Für wen funktioniert Tinder, für wen nicht?

Wissenschaftler sind sich sicher: Nur weil zwei Menschen auf dem „Papier“ gut matchen, heißt das nicht, dass sie auch in Wirklichkeit gut zusammenpassen. Daher sollen Dating-Apps wie Tinder überhaupt nicht funktionieren.

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Tinder passt nicht zu jedem Foto: Rawpixel Ltd/iStock/Thinkstock

So lautet zumindest das Fazit einer Studie der University of Utah. Wir sind zwar ebenfalls der Meinung, dass für das Finden des „Seelenverwandten“ mehr nötig ist, als die gegenseitige physische „Anziehung“ (sofern man über Fotos davon sprechen kann), begleitet von kompatiblen Gesprächen und Interessen. Allerdings würden wir nicht so weit gehen, zu behaupten, dass Dating-Apps nicht funktionieren, schließlich gibt es mehr als genug Paare, die sich genau über solche kennen- und liebengelernt haben. Sie sind aber typabhängig. Dating-Apps sind im Grunde nicht schlecht, denn eine Reihe von individuellen Präferenzen werden schon im Vorhinein abgeklärt, sodass sie nicht erst später einmal zum Problem mutieren müssen. Ganz so einfach ist es aber dann doch nicht. Zunächst scheint alles  zu passen, doch schon beim ersten Face-to-Face-Gespräch geht der Gefühlsüberschwang flöten. Was läuft da bloß immer schief? Sie hatten sich virtuell doch so gut verstanden...

Das sieht Tinder nicht

Im Prinzip würden wir mit tausenden von Menschen weltweit zusammenpassen, denn Hobbys, Interessen, Werte, Einstellungen oder Vorlieben lassen sich in Kategorien einordnen, von denen es nicht allzu viele gibt, jedoch massenhaft Anhänger finden. Jedenfalls vergessen Menschen gerne auf unsere Urbiologie, also auch auf die essenziellen Zutaten für euphorische Schmetterlinge im Bauch - allen voran der Körpergeruch. Passt er nicht, können auch 100 perfekte Eigenschaften Ihres Tinder-Matches ihn nicht obsolet machen. Doch darauf wollen wir jetzt nicht hinaus. Tinder ist nämlich immer auch ein wenig Typ-Sache. Während viele über die Dating-App TATSÄCHLICH ihre große Liebe finden, sind andere scheinbar einfach nicht dafür gemacht. Wir haben einmal analysiert, für welchen Typ Mensch Tinder wirklich funktioniert und welche Eigenschaften er haben soll.

1. Geduld

Auf Tinder werden Ihnen hunderte von hübschen Gesichtern entgegenlächeln, die Sie ebenfalls sympathisch finden. Mit ungefähr einem Viertel werden Sie nette Nachrichten austauschen und mit einer Handvoll werden Sie am Ende auch ausgehen. Immer wieder der gleiche Smalltalk, die gleichen Schmähs, die gleiche Überwindung, um nach einem Date zu fragen. Ungeduldige Menschen werden nach zwei Wochen die weiße Fahne schwenken und sich von der virtuellen Welt der Massenangebote wieder abmelden, weil sie schlichtweg überfordert und von der Eintönigkeit regelrecht genervt sind. Es kommt zu einem Boreout-Syndrom. Wer aber Ausdauer beweist, hat gute Chancen.

2. Introvertiertheit

Dieser Punkt ist nicht eindeutig erklärbar, aber wir versuchen’s: Natürlich finden Sie auf Tinder und Co. Muskelprotze und Machos oder selbstverliebte Vamps, die alles andere als introvertiert sind. Das Thema ist jedoch, für wen funktioniert „die Suche nach einer ernsthaften Beziehung“ am wahrscheinlichsten. Wen Sie jemand sind, der ständig unterwegs ist, einen vollen Freizeitterminkalender hat und auf viele Partys geht, um dort immer wieder neue interessante Menschen kennenzulernen, wird Tinder gerade einmal dazu nutzen, sich im Wartezimmer beim Arzt die Zeit zu vertreiben, denn Online-Dating braucht viel Zuwendung. Wer allerdings introvertiert(er) ist, schüchtern oder sich beim Schreiben einfach viel leichter tut als beim Reden, empfindet sogar Spaß dabei wird am Ende vielleicht auch "fündig".

3. Resistenz

Tinder verlangt ungemein viel Resistenz gegen indirekte Abweisungen ab. Da haben Sie sich doch so gut verstanden, sind sich virtuell ein Stückchen nähergekommen und auf einmal lesen Sie nie wieder von Ihrem Match. Oder noch schlimmer: Sie haben sich bereits getroffen, sich super ausgetauscht und müssen nun dasselbe Resultat schlucken. Wir wissen nicht, was passiert, aber es sind wahrscheinlich die unbewussten (biologischen) Kleinigkeiten, die zu dieser Folgeerscheinung führen können. Tinder-Nutzer brauchen eine dicke Haut. Wer sie nicht hat, hat hier nichts verloren.

4. Selbstbewusstsein

Dieser Punkt schließt direkt an den vorherigen an. Es kann auch passieren, dass Sie gar keine Matches haben. Jeder Nutzer, der Ihnen gefällt, erwidert Ihre Sympathie vielleicht nicht – ungeachtet dessen, ob es an Ihrer Bildauswahl oder inhaltlichen Information liegt. Das verlangt ein großes Selbstbewusstsein, die Sie weitersuchen lässt.

5. Hoffnung

Schließlich müssen Tinder-User hoffnungsvolle Optimisten sein, die sich von Niederschlägen nicht unterkriegen lassen. Irgendwann wird es schon klappen! Wer keinen so langen Atem hat, sollte es auf anderem Wege probieren...