Kopf hoch: Eine gute Körperhaltung macht gute Laune!

Sorgen können auf den Magen schlagen, doch nicht nur die Psyche hat Auswirkungen auf den Körper, auch der umgekehrte Weg ist möglich. Eine aufrechte Körperhaltung hat einen starken Einfluss auf unsere Stimmung und unsere Gedächtnisleistung.

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Eine aufrechte Haltung und Achtsamkeitsmeditation können gegen Depressionen helfen Foto: Koldunov/iStock/Thinkstock

Kummer und Sorgen? Da würde man sich am liebsten ganz klein und unsichtbar machen, um ja nicht zu viel Raum einzunehmen. Die Schultern und der Kopf hängen kraftlos nach unten, die ganze Haltung ist kümmerlich gebeugt. Szenenwechsel: Man hat sich gerade dieses neue, unglaublich sexy wirkende Kleid gekauft, dass die eigenen Vorzüge so gut betont. Dazu mussten natürlich auch die passenden Schuhe her und schwups: Schon stolziert man voller Stolz und Selbstbewusstsein mit einer unglaublichen Ausstrahlung durch die Menschenmassen – und stellt alle anderen locker in den Schatten. 

Wer traurig ist oder Ängste hat, wünscht sich diese unbeschreibliche Energie selbstbewusster Menschen, die locker und schwerelos durch das Leben zu gehen scheinen. Wie kann man das erreichen? Durch stundenlange Sitzungen beim Psychologen? Auch, aber es gibt noch einen anderen Weg: Einfach, indem man eine selbstbewusste, aufrechte Körperhaltung einnehmen. Denn psychische Probleme können nicht nur den Körper krank machen, sondern kann der Körper auch die Seele heilen. 

Ein aufrechter Gang 

Sport und Bewegung können bei Depressionen ähnlich effektiv wirken wie klassische Antidepressiva. Der Psychologe Johannes Michalak und sein Team untersuchten in einer Studie, wie sich die Körperhaltung auf das Erinnerungsvermögen auswirkt. Die Probanden mussten entweder gebeugt und antriebslos oder aufrecht und voller Energie gehen, währenddessen wurden ihnen positive und negative Begriffe vorgelesen. Die Ergebnisse zeigten Erstaunliches: Wer gebeugt und mit hängenden Schultern ging, merkte sich mehr negative Wörter. Wer hingegen selbstbewusst und optimistisch dahinschritt, an dem blieben eher die Worte "schön", "mutig" und "freundlich" hängen. 

Lachen macht glücklich

Schlecht gelaunt? Alles geht einem auf die Nerven? Versuchen Sie einfach einmal ihr Gesicht zu einem Lächeln zu überreden. Klingt merkwürdig und ist auch manchmal gar nicht so einfach, bewirkt aber viel. Studien konnten zeigen, dass die Gesichtsmuskulatur die Stimmung beeinflussen kann. Wer also trotz schlechter Laune lächelt, wird sich bald schon besser fühlen. Wer weiß, vielleicht wird aus dem erzwungenem Lachen ja auch schnell ein echtes, einfach, weil man sich bei dieser Übung ein klein wenig bescheuert vorkommt … Falls es so ist: Wunderbar, Mission completed! Bereits 15 Minuten tägliches Lachen steigert den Serotonin- und Dopaminspiegel im Blut und macht so zufriedener. Dazu noch auf die Körperhaltung achten und voilà, schon fühlt man sich besser.

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Wer lacht, schüttet automatisch mehr Glückshormone aus – auch wenn das Lachen erzwungen wurde Foto: SanneBerg/iStock/Thinkstock

Botox gegen Kummer

Manchmal fällt einem das Lachen echt schwer. Also wurden Depressiven in einer Studie mittels Botox die Zornesfalte auf der Stirn gelähmt. Auch wenn die Probanden jetzt nicht in schallendes Gelächter ausbrachen, so verringerten sich die Symptome der Depression um erstaunliche 50 Prozent! 

Therapie mit Haltung

Die Wirkungen einer Psychotherapie könnte man verbessern, wenn man zusätzlich an einer aufrechten Körperhaltung arbeitet und Verspannungen, die auch Schmerzen verursachen können, vermeidet. Wer weniger unter Kopfschmerzen leidet, ist meist automatisch energiegeladener. Bei Diabetespatienten fanden Forscher beispielsweise heraus, dass sie eher zu Depressionen neigen – einfach, weil der Körper durch eine fehlerhafte Blutzuckereinstellung müde und kraftlos ist. All diese Ergebnisse zeigen, dass der Einfluss des Körpers auf die Psyche nicht mehr zu leugnen ist und in Therapien berücksichtigt werden sollte – genauso wie umgekehrt psychosomatische Beschwerden ganzheitliche Beachtung finden müssen.

Die Achtsamkeitsmeditation wird immer öfter in die Psychotherapie mit einbezogen. Der Patient lernt, eine aufrechte, konzentrierte Haltung während der Meditation einzunehmen und auf seine Körperempfidnungen zu achten. Studien zeigen, dass bereits 20 Minuten tägliches Meditieren effektiv gegen Depressionen helfen.  

Auf den richtigen Tanzstil kommt es an

Aktuelle Untersuchungen beschäftigen sich mit dem Einfluss verschiedener Tanzstile auf die Stimmung von Patienten. In der Therapie wurden verschiedene Stile ausprobiert. Das Ergebnis: Depressive Menschen profitieren vor allem durch vertikale Bewegungen. Wer sich traurig fühlt, sollte also ruhig einmal übermütig auf und ab hopsen. Bei tief sitzenden Ängsten haben sich hingegen langsamere Bewegungen von links nach rechts bewährt. Diese wiegenden Bewegungen erinnern uns wohl an unsere Kindheit und schenken uns ein Gefühl von Geborgenheit.