Lukas' Nerd Blog: Weg mit dem Speck - das Huawei P10 Lite im Test

Vor kurzem war Huawei hierzulande praktisch unbekannt. Mittlerweile liegen die Chinesen weltweit auf Platz 3 der größten Smartphone-Hersteller - eine beachtliche Leistung. Für meinen ersten Smartphone-Test hat mir Huawei das P10 Lite zukommen lassen. Da lass' ich mich natürlich nicht zwei Mal bitten - hier meine Erfahrungen mit dem neuen China-Kracher in der Mittelklasse.

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Foto: Weekend Magazin/Steinberger
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All jenen, die mit der Welt von Huawei noch nicht vertraut sind, zum Einstieg eine kleine Starthilfe: Die Chinesen unterteilen ihre Geräte in Lite, Normal und Plus. Die neueste P10-Serie besteht also aus einem abgespeckten P10 Lite, dem normalen P10 und dem P10 Plus. Für mich persönlich waren die Mittelklasse-Geräte bisher eigentlich ein No-Go. Denn ich werde bei der brachialen Leistung der stärksten Smartphones schwach. Aber in letzter Zeit fällt mir immer häufiger auf, dass auch die Mittelklasse mittlerweile viel besser ist als noch vor einigen Jahren, und das zu erträglichen Preisen. Also habe ich dem P10 Lite eine Chance gegeben - und wurde sehr positiv überrascht!

Design - Goldfinger

Schon beim Auspacken werden Glücksgefühle frei - denn Huawei hat mir die Version in Weiß-Gold geschickt. Ja, ich gebe es zu: Ich mag es weiß - der schwarze Einheitsbrei geht mir nicht nur bei den Autos auf die Nerven, sondern auch bei den Smartphones. Doch nicht nur die Farbe gefällt mir, sondern auch die Verarbeitung: abgerundete Kanten vorne und hinten, eine Glasrückseite und ein goldener Rahmen - alles wertig zusammengeschraubt. Allein, was die Verarbeitung betrifft, halte ich hier kein 300 Euro-Smartphone in den Händen, sondern ein deutlich höherwertiges. Alles wirkt wie aus einem Guss - da hat Huawei volle Arbeit geleistet!

Hardware - nicht alles Gold was glänzt

Viele stellen sich jetzt sicher die Frage - warum kostet es nur rund 300 Euro, wenn das Design so toll ist? Naja, Design ist zwar mittlerweile immer wichtiger, aber es zählen doch immer noch die inneren Werte! Und damit beginnt die Abspeck-Kur: ein schwächerer Prozessor als im P10, der Speicher ist etwas langsamer, kein USB Typ-C, sondern noch das „alte“ Micro-USB - die kleinen Sparmaßnahmen läppern sich zusammen. Auf der Haben-Seite: die 4GB RAM und der per microSD erweiterbare 32GB-Speicher - in der Mittelklasse nicht immer selbstverständlich.

Das 5,2 Zoll große LCD-Display löst mit Full-HD auf und gefällt mir sehr gut. Kräftige Farben und ein guter Blickwinkel sind bei einem Smartphone dieser Preisklasse eine Seltenheit. Der Fingerabdrucksensor sitzt beim P10 Lite übrigens noch auf der Rückseite (P10 und P10 Plus haben ihn vorne). Finde ich super, denn hinten macht der Sensor einfach mehr Sinn. Das Handy aus der Tasche geholt, schnell hinten draufgetippst und schon ist das Display entsperrt. Einziger Nachteil, wenn das Handy am Tisch liegt, erreiche ich den Sensor nicht so leicht. Man kann nicht alles haben, aber der Fingerabdrucksensor des P10 Lite arbeitet sehr schnell und zuverlässig - ein großes Plus!

Gepatzt hat Huawei eigentlich nur beim internen Lautsprecher - der ist einfach viel zu leise - egal, ob im Auto als Freisprecheinrichtung oder daheim im Bad bei der morgendlichen Dusche. So richtig Partystimmung kommt da nicht auf. Der Sound aus dem Kopfhörer-Ausgang ist dagegen perfekt. Die Empfangsleistung des P10 Lite ebenso. Ich nutze das LTE-Netz von Drei und habe keine Probleme mit dem Empfang. Auch das WLAN-Signal ist stets stark - Bluetooth funktioniert einwandfrei.

