Reich an Marotten: Die Eigenheiten der Millionäre

Sie bleiben drei Jahre im Bett, ernennen Tiere zum Chef, realisieren eigentlich unmögliche Projekte und geben Geld beidhändig aus. Der Geldadel und seine Marotten.

Mariah Carey
Mariah Carey soll 10.000 Paar Schuhe besitzen Foto: Dennis Van Tine/dpa Picture Alliance/picturedesk.com

Wer schon 4.000 Nobelautos besitzt, wie der Sultan von Brunei oder wie so mancher Scheich mit dem 380er-Zweitairbus unterwegs ist, bei dem stellt sich mitunter eine gewisse Übersättigung ein. Das viertausendundeinste Auto verliert dann doch irgendwann an Reiz. So gesehen ist es fast unausweichlich, dass man in gewissen Kreisen absonderliche bis abartige Marotten entwickelt. Beispielsweise hat Vajiralongkorn, der zukünftige König von Thailand, seinen Hund zum "Air Chief Marshal" ernannt. Bei einem Galadinner wurde der Zwergpudel in Militäruniform präsentiert und durfte am Tisch aus Gläsern trinken. Als der Hund voriges Jahr starb, wurde eine viertägige buddhistische Zeremonie abgehalten. Die angeblich goldenen WC-Deckel von Herrn Recep Erdogan in seiner 1.150-Zimmer-Bleibe in Ankara kamen in den Medien auch nicht gut an. Vielleicht hat er diese auch deshalb im Visier. Der reichste Mann der Welt, Bill Gates wiederum lässt sich feinsten Sand von der Karibik-Insel St. Lucia in die USA bringen, um dort einen ordentlichen Strand zu haben. Er dürfte auch Bücher lieben, denn der Microsoft-Gründer zahlte 1994 ganze 28 Millionen Euro für das wohl bekannteste "Buch" der Welt, den "Codex Leicester" von Leonardo da Vinci. Eine Sammlung von Schriften und Zeichnungen des Meisters. Wirklich krachen lassen es aber diverse königliche Oberhäupter aus dem arabischen Raum. 

Scheich und Co

Wenn beispielsweise der Herrscher des Emirates Dubai, Muhammad bin Raschid Al Maktum, in Deutschland weilt, reist er mit zwei Airbussen 380 an! Eine Armada von Chauffeuren bringt dann die Delegation ins Nobelhotel. Gefahren werden nur die teuersten Mercedes AMG. Bezahlt wird übrigens vornehmlich in bar. Das dürfte auch der Grund sein, warum in der Vergangenheit in einem deutschen Hotel ein Beauty-Case, vollgestopft mit Euro-Scheinen gefunden wurde, den eine königliche Hoheit vergessen hat. Scheich Hamad Bin Hamdan Al Nahyan ist als zweitreichster Mann der Vereinigten Arabischen Emirate nicht unbedingt bescheidener. Er hat vor einigen Jahren in den Sand einer Insel bei Abu Dhabi seinen Namen graben lassen. Die Buchstaben waren drei Kilometer lang und einen Kilometer breit und damit auch aus dem All gut zu erkennen. Reichtum verursacht übrigens mitunter Stress, denn es ist eine Art Wettlauf um die längste Privatjacht der Welt entbrannt. Derzeit ist die längste Jacht der Welt, die "Azzam" vom saudischen Prinzen Walid ibn Talal. Sie ist 180 Meter lang und kostet etwa eine halbe Milliarde Euro! Roman Abramowitsch ist sicher frustriert, denn seine "Eclipse" misst nur 162 Meter. 

Promi

Verrücktheiten betreffen natürlich nicht nur die Superreichen unseres Planeten. Auch Persönlichkeiten im Rampenlicht fallen des Öfteren mit entrücktem Verhalten auf. Mariah Careys 10.000 Paar Schuhe. die bei der Diva im Schrank stehen, wirken fast harmlos im Vergleich zu dem, was Ex-Beach Boy Brian Wilson zu bieten hat. Er verbrachte drei Jahre im Bett. Der Filmproduzent und Flugpionier Howard Hughes, dem man ein Filmdenkmal mit "Aviator" setzte, in dem Leonardo DiCaprio ein Bild eines genial Verrückten zeichnet, war ein solcher Fall. Er schloss sich 1947 für vier Monate in seinem privaten Kinosaal ein, wusch sich nicht, ließ Haare und Nägel wachsen, und er verbot seinen Angestellten ihn anzusprechen. Malermeister und Surrealist Salvador Dalí war in gewisser Weise selbst "surreal". Einmal im Jahr quartierte er sich in die Suite eines Pariser Nobelhotels, um dort zu arbeiten. Einmal ließ er sich eine Herde Schafe aufs Zimmer "liefern", um mit Platzpatronen auf die Tiere zu schießen. Einer der Meister der Exzentrik und Verrücktheit war aber Klaus Kinski. Das Schauspielgenie trieb nicht nur seine Regisseure mit Wutausbrüchen beinahe in den Wahnsinn, sondern hat sich seine Berliner Wohnung meterhoch mit Laub füllen lassen, angeblich nur, um zu erleben, wie sich Tiere im Wald fühlen. 

Früher war es nicht besser

Wer meint, dass Marotten ein Phänomen der heutigen Zeit sind, liegt falsch. Vor allem blaublütige Irrungen und Größenwahn gab es immer wieder. So soll der osmanische Sultan Ibrahim im damaligen Konstantinopel Bogenschießübungen auf seine armen Diener durchgeführt haben. Auch wird ihm nachgesagt, er hätte Berater beauftragt, die dickste Frau im Reich zu suchen, um diese zu heiraten. Caligula, der römische Kaiser, trieb es ebenfalls bunt. Er ernannte sein Pferd zum Konsul. Seine wilden Orgien waren ohnehin legendär. Sonnenkönig, Ludwig XIV. von Frankreich badete nur dreimal im Jahr und trug deswegen einen Anhänger mit Blut um den Hals. Das Blut lockte Flöhe an und hielt diese davon ab, an ihm zu saugen. Vielleicht sogar eine durchaus kluge Marotte. Auch unsere geliebte Sissi hatte eine Macke. Sie schminkte sie täglich stundenlang vor dem Spiegel, weil sie große Angst vor dem Altern hatte. Deswegen gibt es keine Fotos, die die Kaiserin älter als 30 Jahre zeigen.