Immer der Nase nach: Die Macht der Gerüche

Das Sprichwort "Jemanden nicht riechen können" kommt nicht von ungefähr – unsere Nase nimmt massiv Einfluss auf unser Leben und entscheidet sogar bei der Partnerwahl mit.

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Hmm, riecht das gut Foto: Sjale/iStock/Thinkstock

Der Duft von frischem Kaffee am Morgen, der Geruch von feuchtem Herbstlaub nach einem Regenguss, das Zimtaroma, das beim Kekse backen durch die Wohnung zieht: Düfte umgeben uns den ganzen Tag und theoretisch wäre der Mensch dazu in der Lage, eine Trillion Gerüche aufzunehmen. Dabei riechen wir nicht alle Düfte bewusst, vieles erschnuppern wir, ohne uns dessen überhaupt klar zu sein. Beeinflussen können uns die Gerüche trotzdem.

Spärlich ausgerüstet

Eine Trillion Gerüche sind erstaunlich. Dabei ist die Nase des Menschen im Vergleich zu Hunden recht bescheiden entwickelt. Sechs bis 30 Millionen Riechzellen besitzen wir, unsere vierbeinigen Freunde können mit 220 Millionen Riechzellen aufwarten. Im Laufe der Evolution entwickelte sich unser Geruchssinn immer mehr zurück – heute muss schließlich niemand mehr auf der Jagd die Beute wittern. Der Geruch des nächsten Kebabstandes entgeht uns zum Glück auch mit unserer zurückentwickelten Nase nicht!

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Der Geruch von Herbstlaub ist betörend Foto: Shaiith/iStock/Thinkstock

Mit Gefühl

Nehmen wir Düfte wahr, werden diese – zusammen mit der jeweiligen Situation – in unserem Gehirn abgespeichert. Der Geruch von frisch gebackenem Brot kann uns so automatisch an unsere Oma und Kindheit erinnern. Der typische Zahnarztgeruch hingegen treibt uns zähneklappernd Schweißtropfen auf die Stirn.

Konditionierung

Man kann sich diese Verknüpfung von Gerüchen und Situationen für das tägliche Leben geschickt zunutze machen. Besprüht man sich mit konzentrationsfördernden Düften wie Minze oder Zitrone und setzt sich anschließend brav an den Schreibtisch, lernt das Gehirn diese Verbindung. Benutzt man den Duft das nächste Mal, ist dem Hirn sogleich klar: Aha, jetzt ist Konzentration angesagt und es arbeitet sich gleich leichter.

Ich kann dich nicht riechen

Der Geruchssinn hat auch bei der Partnerwahl ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. In einer Studie wurden Frauen verschwitzte T-Shirts von Männern vorgelegt, an denen sie riechen und bewerten mussten. Das Interessante: Die Frauen bevorzugten stets genau das T-Shirt der Männer, deren Erbgut sich am meisten von dem ihren unterschied. Die Chemie zwischen zwei Menschen muss eben einfach stimmen.

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Paare sollten sich gut riechen können Foto: shironosov/iStock/Thinkstock
Entscheidend ist dabei der Hautgewebekompatibilitätskomplex (MHC). Die MHC-Gene können uns beim Flirten mitteilen, ob wir eventuell mit unserer neuen Eroberung verwandt sein könnten. Wenn wir vom Körpergeruch des Partners gar nicht genug kriegen können, kann man davon ausgehen, dass sich das Genmaterial so weit unterscheidet, dass man gesunden Nachwuchs zeugen könnte.

Parfum unterstreicht den eigenen Duft

Wer gerne Parfum verwendet und sich jetzt sorgt, seinen ganz individuellen Körpergeruch zu verfälschen und so im schlimmsten Fall potenzielle Partner mit der Duftwolke in die Flucht zu schlagen, kann beruhigt sein: Parfum überdeckt den eigenen Körpergeruch nie vollständig, sondern unterstreicht ihn nur. Unsere spezielle Körperchemie ist auch der Grund dafür, dass ein und dasselbe Parfum bei allen Menschen unterschiedlich duftet.

Neuwagen-Geruch

Düfte werden auch bewusst eingesetzt, um unser Kaufverhalten zu beeinflussen. Bei starkem Zimt-Geruch neigen wir zum Beispiel dazu, mehr Geld auszugeben.

Auch die Automobilhersteller wollen die Kunden nicht nur optisch, sondern auch olfaktorisch überzeugen. Mercedes Benz beschäftigt seit 1992 ein eigenes Duftteam, das jedes verbaute Autoteil einer strengen Prüfung unterzieht. Was zu streng riecht, darf nicht verbaut werden, denn am Ende darf das Auto nur nach Leder und ja nicht nach Kunststoff riechen.

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