"Ich kann nix": Die häufigsten Komplexe von heute

Uns geht’s gut! Wir haben ein eigenes Einkommen, eine Wohnung nach unserem Geschmack, Freunde, Familie, Hobbys und vielleicht auch einen Partner. Und doch ist die Massenunzufriedenheit deutlich spürbar.

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Wir sind in der Schwebe Foto: fcscafeine/iStock/Thinkstock

Selbstzweifel, unerfüllte Sehnsüchte, ein „Leere“-Gefühl – der Schein trügt eben. Jeder hat sein eigenes Problem, ist damit aber trotzdem nicht alleine. Die Ursachen können unterschiedlich sein: Entweder negative Erfahrungen oder die generelle Unmöglichkeit, das Ganze des menschlichen Wesens zu bejahen, wie C. G. Jung es einst zusammengefasst hat. Wir zeigen Ihnen die häufigsten Komplexe der Gegenwart auf.

1. Das Gefühl des Nichts-Könnens

Es ist ein faszinierendes Phänomen: Auch wenn jemand eine gute Position bekleidet, mit Boni belohnt wird und beneidenswert gut verdient, das Gefühl des Nichts-Könnens ist dennoch sein ständiger Begleiter. Es heißt, Selbstzweifel sei ein Garant für Misserfolg, doch der Misserfolg existiert nicht – der Selbstzweifel jedoch scheint kaum ablegbar. Woher rührt dieser Selbstzweifel vor allem bei jenen Personen, die unsereiner als „mega-erfolgreich“ bezeichnen würde? Unterschiedliche Ursachen sind verantwortlich: Vergleiche mit anderen, die Erziehung und somit Erwartungen der Eltern, der Wunsch nach Selbsterfüllung, die in der momentanen Situation einfach nicht erlebbar ist. Das macht Angst und ängstliche Gedanken drehen sich im Kreis.

2. Das Gefühl des Nicht-Genügens

Auch in der Liebe sind ertrinken wir regelrecht in einem Meer voller Minderwertigkeitskomplexe, die für Außenstehende meist nicht nachvollziehbar sind. So attraktiv, redegewandt oder angenehm eine Person auch sein mag, sie selbst hat stets Angst, dem anderen nicht zu genügen, nicht schön/ intelligent/ schlank/ lustig etc. zu sein. Für uns abwegig, doch für Betroffene eine große Last, denn anstatt die heute ohnehin rare Romantik in vollen Zügen zu genießen, schwimmen sie in Selbstkritik.

3. Das Gefühl der Schwebe

Wer bin ich eigentlich und wer will ich sein? Vielleicht liegt es daran, dass wir in jeder Hinsicht (zu) viele Wahlmöglichkeiten haben, die überfordern können, doch vor allem junge Menschen wissen heute nicht genau, wer sie eigentlich sind beziehungsweise sein wollen. Das äußert sich nicht nur hinsichtlich ihres äußeren Auftretens, sondern auch ihrer Persönlichkeitszüge. Habe ich meinem „Wunsch-Selbst“ entsprechend gehandelt oder muss ich mich in dieser und jener Situation mehr konzentrieren, um so zu sein, wie ich es mir vorstelle? Was sie nicht bedenken, ist, dass ihr konkretes Handeln ihrem wirklichen Charakter entspricht. Und das ist auch gut so...

4. Das Gefühl der Enge

Der moderne Mensch fühlt sich schnell eingeengt. Die jüngere Generation will sich nicht (zu sehr) binden, weder in der Partnerschaft noch im Beruf. Sie braucht einen Plan B, der ihnen die Sehnsucht nach Freiheit zumindest ein wenig lockert. Im Liebessektor entstehen moderne Beziehungsformen: Mingle, polyamorös, offen! Experten gehen gerade bei Mingles jedoch vielmehr von "Feigheit" aus als von unersättlicher Freiheitsliebe, denn wer sich nur halb bindet, hat Angst vor tiefen Gefühlen. Im beruflichen Sektor möchten wir ebenfalls freier sein. Home Office, Teilzeit, oder offenere Formen sind jetzt willkommener denn je, zumal wir unsere Erfüllung (zum Glück) nicht nur über unseren Job definieren.

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