Bitte kein Kontakt: Die abgeschiedensten Naturvölker dieser Erde

Der 27-jährige John Allan Chau wurde von den Bewohnern von Sentinel Island ermordet. Das Volk gab klar zu verstehen, dass es keinen Kontakt zur Zivilisation möchte. Wer diesen Wunsch nicht respektiert, bezahlt mit dem Leben.

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Die Huli imitieren in ihren Tänzen Paradiesvögel Foto: Patricio Robles Gil / Minden Pictures / picturedesk.com

John Allan Chau wollte Sentinel Island erforschen, eine Insel, auf der das Volk der Sentinelesen lebt. Den Kontakt zur Zivilisation möchten sie bewusst vermeiden, und das zeigen sie auch auf aggressive Art und Weise. Die Regierung erklärte die Insel somit als Sperrgebiet, doch Chau umging dieses Verbot und ließ sich auf die Insel bringen.Ein Fehler, den er mit dem Leben bezahlte. Und auch andere Völker leben auf sehr zurückgezogene Art und Weise.

In den Tiefen des Dschungels, in den Weiten der Steppe, in den sibirischen Schneefeldern: Indigene Völker leben zurückgezogen vom Rest der Zivilisation. Rund 150 Millionen Indigene leben weltweit in 60 verschiedenen Ländern.

Manche Völker haben regelmäßig Kontakt zu anderen Gruppen, andere hingegen meiden jede Berührung mit der modernen Zivilisation. Hier spricht man von unkontaktierten Völkern. Dem Wunsch nach Abgeschiedenheit dieser Völker sollte man unbedingt nachkommen. Denn für diese Menschen können Krankheiten wie Masern oder eine Grippe tödlich enden, da sie dagegen keine Abwehrkräfte entwickelt haben. Durch Gewalt oder das Einschleppen von Krankheiten wurden schon ganze Völker ausgelöscht.

 Insgesamt gibt es weltweit nur noch rund 100 unkontaktierte Völker, von deren Lebensweise man wenig weiß, die meisten leben im Amazonas. Da Forscher den Wunsch der Völker nach Abgeschiedenheit respektieren, kann man nur durch seltene Luftbeobachtungen Hinweise zu ihrer Lebensweise entnehmen. Überfliegen Flugzeuge das Gebiet der Unkontaktierten, reagieren diese häufig abwehrend, feuern Pfeile auf das Flugzeug ab oder signalisieren mit gekreuzten Speeren, dass sie in Ruhe gelassen werden möchten. Forscher gehen davon aus, dass die unkontaktierten Völker von der Außenwelt wissen, sich aber bewusst gegen einen Kontakt entschieden haben. Ein Wunsch, der respektiert werden sollte. Leider sind indigene Völker und deren Lebensraum zunehmend bedroht, die Rodung der Regenwälder für mehr Agrarland ist eines der größten Probleme.

Indigene Völker verfügen über ein einmaliges Wissen über die Natur, die Pflanzen und Tiere und pflegen einzigartige Traditionen. Diese fünf Völker können einen kleinen Eindruck davon geben, wie vielfältig unsere Welt ist.

1. Huli

Die Huli leben in Papua Neu-Guinea. Besonders charakteristisch für diese Gruppe sind ihre rituellen bunten Bemalungen und die auffälligen Hüte. Diese Hüte werden aus den Haaren der Männer gefertigt! In rituellen Tänzen imitieren die Männer die auf der Insel lebenden Paradiesvögel. Ehen werden grundsätzlich arrangiert und ein Mann kann mehrere Frauen haben. Die Huli haben einen recht engen Kontakt zur Außenwelt, manche sprechen Englisch.

2. Yanomami

Die Yanomami in Südamerika sind eine Gruppe von ungefähr 35.000 Mitgliedern. Sie leben im Regenwald auf einer Fläche doppelt so groß wie die Schweiz und verfügen somit über das größte bewaldete indigene Territorium der Welt. Die Yanomamis bauen große Gemeinschaftshäuser, die auch schon einmal bis zu 400 Mitglieder beherbergen können. Kochen muss sich aber jede Familie an ihrer eigenen Feuerstelle selbst. Die Menschen leben als Jäger und Sammler, betreiben aber zum Großteil Gartenbau. Für den Fischfang haben die Yanomamis eine raffinierte Methode: Sie bedienen sich giftiger Kletterpflanzen, die sie auf die Wasseroberfläche schlagen, damit das Gift austritt. Die Fische werden so betäubt und können einfach eingesammelt werden.

