Ist das die teuerste Kreditfalle der Welt?

Jeder kennt ihn, viele nutzen ihn und für manche wird er zu einer echten Kreditfalle: der Dispokredit. Er soll bei finanziellen Engpässen helfen, wird aber leicht zu einer Dauereinrichtung und kostet extrem viel Geld. Die Zinsen für das überzogene Konto liegen bei vielen Banken über 10 %, während man einen Ratenkredit aktuell schon für einen sehr niedrigen einstelligen Zinssatz bekommen kann.

Kredit Pleite Geld
Foto: derneuemann/Pixabay

Für viele Verbraucher gilt, dass sie durch die Umschuldung mit einem Ratenkredit jedes Jahr deutlich sparen könnten. Die Beantragung ist leicht, denn man kann einen Überziehungskredit online abschließen. Die Umschuldung ist schnell erledigt und bringt schon ab der Überweisung des Kreditbetrags auf das Girokonto eine deutliche Ersparnis mit sich.

Der Dispo - viel Freiheit und hohe Kosten

Ein Dispo kann flexibel genutzt werden, eine Freiheit, die sich die Banken gut bezahlen lassen. Die durchschnittlichen Zinsen liegen laut Stiftung Warentest im August 2018 bei 9,72 %. Teilweise werden bis zu 13 % fällig. Noch schlimmer sieht es aus, wenn man auch den Dispo überzieht, denn dann fallen Überziehungszinsen in Höhe von bis zu 19 % an. Der Dispo ist also die teuerste Methode, sich Geld zu leihen.

Die Bank wechseln?

Natürlich kann man auch zu einer Bank mit niedrigeren Dispozinsen wechseln. Das kann jedoch andere Nachteile haben. Zunächst einmal kann man davon ausgehen, dass die Bank sich die "verlorenen" Zinsen auf andere Weise zurückholt, etwa über Gebühren für verschiedene Leistungen. Und dann ist der Wechsel der Bank immer mit Aufwand verbunden, vor allem, wenn man viele Daueraufträge eingerichtet hat. Da lohnt es sich eher, sich vom Dispo zu verabschieden und bei der Bank zu bleiben. Vorausgesetzt natürlich, man ist ansonsten zufrieden.

Konto länger als geplant im Minus

Eigentlich ist der Dispositionskredit dafür da, um kurzfristige Engpässe auszugleichen. Darum werden seinen Kosten auch auf den Tag genau berechnet. Zudem muss ein Dispo, wenn er einmal eingerichtet ist, nicht mehr beantragt werden, was seine Nutzung sehr einfach macht. Doch welche Arten von Engpässen werden eigentlich damit ausgeglichen? Wenn man kurze Zeit arbeitslos ist oder einen neuen Job angenommen hat, dann gibt es eventuell eine Lücke bei den monatlichen Zahlungen, die durch den Dispo aufgefangen wird. Das gilt auch, wenn man kurzfristig Geld verleihen möchte, das nur wenig später wieder eingezahlt wird. In der Realität sieht es jedoch so aus, dass das überzogene Konto wie ein Konsumkredit verwendet wird. Laut Statista planen 87 % der befragten Personen, das Konto erst innerhalb eines Jahres wieder auszugleichen. Viele kennen nicht einmal die Höhe der Zinsen. Ein Jahr ist ein langer Zeitraum, wenn man es durch die Zinsenbrille betrachtet.

So teuer ist der Dispo wirklich

Angenommen, das Konto ist mit 1.000 Euro im Minus und wird nach einem Jahr ausgeglichen. Dann fallen in 12 Monaten bei einem Zinssatz von 9,78 % Zinskosten von 100 Euro an. Beantragt man hingegen einen Ratenkredit in derselben Höhe, der ebenfalls ein Jahr läuft und mit 3,76 % verzinst wird, entstehen im gleichen Zeitraum Zinskosten von rund 20 Euro. Bei einer guten Bonität gibt es teilweise sogar kostenlose Kredite. Da spricht alles dafür, das Girokonto schnell auszugleichen! Ein Online-Ratenkredit ist schnell und einfach beantragt, man muss dafür nicht einmal das Haus verlassen. Alle wichtigen Daten können online ausgetauscht werden.

Vorteile und Nachteile

Wer eine Anschaffung plant oder kurzfristig Geld braucht, der muss eine Entscheidung treffen. Hierfür braucht es Faktenwissen:

Die Vorteile:

  • Dispo: Schnell, flexibel, beliebt zurückzahlbar, freier Verwendungszweck
  • Ratenkredit: Günstig, feste monatliche Raten, fester Zinssatz

Die Nachteile:

  • Dispo: Teuer. Die Zinsen können während der Laufzeit erhöht werden. Die Dispofalle droht. Die Bank kann den Dispo kündigen.
  • Ratenkredit: Je nach Vereinbarung vorzeitige Ablöse nur mit zusätzlichen Kosten möglich.

Ein Ratenkredit ist deutlich günstiger und gibt Planungssicherheit. Die Länge der Abzahlung, die monatliche Belastung und die zusätzlichen Kosten stehen von vornherein fest.

Die Dispofalle

Wessen Konto dauerhaft im Minus ist, der ist in die Dispofalle geraten. Das Problem: Wer im Januar kein Budget hat, um eine bestimmte Anschaffung zu machen, hat im Juni den Betrag auch nicht. Es sei denn natürlich, das Einkommen hat sich deutlich erhöht. Man kauft also etwas, das man sich nicht leisten kann und kann das entstandene Loch nicht ausgleichen, weil es sich einfach um "fehlendes Geld" handelt. Die anfallenden Zinsen verschlimmern das Problem, denn sie nagen zusätzlich an den Einnahmen. Es gibt einige Betroffene, die es allein nicht aus dem Minus schaffen. So kann es gelingen:

  1. Den Dispo mit einem Ratenkredit umschulden.
  2. Mit der Bank vereinbaren, dass das Konto nicht mehr überzogen werden darf.
  3. Auf Anschaffung sparen oder:
  4. Günstig finanzieren, etwa mit der 0 % Finanzierung bei manchen Märkten und Versandhäusern.
  5. Bewusst konsumieren! Man muss nicht jeden Trend mitmachen.

Ein weiterer Grund, aus der Dispofalle zu kommen: Die Bank kann den Dispo kündigen, wenn die monatlichen Einnahmen nicht ausreichen, um ihn auszugleichen. Das bedeutet auch, dass man bei der Schufa einen negativen Eintrag bekommt, der die Kreditwürdigkeit (Bonität) beeinträchtigt. Das kann bei zukünftigen Geldgeschäften sehr hinderlich sein.