Leben ohne Schlaf? 3 Menschen brechen alle Rekorde

Schlaf ist überbewertet? Dachten sich diese drei Menschen auch, blieben einfach wach und stellten dabei beeindruckende Rekorde auf! Wie lange kann man ohne Schlaf leben und was hat Rohkost damit zu tun?

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Manchmal könnte man im Stehen einschlafen Foto: gpointstudio/iStock/Thinkstock

Was gibt es schöneres als nach einem langen, anstrengenden Tag zufrieden in sein Bett zu fallen und wohlig einzuschlummern, um an nächsten Morgen erfrischt und voller Tatendrang wieder zu erwachen? Eigentlich nichts, dennoch dachten sich einige Menschen, sie können auf Schlaf verzichten und versuchten so lange wie möglich wach zu bleiben. Rekorde stellten sie dabei auf – aufgrund der Gefahr für die Gesundheit weigert sich das Guiness Buch der Rekorde aber, Rekorde im Wachbleiben anzuerkennen. 

Warum wir Schlaf brauchen

Der Mensch schläft meist zwischen sechs und acht Stunden die Nacht. Ist das nun verlorene Zeit, oder brauchen wir Schlaf um leben zu können? Interessanterweise hat die Wissenschaft bis heute nicht endgültig geklärt, wieso wir Menschen (und Tiere) Schlaf brauchen. Man geht aber davon aus, dass wir die Erlebnisse des Tages verarbeiten, Gelerntes wird im Langzeitgedächtnis verankert, das Immunsystem wird gestärkt, der Stoffwechsel reguliert sich, Wachstumshormone werden ausgeschüttet und nicht zuletzt brauchen wir den Schlaf für eine gesunde Psyche – jeder weiß, wie aufwühlend eine schlaflose Nacht sein kann. 

Was passiert, wenn man zu wenig schläft?

Zu wenig Schlaf führt nicht nur zu verstärkten Grübeleien, sondern wirkt sich auch nachteilig auf die Konzentration und die Wahrnehmung aus. Auch Sekundenschlaf ist nach einer gewissen Zeit ein Problem. Je länger man wach ist, desto mehr leidet man an Gedächtnislücken und Stimmungsschwankungen. Ernsthafte medizinische oder neurologische Probleme konnten allerdings nicht nachgewiesen werden. Ob es also möglich wäre, einfach nicht mehr zu schlafen? Zugvögel beispielsweise verzichten bei ihren langen Flügen gen Süden wochenlang auf Schlaf. Die Wissenschaft kennt bis jetzt ebenso keinen Fall, an dem ein Mensch direkt an den Folgen eines Schlafmangels verstarb. Zwar gibt es sehr seltene Krankheiten, wie die letale familiäre Insomnie, bei der Betroffene zwischen sechs und 30 Monate lang keinen Schlaf finden. Diese Krankheit endet stets mit dem Tod, Grund dafür ist aber ein Organversagen und nicht der Schlafentzug. Wissenschaft und Militär hätten durchaus Interesse daran, dass Menschen ohne Schlaf auskommen. Diese fünf Wagemutigen haben den Versuch gewagt!

1. Randy Gardner – 264 Stunden

Der Rekordhalter seit den 60er Jahren ist Randy Gardner, der im Alter von 17 Jahren ganze elf Tage lang wach blieb. Das Experiment wurde genau dokumentiert. Ging es dem jungen Schüler die ersten Tage noch verhältnismäßig gut, konnte er bei fortschreitender Dauer des Experiments irgendwann Gegenstände nicht mehr klar erkennen, litt unter Gedächtnislücken und Stimmungsschwankungen. Er war reizbar und litt unter Halluzinationen. Ablenkung war auch nicht möglich, bereits an Tag zwei des Experiments war fernsehen zu anstrengend, auch der Tastsinn ging dem jungen Mann verloren. Bereits am vierten Tag litt der weiße Randy Gardner unter so starken Halluzinationen, dass er der Meinung war, er sei ein schwarzer Football-Spieler. Bleibende Schäden hinterließ dieses Experiment aber nicht, nach einer erholsamen Nacht war alles wieder in Ordnung.