Der Akku ist mit 3.000 mAh nicht unbedingt großzügig dimensioniert. Ich als Heavy-User (viel Whats-App, Facebook, Spiele, Musikstreaming) komme damit gerade so einen Tag aus. Am Abend muss das Lite aber wieder an den Strom - wer sein Smartphone weniger stark beansprucht, schafft vielleicht eineinhalb Tage. Pokemon-Go Spieler sollten auf jeden Fall ein externes Akku-Pack mithaben, sonst ist die Jagd relativ schnell wieder vorbei. Die 12-Megapixel Kamera macht ganz gute Fotos, aber auch nicht überragende. Hier einige Fotos, die ich im Botanischen Garten in Linz gemacht habe:

Software - beim Apfel abgeschaut?

Als Schwachpunkt bei Huawei gilt die eigene Software - EmotionUI genannt. Die ist nämlich jener des Konkurrenten Apple relativ ähnlich. Die Apps sind alle auf dem Home-Screen, auch gibt es keinen App-Drawer wie bei Android üblich. So viel zur Grundeinstellung - aber hoppla: In den Einstellungen lässt sich ja alles anpassen - und damit kehrt auch der App-Drawer zurück. Jeder kann also jetzt entscheiden, wie er es lieber mag - so soll es sein! Mir persönlich gefällt die Software sehr  - alles klar strukturiert und so lassen sich viele Dinge einstellen. Das P10 Lite wird mit Android 7.0 Nougat ausgeliefert und läuft gut - manchmal kam es aber zu Rucklern und Hängern, die ich so von den Flaggschiffen nicht mehr kenne. Aber alles in allem läuft das P10 Lite sehr flott und ist für den Alltagsgebrauch ausreichend. Auch etwas hardware-hungrige Spiele sind in der Regel kein Problem.

Fazit

Als Technik-Freak kann ich bei Mittelklasse-Smartphones meist nur müde lächeln. Das P10 Lite gefällt mir aber sehr gut. Es ist toll verarbeitet, hat zeitgemäße Hardware verbaut und lässt sich einfach bedienen. So muss Mittelklasse 2017 aussehen. Die von Huawei angegebene UVP (unverbindliche Preisempfehlung) liegt bei 329 Euro, teilweise hab' ich das Gerät aber auch schon für weniger als 300 Euro gesehen. Ein Problem hat das „leichte“ P10 aber - seine eigenen Konzernbrüder! Das P9 Lite und das P8 Lite 2017. Beide kosten um einige Euros weniger und sind dem P10 Lite sehr ähnlich! Warum sich Huawei die Konkurrenz im eigenen Stall hochzüchtet, kann ich nicht ganz nachvollziehen, aber deren Sache! Das P10 Lite ist und bleibt ein gelungenes Gesamtpaket zum moderaten Preis. Von mir gibt es 6 von 10 Punkten für die neue Mittelklasse von Huawei.

Noch einmal kompakt die Pros und Cons:

Pros:
Exzellente Verarbeitung
Flotte Hardware
Software aktuell
Handlich und leicht

Cons:
Akku
Schwacher eingebauter Lautsprecher
UVP etwas zu hoch
Kamera nicht immer Top (vor allem bei wenig Licht)

Redaktioneller Hinweis: Das Testgerät wurde mir von Huawei für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung gestellt.

Bis zum nächsten Mal!
 

Weekend-Redakteur Lukas Steinberger ist ein Technik-Freak sondergleichen. Wobei ihn die Bezeichnung „Nerd“ nicht beleidigt, sondern ehrt. Er saugt alle Neuheiten in sich auf und ist immer am neuesten Stand, liebt Computerspiele, beschäftigt sich ausführlich mit den neuesten Smartphones und den dazugehörigen Gadgets und ist ein Experte für Unterhaltungselektronik. In seinem Blog testet er Spiele, Konsolen, Smartphones, Gadgets und vieles mehr und lässt die Leser an seiner Faszination für die spannende Technik-Welt teilhaben.

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