Trend zu Ekel: Warum will jeder Grausiges sehen?

Ist Ihnen aufgefallen, dass immer mehr unappetitliche Bilder und Videos auf Social Media-Kanälen sowie in Berichterstattungen auftauchen und unverständlicherweise in Millionen von Klicks resultieren?

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Eklig aber interessant? Foto: Minerva Studio/iStock/Thinkstock

Wir leben offenbar nicht nur in einer überperfekten Instagram-Welt, die lediglich von tausendfach überarbeiteten Fotos im Glanzmagazin-Stil genährt ist, sondern lieben gleichzeitig auch die abstoßende Seite des Lebens. Ausgedrückte Pickel, ekeliges Essen und fragwürdige Selfies – derartige Bilder und Videos sind derzeit einer der größten Trends im Internet und breiten sich wie ein Lauffeuer aus. Je abstoßender die Darstellungen sind, umso mehr Aufrufe generieren sie.

Ärztin gibt Startschuss

Den Startschuss für den Ekel-Trend hat eine US-amerikanische Ärztin namens Sandra Lee gegeben. Auf Instagram und YouTube nennt sie sich „Dr. Pimple Popper“ („Dr. Pickel-Platzer“) und zeigt Videos von Patienten, deren sie die Haut auf ekelhafte Weise säubert. (Wer sie sehen will, kann sie im Netz suchen – wir verzichten jedoch auf das Teilen der grausigen Bilder, auch wenn wir dadurch als Spielverderber betitelt werden). Jedenfalls hat das zu einer immensen Nachahmerschaft geführt, die sich nur so übertrumpfen wollen mit widerlichen Aufnahmen.

Mensch hat sadistische Neigung

Doch warum ist das so? Der Mensch ist nicht nur auf Ästhetik ausgerichtet, sondern hat zum Teil auch ein anderes natürliches Bedürfnis, das bei Ekel begünstigt wird – der Hauptgrund, warum Trash-Sendungen wie „Dschungelcamp“ oder „Big Brother“ funktionieren oder funktioniert haben. Hinter dem Ekel versteckt sich demnach der sadistische Drang vieler Menschen, sich an das „Leid“ anderer zu ergötzen, wodurch das eigene Selbstwertgefühl steigt. Ganz schön erschreckend, wenn uns bewusst wird, wie die meisten von uns ticken. Das Gleiche lösen beispielsweise auch böse Witze aus, denn dadurch wird unsere Schadenfreude ausgelöst. Wir sind zwar keine Fans von zwanghaftem Perfektionismus, freuen uns aber auch, wenn dieser Trend wieder abflaut.

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