät des ersten faltbaren Smartphones – Samsung Galaxy Fold 5G – in unserer Redaktion ankam: Jenes Gerät, welches im Frühjahr 2019 erscheinen sollte und dann aufgrund grober Probleme mit dem Display verschoben wurde. Jetzt ist es in Österreich offiziell erhältlich. Nach zwei Wochen als Daily Driver will ich es nicht mehr missen. Es ist die Zukunft des Smartphones! Wenn auch noch nicht für alle. Warum das so ist, erfahrt ihr im ausführlichen Test.

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Das Samsung Galaxy Fold 5G ist ein beeindruckendes Gerät... Foto: Weekend Magazin/Angerer
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...im eingeklappten Zustand mit 4,6-Zoll-Display. Foto: Weekend Magazin/Steinberger-Weiß
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Geöffnet misst der Screen gigantische 7,3 Zoll und ist durchgehend, ohne störende Falte. Foto: Weekend Magazin/Steinberger-Weiß
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Das Samrtphone lässt sich komplett zuklappen, ohne dass der Screen Schaden nimmt. Foto: Weekend Magazin/Steinberger-Weiß
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Auf der Notch der Innenseite findet sich ein Dual-Kamera-Setup... Foto: Weekend Magazin/Steinberger-Weiß
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...auf der Rückseite ein Triple-Setup, bekannt aus dem Galaxy S10+ und dem Note 10+. Foto: Weekend Magazin/Steinberger-Weiß
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Seitenansicht – V.li.: Fingerabdrucksensor, Power-Button und Lautstärkeregler. Foto: Weekend Magazin/Steinberger-Weiß
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Unterseite: USB-C Ladeport und einer der DUAL-Lautsprecher. Foto: Weekend Magazin/Steinberger-Weiß
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Das Scharnier wurde überarbeitet und ist sehr stabil... Foto: Weekend Magazin/Steinberger-Weiß
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..und sieht auch im zugeklappten Zustand sehr edel aus. Foto: Weekend Magazin/Steinberger-Weiß
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Das Gerät ist derzeit exklusiv bei A1 in Silber erhältlich. Foto: Weekend Magazin/Steinberger-Weiß
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Das Cover im Carbon-Look ist im Lieferumfang enthalten. Foto: Weekend Magazin/Steinberger-Weiß

Hand aufs Herz, wie spannend war die Smartphonebranche die letzten Jahre? Mehr und bessere Kameras, schnellere Prozessoren, größere Displays und mehr Akku. Evolution statt Revolution war die Devise. Irgendwie hatte ich mich als technikaffiner Mensch am gefühlt hundertsten Update vom Update satt gesehen. Vor allem, weil sich anscheinend niemand mehr über ein außergewöhnliches Design drübertraute (die Gaming Smartphones á la ASUS ROG Phone, Nubia Red Magic und Xiaomi Black Shark der letzten Zeit etwas ausgenommen). Dann kamen Designentscheidungen wie die „Notch“, der ich nach wie vor kritisch gegenüberstehe. Und dann kam das Frühjahr 2019 und Samsung haut das Galaxy Fold raus (damals noch ohne 5G). Ich war begeistert, endlich mal was Neues, Aufregendes, Revolutionäres. Leider hat es ein Jahr gedauert, bis ich das Gerät erstmals in Händen halten durfte. Der Launch des Fold im 2. Quartal 2019 verkam zur Katastrophe für Samsung. Einige Testkollegen anderer Medien und auch auf Youtube schafften es, das Gerät innerhalb kurzer Zeit gebrauchsunfähig zu machen (bei mehr oder weniger normaler Bedienung). Das faltbare Display hielt nicht stand. Was würde dann ein „normaler“ Smartphoneuser damit anstellen? Samsung entschied sich nach den ersten Reviews, das Gerät grundlegend zu überarbeiten und im September 2019 erfolgte der Launch des upgedateten und viel stabileren Fold (jetzt mit 5G). Und seit dem 5G-Launch von A1 ist es nun offiziell das erste Mal in Österreich erhältlich.