2. Tony Wright – 266 Stunden

Im Jahr 2009 blieb der Brite Tony Wright mehr als elf Tage wach. Wie im das gelang? Nach eigenen Angaben sei es wichtig, aktiv zu bleiben und sich zu beschäftigen. So konnte Tony Wright auch noch an Tag zehn des Experiments Flipper spielen. Er litt aber genauso wie Randy Gardner an Halluzinationen, Stimmungsschwankungen und Konzentrationsproblemen. Tony Wright, der normalerweise jede Nacht nur fünf Stunden schläft, hat auch seine ganz eigene Theorie, wieso er weniger Schlaf benötigt als andere Menschen: Er ernährt sich ausschließlich von rohem Obst und Gemüse, trinkt keinen Alkohol und raucht nicht. Durch diesen Lebensstil seien seine Gehirnhälften besser miteinander vernetzt, was dazu führt, dass sich eine Hälfte erholen kann, während die andere kurzfristig die Aufgaben übernimmt. So müsse der Körper nicht in einen Schlafzustand fallen, um sich zu erholen. Tony Wright gilt aber, da das Guinness Buch der Rekorde lebensgefährliche Rekorde nicht mehr listet,  nur als inoffizieller Rekordhalter.

3. Mehmet Inanc – 55 Jahre

In der Türkei gibt es einen Mann, der seit unglaublichen 55 Jahren wach ist – allerdings nicht ganz freiwillig. Ärzte stehen vor einem Rätsel. Weder reagiere der Mann auf Narkosemittel, noch auf Hypnose. Begonnen hat Inanc's Schlaflosigkeit mit einem traumatischen Erlebnis im Jahr 1960: Er sah, wie ein Mädchen ertrank. Von da an war an Schlaf nicht mehr zu denken. Wie kann es aber sein, dass Mehmet Inanc 55 Jahre wach ist, ohne an den kognitiven und emotionalen Problemen wie Randy Garnder oder Tony Wright zu leiden? Neurologen vermuten, dass der mittlerweile 92-jährige Mann immer wieder mit offenen Augen einnicke, ohne es bewusst zu merken. Also kann man das weniger als einen Fall von Schlaflosigkeit bezeichnen, sondern eher als eine wirklich sehr spezielle Art des Schlafens. Auch wenn Mehmet Inanc seinen eigenen Schlaf nicht wahrnimmt und es sich hier um ein Schlafwahrnehmungsproblem handelt, gibt seine Frau ganz klar an, dass ihr Mann immer mal wieder (besonders gerne vor dem Fernseher) einschlafe. 

Polyphasische Schlafmuster

Prinzipiell kann jeder Mensch mit weniger Schlaf auskommen, er muss dafür nur seine Schlafzeiten völlig anders aufteilen. Das nennt man polyphasische Schlafmuster. Anstelle von acht Stunden am Stück schläft man so nur noch zwei Stunden innerhalb von 24 Stunden und das aufgeteilt auf sechsmal 20 Minuten alle vier Stunden. Nach einigen Tagen der Umgewöhnung hat man sich so daran gewöhnt, dass man in diesen 20 Minuten sofort in einen Tiefschlaf fällt. Es gibt aber auch andere Schlafmuster, so kann man auch viermal 30 Minuten ruhen oder drei Stunden durchschlafen oder dreimal 1,5 Stunden schlafen. Auch wenn man so sehr viel mehr Zeit zur Verfügung hat und auch berühmte Persönlichkeiten wie Leonardo da Vinci oder Mozart nie lange am Stück schliefen,  ist es nicht empfehlenswert, dies auf Dauer durchzuhalten. Dazu fehlen nämlich noch aussagekräftige Langzeitstudien. 

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