Bei den Yanomamis geht es sehr demokratisch zu, es gibt keinen Anführer und Entscheidungen werden vorher lange diskutiert. Für die Sicherstellung ihrer materiellen Bedürfnisse benötigen die Yanomami nicht mehr als vier Stunden pro Tag, weswegen sie sehr viel Zeit für Zeremonien und Rituale haben.

Zum ersten Mal in Kontakt mit der Außenwelt kamen die Yanomami 1940, durch die Einschleppung von Krankheiten wurden ganze Dörfer ausgerottet. Auch der Gier und Gewalt von Goldgräbern fielen viele Yanomamis zum Opfer, 20 Prozent der Mitglieder wurden ausgelöscht.
Heutzutage haben die Yanomamis ihre eigene Organisation gegründet, die Stammesmitglieder als Lehrer ausbildet und dafür eintritt, die Rechte der Yanomami zu schützen.

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Ein Mitglied der Yanomami Foto: Robin Hanbury-Tenison / robertharding / picturedesk.com

3. Sentinelesen

Berühmt wurde dieses Volk, das auf einer Insel im Indischen Ozean lebt, vor einigen Jahren. Die Stammesmitglieder überlebten den verheerenden Tsunami, schossen jedoch Pfeile auf vorbeifliegende Hubschrauber ab. Dass sie keinen Kontakt zur Außenwelt wünschen, macht dieses Volk sehr klar. 2006 näherten sich zwei Fischer der Insel und vertäuten ihr Boot vor der Insel. Diesen Fehler bezahlten sie mit ihrem Leben.

Über die Lebensweise der Sentinelesen weiß man nur sehr wenig: Sie jagen, sammeln, bauen Boote und gehen dem Fischfang nach. 

In den 80er-Jahren versuchte die Regierung Kontakt zu den Sentinelesen aufzunehmen und überreichte regelmäßig Geschenke in Form von Kokosnüssen. Die Sentinelesen reagierten darauf teils mit Gewalt, teils nahmen sie die Geschenke aber auch an. In den 90er-Jahren schien sich der Kontakt zu verdichten, doch dann reagierten die Indigenen wieder sehr abweisend und es wurde beschlossen, die Sentinelesen in Ruhe zu lassen. Nun wird in regelmäßigen Abständen aus der Ferne untersucht, ob sich die Sentinelesen bester Gesundheit erfreuen und eventuell von sich aus Kontakt aufnehmen möchten. Ist dem nicht so, wird das Volk wieder in Ruhe gelassen.

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Die Insel der Sentinelesen Foto: Jesse Allen / NASA

4. Dogon

Rund 350.000 Mitglieder hat das Volk der Dogon, die im Nordwesten von Burkina Faso leben. Der Gemeinschaft steht ein Dorfältester vor, Frauen werden üblicherweise beschnitten. Die Dogon bauen Hirse an und halten Ziegen und Schaffe.

Die Dogon haben einen starken Ahnenkult, sie glauben, dass die Verstorbenen regelmäßig ins Dorf zurückkehren, um nach dem rechten zu sehen. Besonders bekannt sind die Dogon für ihre aufwendigen Masken, die bei Festen oder Trauerfeiern zum Einsatz kommen und die Männer bei ihren rituellen Tänzen schmücken.

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Traditionelle Masken der Dogon Foto: Ernst Weingartner / picturedesk.com

5. Nenzen

Im verschneiten Sibirien auf der Jamal-Halbinsel findet man die Gruppe der Nenzen. Minus 50 Grad machen diesen Indigenen nichts aus. Die 10.000 Mitglieder leben als Nomaden und bewegen sich mit Rentierschlitten vorwärts. Rund 300.000 Rentiere können sie ihr Eigen nennen. Heutzutage ist die Lebensweise der Nenzen bedroht, da ihr Lebensraum durch die Entdeckung von großen Gasvorkommen für die Wirtschaft von großem Interesse ist.  

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Das traditionelle Leben der Nenzen ist gezählt Foto: Bai Xueqi Xinhua / Eyevine / picturedesk.com

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