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Foto: Weekend Magazin/Steinberger-Weiß

Design - ein Communicator lässt grüßen!

Als ich das Gerät stolz meinen Kollegen präsentierte, war der erste Tenor: „Das ssieht ja im zugeklappten Zustand aus wie damals der Nokia Communicator“. Ja stimmt! Aber der WOW-Effekt kam, als ich das Ding aufklappte. Kein Mini-Display samt Tastatur, sondern ein Fullscreen 7,3-Zoll AMOLED Bildschirm. Alle waren begeistert und erstaunt. „Hält das denn?“ war die dringlichste Frage! Meine Antwort: „Weiß ich noch nicht!“. Zwei Wochen später kann ich sagen - JA, es hält, und wie! – Zusatz: Wenn man es pfleglich behandelt, denn das faltbare Display wird nur durch eine Plastikschicht „geschützt“. Spitze Gegenstände, Sand und sogar Fingernägel können permanente Kratzer hinterlassen.  Dazu kann ich ein Video von Youtuber JerryRigEverything empfehlen – hier klicken für das Video. Außerdem sollte man nicht mit dem Finger auf das innere Display draufhämmern. Das kann zur Zerstörung einzelner Pixel führen. Wasser mag das Teil ebenso gar nicht. Aber diese Warnhinweise druckt Samsung groß aufs Gerät und wer sie berücksichtigt hat keine Probleme.

Im zugeklappten Zustand gibt es ein 4,6 Zoll großes Außendisplay für alle wichtigen Funktionen. Das ist zwar klein, kann aber bei schnellem Checken von Inhalten durchaus hilfreich sein. Der Star ist aber ganz klar das große flexible Innendisplay. 200.000 Mal kann es laut Samsung gefaltet werden – ergäbe bei angenommenen 100 Faltvorgängen pro Tag eine Nutzungsdauer von rund 5 Jahren. Da macht vorher der Akku schlapp. Seitlich angebracht sind Power- und Lautstärketasten sowie der Fingerabdrucksensor. Auf der Unterseite findet sich der USB-C Ladeport und ein Teil der gigantischen Stereolautsprecher (später dazu mehr). Auf der Oberseite dann Teil zwei der Lautsprecher. Das Gerät ist im zugklappten Zustand 15,5 mm dick (Vergleich Samsung Galaxy S10: 7,8 mm und iPhone 11 Pro: 8,1 mm). Also ja, es ist ein ordentlicher Klopper! Im aufgekplatten Zustand beträgt die Dicke allerdings nur mehr 6,9 mm - das ist beeindruckend! Das Gewicht ist auch ordentlich, mit 263 Gramm hat man schon etwas in der Hand (S10: 157 Gramm, iPhone 11 Pro: 188 Gramm). Trotzdem lässt es sich in beiden Aggregatszuständen sehr gut bedienen: Im zugeklappten sogar einhändig, im aufgeklappten mit einer Breite von 118 mm und einer Höhe von 160 mm allerdings nur mit beiden Händen. Aber dafür hat man dann das 7,3-Zoll Display, auf dem fast alles möglich ist!

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Foto: Weekend Magazin/Steinberger-Weiß

Technik - ein richtiges Flaggschiff!

