Top 5: Liebesmythen auf dem Prüfstand

Gibt es Liebe auf den ersten Blick und falls ja – muss die Liebe dann bedingungslos sein? Wir räumen mit fünf gängigen Mythen rund um die Liebe auf und zeigen, welche davon man getrost vergessen kann.

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Reicht die Liebe allein oder ist sie an Bedingungen geknüpft? Foto: ssuaphoto/iStock/Thinkstock

Rund um die Liebe ranken sich viele Mythen – manche lassen sie erblühen und manche von ihnen haben Dornen, die einer normalen, bodenständigen Beziehung gefährliche Stiche versetzen können. Höchste Zeit festzustellen, an welchen Vorstellungen wirklich etwas dran ist und welche wir lieber – wie Unkraut – aus unseren Gedanken reisen sollten.

1. Liebe auf den ersten Blick

An alle Romantiker: Es gibt sie tatsächlich, die sagenumwobene Liebe auf den ersten Blick. Denn laut einer Studie brauchen wir nur ein Fünftel einer Sekunde, um zu entscheiden, ob uns eine Person sympathisch ist oder nicht. Wie lange dieses erste Verliebtheitsgefühl dann anhält und ob sich daraus eine bleibende Beziehung entwickelt ist eine andere Frage, doch Forscher schätzen, dass die Hälfte aller Beziehungen aufgrund eines magischen ersten Blicks entstand. Auch beim Speeddating entscheidet sich die Partnerwahl nicht in den kurzen drei Minuten, sondern man entscheidet sich laut Untersuchungen bereits nach drei Sekunden dafür, welchen der Kandidaten man wiedersehen möchte und welchen nicht.

2. Liebe muss bedingungslos sein

Das Ideal der Liebe: Den anderen so annehmen, wie er ist, ohne etwas an ihm verändern zu wollen. Ist da etwas Wahres dran? Oder wäre so eine Liebe gar nicht wünschenswert? Bedingungslose Liebe als Ideal zu sehen bedeutet in einem ersten Schritt, Bedingungen als schlecht anzusehen. Doch ist das wirklich so? Kann man dadurch, dass man an den anderen gewisse Bedingungen stellt, diesem nicht auch dabei helfen zu wachsen und sich zu entwickeln? Eine partnerschaftliche Liebe kann im Grunde nicht ohne Bedingungen bestehen – denn ansonsten würde sich einer der beiden Partner komplett aufgeben. Jeder Mensch, ob in einer Beziehung oder nicht, sollte aber ein selbstständiges Leben führen und nicht vom Partner abhängig sein. Man sollte den anderen nicht lieben, weil man ihn braucht, sondern ihn brauchen, weil man ihn liebt, sagte schon Erich Fromm in seinem Klassiker "Die Kunst des Liebens".

Darf ich nun also an meinen Partner Bedingungen stellen, so wie auch ein jeder von uns an das Leben und eine Beziehung im Allgemeinen Bedingungen stellt und Erwartungen hat? Beispielsweise kann man sich von einem potenziellen Partner erwarten, dass er treu und ehrlich ist. Ist er es nicht und hat so unsere Bedingungen nicht erfüllt, ist es dann nicht legitim, ihn zu verlassen?

Es kommt wohl auf die Art und Weise an, wie man seine Bedingungen formuliert. "Wenn du nicht 5 Kilo abnimmst, verlasse ich dich", wäre sicher nicht die feine englische Art und der Liebe nicht zuträglich. Aber was, wenn einer der Partner sich Kinder wünscht, der andere nicht? Muss dann der eine seinen Familienwunsch und seine Erwartungen an das Leben aufgeben? Oder wäre es in so einem Fall nicht doch für beide Parteien besser, sich zu trennen, um einen neuen Partner zu finden, der besser mit den eigenen Wünschen und Bedingungen, die man an das Leben stellt, harmoniert?

3. Gegensätze ziehen sich an

Wie aufregend: Eine Beziehung mit einem Partner, der so völlig anders ist als man selbst. Aus der ehemaligen Couch-Potato wird kurzerhand ein wagemutiger Bungeeseil-Springer – nur aufgepasst, dass man nicht irgendwann allein im luftleeren Raum hängt. Denn auch wenn eine Beziehung, die auf Gegensätzen beruht, im ersten Moment spannend und prickelnd sein kann, entsteht daraus selten eine jahrelange glückliche Beziehung. Denn gemeinsame Interessen und Vorlieben sind dafür eine Voraussetzung und verringern auch das Konfliktpotenzial.

4. Streit schadet der Beziehung

Der Mann kann einfach nicht der richtige sein, ständig gibt es nur Streit. Wirklich? Muss eine Beziehung stets harmonisch ablaufen und darf selten mal ein lautes Wort fallen? Streit ist eine Notwendigkeit in einer Beziehung, denn nur so kann man gemeinsam Themen aushandeln und einen Kompromiss finden, mit dem beide Partner leben können und sich so überhaupt ein Fortbestehen der Beziehung vorstellen können. Wer nicht streitet, gibt der Beziehung keine Chance und wird sich irgendwann als Single wiederfinden.

Wichtig ist aber, wie man streitet. Dabei ist es – sagen wir mal Geschmackssache – ob man lieber kurz und heftig brüllt oder sachlich diskutiert. Aber man sollte den anderen stets mit Respekt behandeln und Fehler in der Kommunikation vermeiden. Dem anderen an allem die Schuld zu geben, während man selbst als Unschuldslamm dasteht oder dem anderen gar verächtliche Bemerkungen an den Kopf zu werfen, schadet tatsächlich der Beziehung!

5. Liebe allein reicht

Man muss den anderen nur genug lieben, um die Welt aus den Angeln zu heben und alles zu schaffen. Schön war's … Aber wenn man mal ganz ehrlich ist und die rosarote Brille abnimmt, muss man sich wohl eingestehen, dass die Liebe allein eben nicht immer reicht. Wo wir übrigens wieder bei Punkt zwei, den Bedingungen in der Liebe wären. Denn was, wenn ein Partner aufgrund eines Jobwechsels umziehen muss? Ist man anfangs noch überzeugt, dass das kein Problem sei und die Liebe das aushält, zeigen sich dennoch nach einer gewissen Zeit die ersten Risse in der Beziehung. Ohne ein gemeinsames Leben kann die Liebe noch so groß sein …  Und was, wenn der eine ein notorischer Fremdgänger ist, nach jedem Ausrutscher aber reumütig beteuert: "Aber Schatzi, ich liebe dich doch." Reicht das? Irgendwann wohl nicht mehr. Liebe ist Grundlage und Voraussetzung für eine Beziehung – und eine Beziehung ist ein hartes Stück Arbeit, in der es auf die richtige Kommunikation ankommt und darauf, wie man es schafft, die eigenen Bedürfnisse mit denen des Partners in Einklang zu bringen.

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