Natalie Portman: "Ich fürchte mich gern!"

First Lady Jackie Kennedy, nur Tage nach dem tödlichen Attentat auf JFK: „Jackie“ zeigt das berührende Porträt einer Frau im Ausnahmezustand. Die bereits als Oscar-Gewinnerin gehandelte Hauptdarstellerin Natalie Portman im exklusiven Weekend-Interview.

Natalie-Portman-Interview-Jackie
Das sagt sie über ihre Rollen Foto: FREDERIC J. BROWN / AFP / picturedesk.com

Mit gerade einmal 35 kann Natalie Portman bereits auf 22 Berufsjahre zurückblicken: Als die 1981 in Israel gebo­rene Schauspielerin im Alter von 13 Jahren ihr Debüt in „Léon – Der Profi“ gab, ahnte die Welt noch nicht, wie zielstrebig die junge Frau ihre Kar­riere vorantreiben sollte. Sie spielte in Erfolgen wie „Heat“, „Star Wars“ oder „Hautnah“. 2011 überreichte man ihr für „Black Swan“ einen Oscar. Jetzt wagt sie sich an die Ikonen der US-Geschichte heran. Im Film „Jackie“ (derzeit im Kino) spielt sie keine Gerin­gere als Jackie Kennedy, die neben ihrem Mann im Auto saß, als dieser 1963 erschossen wurde.

Weekend: Miss Portman, ­waren Sie schon einmal im Weißen Haus?

Natalie Portman: Ja, vor ein paar Jahren hatte ich eine Führung, dank Präsident ­Obamas Team. Das war sehr beeindruckend. Für „Jackie“ wurden die Räumlichkeiten nachgebaut, und zwar in Paris, wo wir den Film drehten. Aber ich kam mir vor, als wäre ich im echten White House. Der Kameramann drehte meistens mit der Kamera auf der Schulter, weshalb ich mich frei bewegen konnte, ohne auf Markierungen am Boden zu achten. Das, gepaart mit beinahe echten Räumen, sorgte für einen besonderen Rea­lismus.

Weekend: Ihr Look im Film ist fantastisch. Sie sehen Jackie Kennedy wirklich ähnlich.

Natalie Portman: Das hat viel mit den Outfits zu tun, die den Originalen nachempfunden sind. Ich sehe Jackie ehrlich gesagt nicht ähnlich, mal abgesehen von der Haarfarbe. Aber wenn ich nach der Maske in den Spiegel sah, hatte sogar ich manchmal das Gefühl, dass sie mir entgegenblickt.

Weekend: Jackie Kennedy war die erste der „modernen“ First Ladys. Also die, die auch mit Presse und TV gut konnte.

Natalie Portman: Sie und ihr Mann waren die ersten einer neuen Politikergeneration, ­deren Debatten im TV übertragen wurden. Entsprechend bewusst war sie sich, welche Wirkung Bilder auf die Menschen haben konnten. Nicht umsonst hat sie in ihren Interviews darüber gesprochen, wie unfair die TV-Debatten waren, weil John so selbstbewusst, jung und gut aussehend war. Nixon musste neben ihm zwangsläufig wie ein schwitzender alter Mann ­rüberkommen. Aber auch mit Blick auf sich selbst wusste sie um ihre Außenwirkung.

Weekend: Unter all Ihren bisherigen Rollen, wo würden Sie Jackie Kennedy einordnen?

Natalie Portman: Jeder hat sein eigenes Bild von Jackie Kennedy im Kopf, und man kann meine Darstellung mögen oder nicht. Ich war nie eine gute Imitatorin, sondern wollte immer auch meine eigene Sichtweise mit einbringen. In sofern glaube ich, dass Jackie Kennedy meine gefährlichste Rolle war, weil sie für jeden ­etwas anderes repräsentiert.

Weekend: Im Frühjahr kommt Ihr zweites Baby, Sie scheinen privat Ihre Rolle gefunden zu haben. Zugleich haben Sie bei Ihrem ersten Spielfilm Regie geführt, „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“. Verschieben sich Ihre Prioritäten?

Natalie Portman: Ja, das hängt alles miteinander zusammen. Durch die Geburt meines Sohnes wurde ich als Mensch ruhiger, was nicht zuletzt beim Regieführen hilft. Tatsächlich gibt es einige Parallelen zwischen dem Muttersein und dem Filmemachen. In beiden Fällen versucht man, eine Umgebung zu schaffen, in dem andere ihr Potenzial voll ausschöpfen können.

Weekend: 2011 gewannen Sie für „Black Swan“ den Oscar. Was machte diese Rolle so ­außergewöhnlich?

Natalie Portman: „Black Swan“ bedeutete für mich: 15 Stunden Drehtag, plus Training davor und danach. Eine ex­treme Erfahrung. Noch dazu wurde ich auf eine strenge Diät gesetzt, um das Gewicht einer Tänzerin zu erreichen. Ich hatte große Angst, diesen Part anzunehmen. Aber gewöhnlich ist das ein gutes ­Zeichen, wenn mir eine Rolle Angst macht. Denn das fordert mich heraus. Ich fürchte mich also gern (lacht).

Weekend: Wie sehen Sie Ihre Zukunft?

Natalie Portman: Ich bin nicht sicher, wie lange ich meinen Beruf als Schauspielerin ausüben werde. Denn man lebt ständig mit dem Druck, irgendwann durch eine jüngere, frischere Konkurrentin ersetzt zu werden. Ich möchte immer das Beste aus mir herausholen, fordere mich selbst sehr. Aber ganz ehrlich: Es gibt abseits der Schauspielerei noch so viele andere spannende Dinge im Leben. Mir würde sicher auch eine Alternative dazu einfallen.

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