Zugegeben, mit den Maßstäben von 2019 gemessen, denn die neue Smartphonegeneration von Samsung und Co. steht in den Startlöchern. Aber ein Snapdragon 855, gepaart mit 12 GB RAM und 512 GB UFS3.0 Speicher reichen 2020 mehr als aus. Dazu gibt es insgesamt 6 – in Worten sechs – Kameras. Eine Selfiekamera über dem Außendisplay, zwei Selfiekameras (inkl. Weitwinkel) im Notch des faltbaren Dispplays und ein Dreifach-Kamera-Setup als Hauptkamera. Dieses Setup kennen wir aus dem Note 10+ und es produziert bei guten Lichtverhältnissen hervorragende Fotos. Nur im Nachtmodus und bei der Zoomstärke muss man das Fold hinter den Konkurrenten von Huawei und Apple einreihen. Als Sucher für die Hautpkamera kann sowohl das kleine Außendisplay als auch das große Innendisplay genutzt werden. Genial! Die Akkus (richtig – Mehrzahl) bieten zusammen eine Kapazität von 4.235 mAh. Dieser Umstand stimmte mich bei einem derart großen Display etwas nachdenklich, aber auch hier begeisterte mich das Fold 5G. Es ist zwar kein Ausdauermonster, aber ich komme locker über den Tag, auch wenn ich das Gerät oft aufklappe und den gigantischen Bildschirm nutze. Die restliche Ausstattung ist hervorragend: Bluetooth 5.0 mit A2DP, LE, HD und aptX. WLAN-6 (ax) Unterstützung, Wireless Charging (mit Reverse-Funktion) und AKG Dual-Lautsprecher. Die sind so gut und laut, dass man getrost die kleine Bluetooth Box daheim lassen kann. Für mich derzeit die besten Smartphoneboxen! Dank 5G-Modem ist das Gerät auch zukunftssicher. Dankenswerterweise bekam ich von Samsung eine A1-5G-Simkarte zur Verfügung gestellt und konnte das neue Netz testen. In Linz erreichte ich damit Geschwindigkeiten von bis zu 500 Mbit Down und 100 Mbit Up. Wirklich genial! Und der Ausbau in Linz (Homebase) und auch Wien (Ausflug) ist schon sehr weit fortgeschritten. Das Gerät zeigte mir in der Stadt durchwegs öfter 5G als 4G+ an. 

 

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Foto: Weekend Magazin/Steinberger-Weiß

Software - One UI, leider noch mit Android 9

Die Software des Galaxy Fold 5G ist von Samsung auf die Benutzung eines faltbaren Displays angepasst. So können z.B. bestimmte Apps die ich am äußeren Display aufmache, im aufgeklappten Zustand dann das selbe anzeigen. Samsung nennt das Continuity, funktioniert übrigens auch Vice-Versa - also wenn ich zum Beispiel Google Maps auf dem großen Display öffne und eine Route erstelle und das Gerät dann zuklappe, wird mir derselbe Content am kleinen Display angezeigt. Das Feature ist allerdings nicht von Haus aus aktiviert und muss in den Einstellungen erstmal eingerichtet werden. Außerdem arbeiten nicht alle Apps damit zusammen. Aber viele wichtige Apps von Google, Facebook und Samsung beherrschen das Feature.

Die Bedienung des Geräts ist sehr flüssig, mit vereinzelten leichten Stotterern. Auch ist das Scrolling am großen Display oft nicht 100% flüssig (Manche nennen es Jelly-Scrolling), aber für mich nie wirklich störend. Ansonsten ist die Software von anderen Samsung Geräten wie Note 10 und S10 bekannt. Leider gab es zum Testzeitpunkt noch kein Update auf Android 10 und One UI 2.0. Selbst zwei Jahre alte Geräte wie das Galaxy S9 haben schon die neueste Software-Version. Warum sich Samsung beim absoluten Flaggschiff und Zukunfstgerät bis vorraussichtlich April 2020 Zeit lässt, erschließt sich mir nicht wirklich. Ein Grund könnte aber die starke Anpassung der Apps auf die beiden Displays sein, aber das ist reine Mutmaßung meinerseits. Toll ist jedoch das Multitasking mit bis zu drei geöffneten Apps nebeneinander. Ich kann zum Beispiel den Browser offen haben (ca 1/2 vom großen Screen) und daneben YouTube und z.B. willhaben öffnen werden auf der anderen Hälfte untereinander dargestellt).

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Foto: Weekend Magazin/Steinberger-Weiß

Fazit - DAS IST DIE ZUKUNFT!

Zwei Wochen mit dem Gerät haben mich nachhaltig geprägt. Zuerst dachte ich: Ach das ist zu groß und schwer. Davon ist keine Rede mehr. Ich liebe das gigantische faltbare Display. Die fühlbare Displayeinkerbung am Scharnier fühle ich zwar beim Bedienen, aber sichtbar ist sie meist nicht mehr. Es macht einfach unglaublich Spaß und bringt einen gigantischen Mehrwert, ein kleines Tablet immer dabei zu haben. Sei es für die Amazon Kindle App, Surfen im Internet oder das Browsen auf Facebook. Alles ist auf dem großen Display cooler und besser. Auch Pokémon Go spielt sich wahnsinnig geil drauf! So wie übrigens die meisten Spiele. Die Hardware ist TOP und das Display eine Wucht. Samsung hat die Fehler des ersten Fold perfekt ausgemerzt und zwar ein Gen1-Gerät am Start, allerdings was für eines.

Und jetzt der Wehrmutstropfen – der Preis! UVP für diesen Giganten ist 2.100 Euro. Auch da haben viele Leute erstmal geschluckt. Ich entgegne: Es ist die erste Generation der Faltsmartphones - so what! Natürlich bekommt man auch ein gutes Smartphone um 500 Euro, aber eben keines mit dieser Hardware und diesem Display. Ich vergleiche es oft mit Autos: Egal ob Dacia oder Porsche, beide bringen mich ans Ziel. Der Porsche dafür etwas komfortabler und besser ausgestattet. Das hat einfach seinen Preis. Und das Galaxy Fold 5G ist der Porsche der Smartphones. Rasend schnell und sehr innovativ. Immer im Hinterkopf behaltend, dass ich damit pfleglich umgehen muss und das Display schonen sollte. Aber das muss ich eigentlich bei jedem Smartphone. Bei Spaziergängen sehe ich so oft Menschen mit zerstörten Displays oder Folien. Ja, man kann Pech haben und das Gerät fällt runter, aber man kann auch viel selbst dazu beitragen, sein Gerät zu schützen und gut zu behandeln. Das klappt beim Fold 5G noch besser, wenn man den Kaufpreis im Hintergrund behält.

Samsung gibt übrigens ein Jahr Samsung Care + dazu. Bei einem Display- oder sonstigem selbst verursachten Schaden kann man das Gerät um 130€ Selbstbeteiligung reparieren lassen. Sehr fair, wie ich finde. Außerdem liegt dem Fold 5G eine schöne Schutzhülle in Carbon-Optik bei, sowie die Galaxy Buds True Wireless Kopfhörer. Da lassen sich die Koreaner nicht lumpen. Das Gerät ist meiner Meinung nach das „Next big thing“ und eine absolut innovative Neuerscheinung abseits des Mainstreams am Smartphonemarkt. Es bekommt von mir 10 von 10 Bewertungspunkten und ist für alle die das neueste und heißeste Gadget haben wollen ein MUST-HAVE. Das Gerät ist derzeit nur bei A1 (simlocked) erhältlich. Ich plädiere aber an Samsung, es doch BITTE in den freien Verkauf zu bringen. Aja und übrigens, die nächste Generation an Faltgeräten kommt demnächst. Das Samsung Galaxy Z Flip ist ein Foldable im Stil alter Klapphandies. Kostet mit 1.500 Euro etwas weniger als das Fold 5G. Mehr Infos dazu auf der Samsung Seite des Geräts.

Hinweis: Das Testgerät wurde mir von Samsung Austria für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung gestellt. Der Testbericht entsteht unabhängig und wird an Samsung vor Veröffentlichung nicht zur Freigabe gesendet.

Weekend-Redakteur Lukas Steinberger-Weiß ist ein Technik-Freak sondergleichen. Wobei ihn die Bezeichnung „Nerd“ nicht beleidigt, sondern ehrt. Er saugt alle Neuheiten in sich auf und ist immer am neuesten Stand, liebt Computerspiele, beschäftigt sich ausführlich mit den neuesten Smartphones und den dazugehörigen Gadgets und ist ein Experte für Unterhaltungselektronik. In seinem Blog testet er Spiele, Konsolen, Smartphones, Gadgets und vieles mehr und lässt die Leser an seiner Faszination für die spannende Technik-Welt teilhaben.

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